Kesseltauschkampagne: „Die Alten müssen raus!“

Ende 2014 fand der „Testlauf“ statt: Zwischen September und Dezember 2014 hatten die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises Altenkirchen im Rahmen der Heizungspumpentauschaktion „Die Alte muss raus!“ die Möglichkeit, ihre alte energieintensive Heizungspumpe gegen einen Zuschuss in Höhe von 50 Euro abzuwracken. Stefan Glässner, Klimaschutzmanager des Landkreises Altenkirchen, konnte alle relevanten Akteure für die Kampagne ins Boot holen. Knapp 30 lokale Heizungsinstallateure, drei Hersteller von Heizungspumpen und ein regionaler Energieversorger unterstützten die Aktion, indem sie die zu gewährenden Bonuszahlung stemmten. Letztendlich sorgte die Heizungspumpentauschaktion für den Wechsel von knapp 300 Stromfressern hin zu neuen Hocheffizienzpumpen. Ein toller Erfolg.

Grund genug eine weitere Kampagne zu starten, dachte sich Stefan Glässner. Nun soll es den alten ineffizienten Heizungskesseln an den Kragen gehen. Über vier Millionen Heizungsanlagen in Deutschland gelten derzeit als dringend modernisierungsbedürftig. Denn sie verbrauchen, gemessen am heutigen technischen Stand, viel zu viel Energie und belasten somit Umwelt und Klima. Egal ob mit Gas, Öl oder Holz geheizt wird, Kessel, die schon 20 Jahre auf dem Buckel haben, sind meist ziemlich ineffektiv. Als Faustregel gilt: Je älter die Anlage, desto größer der finanzielle Nutzen eines Austausches für den Hausbesitzer. Ist der Kessel 30 Jahre oder älter liegt das Einsparpotenzial bei rund 30 Prozent.

Eine Erkenntnis aus dem Altenkirchener Klimaschutzkonzepts war, dass der überdurchschnittliche Anteil an alten Heizungsanlagen und der große Heizölanteil zu hohen Treibhausgasemissionen führen. „Die Kenntnis über das große Einsparpotenzial war für uns Motivation, gemeinsam mit der Sanitär-Heizung-Klimatechniker-Innung Rhein-Westerwald eine öffentlichkeitswirksame Kampagne zu konzipieren,“ so Klimaschutzmanager Stefan Glässner.

Ein klangvoller Kampagnenname war im Sinne der Gendergerechtigkeit schnell gefunden. Nachdem „die Alten“ (Heizungspumpen) bereits raus mussten, wurde für die Kesseltauschkampagne der Slogan „Der Alte muss raus!“ gewählt. Entsprechend der erfolgreichen Heizungspumpentauschaktion wurde auch diesmal wieder ein Bonussystem eingeführt, um die Aufmerksamkeit und die Motivation für die Maßnahme zu erhöhen. Da die finanziellen Mittel der gemeinsamen Klimaschutzinitiative des Landkreises aber knapp sind, wurde analog zur Heizungspumpentauschaktion ein Modell gewählt, bei dem die von der Kampagne profitieren Unternehmen aus dem Heizungssektor, Heizungskesselhersteller und -installateure, die Bonuszahlung komplett tragen.

Am Ende des Entwicklungsprozesses steht eine umfangreiche Kampagne die aus vier Säulen besteht, aber trotzdem relativ einfach ist und ohne langes Anmeldeprozedere oder viel Papierkram auskommt. Das namensgebende Kernstück der Kampagne ist der Kesseltauschbonus. Bürgerinnen und Bürger des Landkreises, die einen Heizungskessel besitzen, der Baujahr 1995 oder älter ist, können den Kesseltauschbonus beantragen. Dabei spielt es keine Rolle, ob Erdölbrennwerttechnik, Erdgasbrennwerttechnik oder eine regenerative Alternative (Holzpellets, Scheitholzvergaser, Wärmpumpe) eingesetzt werden.

Der Zuschuss trägt sich erneut durch die Kampagnenpartner aus dem profitierenden Heizungssektor, den Installateuren und Heizungskesselherstellern, und beträgt je nach Investitionsvolumen 250 oder 500 Euro. Zusätzlich gibt es einen Solarthermiebonus mit der gleichen Bonusstaffelung, für heizungsunterstützende Solarthermieanlagen. Somit kann bei einer Kombination von Kesseltausch und der Installation einer heizungsunterstützenden Solarthermieanlage im Rahmen der Kampagne ein Gesamtbonus in Höhe von bis zu 1.000 € beantragt werden.

Mit den lokalen Brennstofflieferanten konnte ebenfalls eine Vereinbarung getroffen werden, die den Teilnehmern noch einen zehn-prozentigen Bonus beim Bezug der Brennstofflieferung ermöglicht.

Die Heizungskesseltauschaktion mit dem einprägsamen Titel „Der Alte muss raus“ startete am 1. August 2015 und läuft noch bis zum 31. Mai 2016. Die Aktion erreicht im Landkreis durch ein gutes Marketing eine hohe Aufmerksamkeit. Jeder Haushalt wurde per Flyer informiert, zudem fanden Informationsveranstaltungen während der Aktionswoche 2015 der Energieagentur Rheinland-Pfalz statt und die Presse berichtete mehrfach über die zusätzliche, kreiseigene Fördermöglichkeit beim Kesseltausch. Die Kampagne ist ausführlich auf der Website der Klimaschutzinitiative beschrieben. Explizit wird auch auf weitere Fördermöglichkeiten, etwa vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) oder der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) verwiesen, die sich wunderbar mit dem kreiseigenen Bonus kombinieren lassen.

Dank der fast 200 getauschten Wärmeerzeuger und einer kalkulierten CO2-Vermeidung von knapp 400 Tonnen pro Jahr fällt das Zwischenfazit von „der Alte muss raus!“ wenige Monate vor dem Ende des Kampagnenzeitraums positiv aus.

Der Ablauf der Aktion in Kürze:

  1. Die an einem Heizungskessel interessierten Altenkirchener Hausbesitzer wählen aus einer Teilnehmerliste einen Heizungsfachbetrieb aus, der sich einen Überblick über das bestehende Heizsystem verschafft und den Kunden berät.
  2. Der alte Heizungskessel (älter als 20 Jahre) wird gegen einen modernen und effizienten Kessel eines an der Aktion teilnehmenden Heizungsherstellers getauscht.
  3. Der Kunde füllt ein entsprechendes Antragsformular aus und reicht es mit einer Kopie des Rechnungsbelegs bei der Kreisverwaltung ein.
  4. Das Geld wird vom Konto der Klimaschutzinitiative an den Teilnehmer ausgezahlt.
  5. Die Teilnehmer erhalten eine Kesseltauschbestätigung und können den Brennstoffbonus beantragen.