Nachhaltig mobil auf dem Land – mit dem Elektro-Bürgerauto

Das Team hinter dem Projekt! Klimaschutzmanager Dr. Viktor Klein und die ehrenamtlichen Helfer, die das Elektro-Bürgerauto möglich machen. Foto: Viktor Klein

 

Mobil auf dem Land, klimafreundlich und ohne eigenes Auto? In der Verbandsgemeinde Birkenfeld ist dies bereits Realität. Dank eines Elektro-Bürgerautos werden dort seit 2014 Fahrtenwünsche von Menschen erfüllt, die ohne eigenen Pkw mobil sein möchten. Das Projekt lebt von dem Engagement der Bürgerinnen und Bürger, die ehrenamtlich Fahrten durchführen. Fahrzeug und Batterieladungen stellt die Verbandsgemeindeverwaltung bereit. Dr. Viktor Klein, Klimaschutzmanager der Verbandsgemeinde, ist Initiator und Koordinator des Modellprojekts. Für ihn ist das Elektro-Bürgerauto ein Erfolg. Die bisherige Bilanz: 3.000 Fahrten, 50.000 gefahrene Kilometer und viele zufriedene Gesichter.

Waldbedeckte Hügel und weite Felder, zwischen denen kleine Ortschaften hervorscheinen – dieses Bild ist charakteristisch für die Verbandsgemeinde Birkenfeld im südwestlichen Rheinland-Pfalz. Verteilt auf 31 Gemeinden wohnen hier rund 20.000 Menschen, Tendenz sinkend. Wie viele Regionen im ländlichen Raum ist die Verbandsgemeinde Birkenfeld stark vom demographischen Wandel betroffen. Bei der Entscheidung für ein Leben in diesem ländlichen Idyll ist Mobilität ein wesentlicher Faktor. Das ÖPNV-Angebot ist begrenzt und bestehende Verbindungen umständlich. Ob die Fahrt zur Arbeit, zum Einkaufen oder der Besuch bei Freunden; ohne eigenes Auto gestaltet sich die Deckung der Grundbedürfnisse schwierig. Betroffen sind vor allem ältere oder sehr junge Menschen, die nicht selbst fahren können oder wollen. Die Frage nach nachhaltigen Verkehrslösungen, die eine gemeinschaftliche Nutzung vorsehen, gewinnt vor dem Hintergrund des demographischen und klimatischen Wandels zunehmend an Bedeutung.

Eine kreative Antwort auf diese Problematik ist das Elektro-Bürgerauto, das Klimaschutzmanager Dr. Viktor Klein in der Verbandsgemeinde Birkenfeld ins Leben gerufen hat. Die Idee: Als Ergänzung zum ÖPNV soll das Bürgerauto zur Verbesserung der Mobilität von Bürgerinnen und Bürgern beitragen, die über keinen eigenen PKW verfügen. Gleichzeitig soll es helfen, den demographischen Wandel in der Region abzumildern. Zugleich ist das teilweise mit Strom aus einer örtlichen Photovoltaik-Dachanlage „betankte“ Elektroauto ein Paradebeispiel für emissionsarme Mobilität, das sich auf den (Land-) Straßen sehen lassen kann. Es soll als „Botschafter“ unterwegs sein und zur Nachahmung inspirieren. „Durch eine Fahrt kann man erleben, dass Elektroautos im ländlichen Raum bereits heute sinnvoll und kostengünstig zu nutzen sind“, so Klein.

Die Idee des Elektro-Bürgerautos kam in der Verbandsgemeinde gut an und Klein konnte die Unterstützung von Bürgermeistern und Ehrenamtlichen gewinnen. Die Finanzierung wurde durch Fördermittel aus dem Modellvorhaben „LandZukunft“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sichergestellt. Bei der Realisierung des Projekts standen „LandZukunft“ sowie Mitarbeitende des Projekts „Bürgerbusse“ des Landes Rheinland-Pfalz beratend zur Seite. Als besonders fruchtbar erwies sich zudem der Erfahrungsaustausch mit der Schwarzwaldgemeinde Oberreichenbach, auf deren Straßen bereits ein Elektro-Bürgerauto rollte. Dank dieser Vielzahl an Kooperationen konnte im Mai 2014, acht Monate nach Antragstellung, in der VG Birkenfeld die erste Fahrt mit dem Elektro-Bürgerauto angeboten werden.

Die Durchführung der Fahrten verteilt sich auf verschiedene Schultern. Die Verbandsgemeindeverwaltung kümmert sich um die Rahmenbedingungen; sie stellt das Fahrzeug zur Verfügung, kommt für laufende Kosten und Versicherung auf und übernimmt die Organisation. Die Umsetzung erfolgt überwiegend durch ehrenamtliche Bürgerinnen und Bürger. „Sie übernehmen den Telefondienst, das Fahren, die Entwicklung der Buchungssoftware und stellen den Kümmerer für das Fahrzeug“, stellt Klein das Konzept vor. Er selbst ist die Kontaktperson zwischen Ehrenamtlichen und Verwaltung.

Die Fahrgäste reservieren ihre Fahrt mindestens einen Tag im Voraus telefonisch unter einer Rufnummer der Verwaltung. Die eingehenden Anrufe werden auf den Privatanschluss derjenigen ehrenamtlichen Person umgeleitet, die gerade Dienst hat. Diese trägt die Fahrtenwünsche in ein Online-Buchungssystem ein, auf das auch die ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrer Zugriff haben. Rückfahrten können auch kurzfristig über ein Handy im Bürgerauto gebucht werden. Da telefonische Reservierung und Schlüsselübergabe an die Öffnungszeiten der Verwaltung gekoppelt sind, findet der Fahrdienst ausschließlich werktags statt. Die Touren beschränken sich auf das Gebiet der Verbandsgemeinde. In der Mittagspause wird das Fahrzeug, ein Renault Zoé, der aufgrund seiner Schnellladefähigkeit ausgewählt wurde, an einer 22-kW-Ladestation geladen, die zum Teil von einer Photovoltaikanlage mit regenerativem Strom gespeist wird. Die Reichweite einer Ladung liegt bei rund  100 bis 150 km, was vier bis fünf Fahraufträgen entspricht. Täglich können mit dem Bürger-Elektroauto bis zu zehn Touren gefahren werden.

 „In zwei Jahren wurden mit dem Elektro-Bürgerauto über 3.000 Fahrten durchgeführt und über 50.000 km zurückgelegt“, freut sich Klimaschutzmanager Dr. Viktor Klein. Der Betrieb soll nach Möglichkeit dauerhaft weiterlaufen. Doch damit nicht genug: Zur Ergänzung des Angebots und um den Transport von Personengruppen zu ermöglichen, plant die Verbandsgemeinde Birkenfeld in naher Zukunft die Einführung eines Elektro-Bürgerbusses.

Viktor Klein stellte das Projekt im Rahmen des Jahreskongesses der Energieagentur Rheinland-Pfalz in Mainz vor. Foto: Energieagentur Rheinland-Pfalz/Sonja Schwarz