Jahreskongress

Der Jahreskongress 2019 stand ganz im Zeichen der Fortschreibung des Landesklimaschutzkonzeptes. In sechs verschiedenen Workshops diskutierten 170 Klimaschutz-Akteure aus Wirtschaft, Kommunen, Verbänden, Institutionen und der Wissenschaft über bestehende Maßnahmen und brachten neue Ideen ein. Gastredner Klaus Töpfer, ehemaliger Bundesumweltminister und früherer Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), hob die globale Bedeutung von Klimaschutz hervor und plädierte dafür, innovative Technologien mit den Ländern des Südens zu teilen. Die Ortsgruppe der Fridays for Future-Bewegung hielt eine Mahnwache ab.

 

  • v.l.n.r.: Thomas Pensel (Geschäftsführer Energieagentur Rheinland-Pfalz), Staatssekretär Dr. Thomas Griese (Umweltministerium Rheinland-Pfalz), Professor Klaus Töpfer (Bundesumweltminister a. D.), Michael Hauer (künftiger Geschäftsführer der Energieagentur Rheinland-Pfalz) (Bilder: Energieagentur Rheinland-Pfalz)

  • „Auf der Grundlage unseres Landesklimaschutzgesetzes haben wir ein Klimaschutzkonzept mit rund 100 Maßnahmen entwickelt, das wir heute gemeinsam mit Ihnen, Ihren Ideen und Anregungen fortschreiben wollen“, sagte Umweltstaatssekretär Dr. Thomas Griese zum Auftakt der Veranstaltung.

  • Der mitreißende Vortrag von Professor Klaus Töpfer war eine gute Einstimmung auf die Workshops und eine Motivation für die Teilnehmer.

  • Ministerpräsidentin Malu Dreyer meldete sich per Videobotschaft bei den Teilnehmern des Jahreskongress und bedankte sich für das zahlreiche Engagement für den Klimaschutz im Land.

  • 170 Kongressteilnehmer diskutierten über bestehende Maßnahmen und brachten neue Ideen ein.

  • Manche Teilnehmer reisten mit dem Elektroauto an und präsentierten diese vor dem Veranstaltungsgebäude.

  • Die Arbeitskreise orientierten sich an den im Klimaschutzkonzept beschriebenen Handlungsfeldern.

  • Die Teilnehmer der Workshops konnten in einem Live-Online-Voting die Maßnahmen, die bereits überarbeitet wurden, auf ihre Attraktivität und die Realisierbarkeit beurteilen.

  • Die Schülerinnen und Schüler der Fridays for Future Ortsgruppe Frankenthal hielten eine Mahnwache ab, um die Arbeit der Energieagentur Rheinland-Pfalz zu unterstützen.

  • Später beteiligten sie sich in den Workshops.


Nach dem Landesklimaschutzgesetz sollen die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 Prozent gesenkt werden (gegenüber dem Stand von 1990). Angestrebt ist außerdem, dass Rheinland-Pfalz bis 2050 klimaneutral wird. Im Klimaschutzkonzept, das 2015 veröffentlicht wurde, legt die Landesregierung die Ausgangslage dar, zeigt Handlungsoptionen auf und benennt knapp 100 Maßnahmen, mit deren Hilfe die im Landesklimaschutzgesetz festgelegten Ziele erreicht werden sollen. Das Konzept wird alle vier Jahre fortgeschrieben, um aktuellen Trends und Entwicklungen zu begegnen.

Die Energieagentur Rheinland-Pfalz unterstützt nun die erste Fortschreibung des Konzeptes. Sie wurde vom Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten des Landes Rheinland-Pfalz (MUEEF) mit der Organisation und Koordination des Prozesses betraut. Im Rahmen des diesjährigen Jahreskongresses rief die Landesenergieagentur die Klimaschutzakteure des Landes auf, sich an der Fortentwicklung des Konzeptes zu beteiligen und neue Ideen einzubringen.

Folgende Handlungsfelder standen im Fokus: Gewerbe/Handel/Dienstleistungen (GHD), übrige Verbraucher, Private Haushalte, Industrie, prozessgebundene Emissionen, Strom/Wärme/Netze, Öffentliche Hand, Abfall/Wasser, Verkehr und Landnutzung.

In einem ersten Schritt konnten die Teilnehmer der Workshops in einem Live-Online-Voting den aktuellen Stand der Maßnahmen, die bereits überarbeitet wurden, auf ihre Attraktivität und die Realisierbarkeit beurteilen. In allen Workshops wurden die Bestandsmaßnahmen als attraktiv und gut realisierbar wahrgenommen.

Im zweiten Schritt, einer Kreativphase, fragte die Landesenergieagentur nach neuen Ideen für wirkungsvolle Maßnahmen, die im Anschluß von den Teilnehmern priorisiert wurden. In mehreren Workshops plädierten die Teilnehmer unabhängig voneinander dafür das Thema „Klimaschutz an Schulen“ besser zu verankern. Ebenfalls in mehreren Workshops wurde die Forderung erhoben auf Bundesebene darauf hinzuwirken, den Fachkräftemangel in der Energieberatung zu beseitigen und Energieberatung zu einem eigenen Ausbildungsberuf auszubauen. Insbesondere im Workshop „Private Haushalte“ wurde vorgeschlagen für Neubaugebiete verpflichtenden Klimaschutz festzuschreiben und das Thema Biodiversität ins Landesklimaschutzgesetz aufzunehmen.

Klimaschutz als kommunale Pflichtaufgabe war eine Forderung aus dem Workshop „Öffentliche Hand, Abfall / Wasser". „Klimakümmerer“ sollten in den Gemeinden einen Gesamtüberblick über das Thema Klimawandel/Energiewende haben. Für Kommunen solle es – ähnlich wie schon für die Unternehmen – Energiekarawanen geben, die Aufklärungsarbeit über Klimaschutz und Energiewende leisten. Darüber hinaus sollten Investitionen auch in Kommunen stärker unter dem Nachhaltigkeitsaspekt betrachtet werden.

Im Workshop "Verkehr" herrschte nahezu Einigkeit darüber, dass mehr für den Radverkehr getan werden müsse. Zudem votierten die Teilnehmer dafür, dass im Verkehrssektor technologieoffen diskutiert wird, also auch über Wasserstoff beispielsweise im öffentlichen Nahverkehr. Gefordert wurde eine menschenfreundliche (im Gegensatz zur autofreundlichen) Stadt, damit sich die Lebensqualität der Menschen wieder erhöht.

Auch im Workshop "Landnutzung" gab es Ideen, die für die Fortschreibung des Klimaschutzkonzeptes wertvoll sind: Die Teilnehmer waren sich einig, dass der Ökolandbau besser gefördert und Ökolandbau in die landwirtschaftlichen Ausbildung aufgenommen werden soll. Dem Erhalt der Wälder müsse auch im Klimaschutzkonzept größere Bedeutung beigemessen werden, denn Wälder sind wichtige CO2-Senken, Erholungs- und Wirtschaftsräume.

Nach der Sommerpause können sich alle Bürgerinnen und Bürger mit einer Online-Beteiligung bei der Fortschreibung des Landesklimaschutzkonzeptes einbringen.


Der Kongress wird klimaneutral durchgeführt. Hierzu wird bei der Planung und Durchführung der Veranstaltung alles daran gesetzt, Klimaschäden und Abfall zu vermeiden.