Knallharte Verhandlungen zwischen Staaten, Lobbygruppen und Klimaaktivisten

Klimaschutzmanager Julian Binczyk erläutert die Position der Industrieländer: Foto: Energieagentur Rheinland-Pfalz

Welche unterschiedlichen Interessen müssen in den umfangreichen Debatten auf den internationalen Klimakonferenzen zusammengebracht werden? Wie fühlt es sich an in die Rolle von Delegierten zu schlüpfen? Und welche Stellschrauben können wir noch drehen, um die Erderwärmung zu begrenzen? Rund 25 Teilnehmende - Studierende, Mitarbeitende, aber auch Klimaschutzmanager*innen aus der Region - kamen gestern zu unserer Klimakonferenzsimulation zusammen, die von Julian Binczyk, Klimaschutzmanager an der Hochschule Trier, in Zusammenarbeit mit der Energieagentur Rheinland-Pfalz und myclimate Deutschland durchgeführt wurde.

Ein „weiter so“ führt zu über 3 Grad Erderwärmung

Thomas Lanners, der als Vertreter von myclimate durch den Tag moderierte, erinnerte die Teilnehmenden zunächst daran, dass die aktuellen Selbstverpflichtungen zum Klimaschutz der einzelnen Länder nicht ausreichen, um das well-below-under 2°C Ziel aus dem Pariser Klimaabkommen einzuhalten. Viel eher würden die derzeitigen Maßnahmen zu einer Erderwärmung von etwa 3,8° C führen - ein ernstzunehmender Unterschied, beispielsweise in Bezug auf einige sogenannte Kippelemente des Klimasystems.

Weniger Eis in der Arktis, mehr Erwärmung des Ozeans

Dies konnte auch Polarforscher Dr. Andreas Preußer den Teilnehmenden anhand seiner Forschungen über das arktische Eisschild verdeutlichen. Preußer wurde kurzzeitig per Videokonferenz zugeschaltet, um einige Infos über seine wissenschaftlichen Erkenntnisse, die er unter anderem während einer der größten Exkursionen in die Arktis gewinnen konnte, mit auf den Weg zu geben. Eine zentrale Beobachtung: Das Volumen des arktischen Meereises nimmt ab, der Albedo-Effekt, wonach die Sonnenstrahlen von hellen Eismassen reflektiert werden, verringert sich. Sonnenstrahlen treffen so vermehrt auf dunkles Ozeanwasser, wodurch die Temperatur in der Arktis ansteigt und die Eisschmelze weiter begünstigt wird. Ein Teufelskreis beziehungsweise eines der Kippelement des Klimasystems.

Auftritt der Interessensvertretungen

Mit diesem Wissen im Hinterkopf startete die Simulation. Die Teilnehmenden wurden hierbei aufgeteilt in Vertreter*innen verschiedener Gruppen, deren Interessen sie in der Klimakonferenz vertreten mussten und schlüpften so für einen Tag in die Rolle von Landwirten, Klimaaktivisten, Entwicklungsländern oder Energiekonzernen. In einer Verhandlungsrunde am Vor- und einer Verhandlungsrunde am Nachmittag wurde diskutiert, Interessen mussten abgewogen und letztlich Kompromisse geschlossen werden. Die Teilnehmenden bekamen so ein Gefühl dafür, wie langwierig die echten Verhandlungen sein können und wie die Ergebnisse auf den Klimakonferenzen wohl zustande gekommen sein mögen.

Die Verhandlungen und Ergebnisse ……

Und auch wenn die Ergebnisse der echten Klimakonferenzen bislang hinsichtlich des Abkommens von Paris unzureichend sind, konnten die Teilnehmenden mittels der verwendeten Simulationssoftware erkennen, dass die Einhaltung des well-below-2° C Ziels noch realistisch ist. Das von Climate Interactive und der MIT Sloan Sustainability Initiative entwickelte Tool EN-ROADS bietet die Möglichkeit verschiedene Szenarien zur Begrenzung der Erderwärmung zu simulieren. Ganz praktisch konnten die Teilnehmenden bis zu 30 Stellschrauben verändern und beispielsweise die direkte Auswirkung der Energieeffizienz von Gebäuden auf die Erderwärmung feststellen. Das große Ziel der Gruppe: Am Ende die verschiedensten Maßnahmen so skalieren, dass die Erderwärmung sogar noch auf 1,5° C begrenzt werden kann.

…….das Ziel kann erreicht werden

Und so stand am Ende des Tages fest: 1,5 °C sind theoretisch noch zu erreichen, well-below-under 2°C sind noch drin – hoffen wir, dass die echten Delegierten ihre Interessen so vorbildlich zusammenbringen wie unsere Teilnehmenden, dann steht einer ernstzunehmenden Bewältigung der Klimakrise nichts mehr im Wege.

Text: Hochschule Trier