Wiederaufbau der Wärme- und Energieversorgung im Kreis Ahrweiler

Foto: Energieagentur Rheinland-Pfalz

Durch unmittelbare und mittelbare Fluteinwirkungen sind in den betroffenen Gemeinden im Kreis-Ahrweiler Haushalte unterschiedlich stark zerstört worden. Mehrere davon waren bis zum 1. Stockwerk überflutet und sind mittlerweile bis auf die Wandsteine entkernt. Viele Gebäude werden auch jetzt, vier Monate nach der Flut, noch getrocknet.

Bei der Flut sind auch die Heizungsanlagen zerstört und entsorgt worden, sodass hier die Frage der Energieversorgung zum Tragen kommt. Viele Bürgerinnen und Bürger wollen nicht mehr mit fossilen Energieträgern heizen und suchen nach Alternativen.

Um den Winter bzw. die Heizperiode 2021 / 2022 zu überbrücken, wurden in den betroffenen Gemeinden – je nach Bedarf – Notlösungen installiert (Holz-Öfen, Elektroheizstationen, kleine Wärmenetze auf Öl-Basis, Wärmepumpen, etc.).

Wie ging und geht es weiter?

Nun stellen sich einige Fragen, z. B. wie es perspektivisch weitergeht? Wie können die zerstörten und teilweise entkernten Haushalte saniert werden? Stehen dafür genug Energieberater und Fachexperten zur Verfügung? Wie wollen Bürger und Bürgerinnen in Zukunft heizen? Welche Möglichkeiten der nachhaltigen Wärmeversorgung gibt es?

Am Mittwoch 8. Dezember wurde der ersten Zwischenstand der langfristigen Lösung vorgestellt. Was hat sich zwischendurch geändert? Wo stehen die Gemeinden heute?

Am Donnerstag, 27. Januar 2022, fand die zweite Informationsveranstaltung zur Vorstellung des Zwischenstands der Wärmenetzprojekte im Ahrtal statt. Der erste Kreisbeigeordnete Horst Gies, Staatssekretär im Klimaschutzministerium Michael Hauer und die Vizepräsidentin der ADD sowie die neue gewählte Landrätin Cornelia Weigand begrüßten die rund 90 Teilnehmer.  

Christoph Zeis, Geschäftsführer der Energiedienstleistungsgesellschaft in Ober-Olm stellte das Ergebnis der von ihm berechnete Wirtschaftlichkeit des Nahwärmenetzes in Mayschoß vor. Gerd Wolter aus Dernau und Andreas Zedler aus Mayschoß, beide Ansprechpartner ihrer Gemeinde für Nahwärmenetze, stellten ebenfalls die Herausförderungen in den Projekten vor, z. B. die Synergieeffekte mit anderen Infrastrukturen (Glasfaser, Wasserversorgung, Sanierung der Straße) und die Förderlücken.

Danach berichteten Ortsbürgermeister Dominik Gieler und Prof. Thomas Giel von der Hochschule in Mainz über ein über Oberfläche Geothermie betriebenes kaltes Nahwärmenetz der Ortsgemeinde Rech.

Anschließend präsentierten Rolf Schmitt, Koordinator der Gemeinde Marienthal und den Planer Ulrich Schäfer vom Ingenieurbüro IBS das Projekt Dorfwärme Marienthal. Es handelt sich um ein mit Solarthermie unterstützte Nahwärmenetz aus Pellet Basis.

Johannes Pinn, Vorsitzender der Eifeler Energiegenossenschaft informierte die ca. 90 Teilnehmer, dass das Projekt in Kreuzberg leider nicht mehr realisierbar ist. Es sind mehrere, teilweise nicht zu lösende Probleme aufgetaucht:

  1. Der vorgesehene Standort für das Kesselhaus hat sich aufgrund der gegebenen Größe, der Lage zwischen Münstereifeler Straße und der steil ansteigenden Felswand, sowie der engen Tallage, in Verbindung mit der Umgebungsbebauung und der notwendigen Abgasabführung, als ungeeignet erwiesen.
  2. Ein anderweitig hochwassersicherer Standort für die Heizzentrale ist nicht gegeben.
  3. Die Zahl der anschlusswilligen Haushalte ist in mehreren Netzabschnitten, im Verhältnis zur Trassenlänge des Verteilnetzes, unwirtschaftlich. So wurde z.B. festgestellt, dass an mehreren Netzabschnitten über 200 laufende Meter Verteilnetz für den Anschluss von vier Häusern notwendig sind.
  4. Die notwendige Querung des Sahrbaches führt ebenfalls zu hohen Mehrkosten bei der Netzausführung.

Wie steht es um die Förderung?

Wegen der Förderlücke möchten bzw. werden die Verantwortlichen der jeweiligen Gemeinden zeitnah Kontakt mit dem Klimaschutzministerium des Landes aufnehmen.

Landrätin Cornelia Weigand bedankte sich am Ende der Veranstaltung insbesondere bei den ehrenamtlichen Planern für ihr Engagement im Ahrtal und wünschte sich zum Thema Fördermix eine konkretere Aussage vonseiten des Ministeriums.