Idar-Oberstein: Klimaschutz systematisch denken und in den Köpfen verankern

Klimaschutzmanagerin Julia Besand, Foto: Stadt Idar-Oberstein

Die Themen Klimaschutz und Energiesparen sind für die Stadt Idar-Oberstein alles andere als Neuland. Bereits vor mehr als 10 Jahren stand das Thema vereinzelt auf der städtischen Agenda, angefangen mit Umstellungen zur Stromeinsparung in städtischen Kläranlagen, über die Umrüstung der Straßenbeleuchtung von Quecksilberdampf- auf Natriumdampflampen, bis hin zu Sanierungsmaßnahmen in städtischen Gebäuden. Was fehlte, war ein systematischer Ansatz innerhalb eines abgestimmten Klimaschutzkonzeptes mit entsprechenden Instrumenten, um den gesamten Prozess transparent zu gestalten und zwar für alle städtischen Einrichtungen und Ämter der Verwaltung.

Systematisierung des Themas Klimaschutz erst seit 2013

Die Jahre 2013 und 2014 markieren mit der Verbrauchserhebung für 29 städtische Liegenschaften so etwas wie den Startschuss für eine Systematisierung des Themas Klimaschutz in der Stadt. Dabei erwies es sich als äußerst hilfreich, dass das Thema im Rahmen mit externer Hilfe transparent angegangen wurde. Bei der Umsetzung war die im Jahr 2015 begonnene, von der dena entwickelte und von der Energieagentur Rheinland-Pfalz betreute Veranstaltungsreihe „dena-EKM“ eine willkommen fachliche Basis. „Die Veranstaltungsreihe ist zwar abgeschlossen, aber die Integration des Themas innerhalb der Verwaltung ist noch in vollem Gang“, resümierte Julia Besand.

Mitte 2016 verabschiedeten die politischen Gremien der Stadt ein Klimaschutzleitbild. Es soll der Stadtverwaltung, den Stadtwerken und der Selbstverwaltung als Orientierungsrahmen dienen und leitet sich unmittelbar von den klimapolitischen Leitlinien des Landes Rheinland-Pfalz ab. Auch hier lieferte der Veranstaltungszyklus von dena die inhaltliche Blaupause. „Im Arbeitskreis Klimaschutz haben wir diese Vorlage an unsere spezifischen Gegebenheiten angepasst“, beschreibt Julia Besand. Intrakommunale Zusammenarbeit war gefragt: Kämmerei, das städtische Bauamt, der Bereich Abwasser der Stadtwerke sowie das Gebäudemanagement, sie alle speisten Ihre Inhalte und Themen im Rahmen von Workshops mit ein. Die Ergebnisse der intensiven Treffen gingen als Beschlussvorlage in den Stadtvorstand bzw. die Räte. Nach seiner Verabschiedung soll das Energie- und Klimapolitische Leitbild bis zum Jahr 2021 als Leitlinie dienen. Danach soll es bei Bedarf an die veränderten Gegebenheiten angepasst werden.

Energiebericht soll Transparenz schaffen

Inhaltlich soll ein Energiebericht den Klimaschutzaktivitäten für die nötige Transparenz sorgen. Der Energiebericht ist sowohl vom Umfang als auch der Datenbeschaffung dem „Bohren dicker Bretter“ vergleichbar, wie Julia Besand bemerkt, die seit 2016 als Klimaschutzmanagerin in Idar-Oberstein tätig ist. „Die Herausforderung einer solchen Publikation besteht u.a. darin, aus einem solchen Bericht am Ende die richtigen Schlüsse herauszuziehen“, so Besand. Im Optimalfall sollte er jährlich veröffentlich werden, um Veränderungen feststellen zu können und um im Bedarfsfall eine einheitliche Datenbasis für Vergleiche bzw. für Nachjustierungen zu haben. Ob dieser Plan aufgrund des erheblichen organisatorischen Aufwands durchzuhalten ist, muss sich noch zeigen. In jedem Fall kann der Energiebericht eine valide Basis sein, um sich bei auffallenden Verbrauchs- und Kostenabweichungen von Gebäuden näher mit möglichen Ursachen befassen zu können. „Dies war vor der systematischen Erhebung von Verbrauchsdaten so nicht möglich“, stellte Julia Besand fest.

Umsetzung Energiemanagementsystem

Zum Teil befindet sich das Energiemanagementsystem der Stadt bereits in Umsetzung, aber bislang mangelt es noch an der nötigen Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Als große Herausforderung hat sich erwiesen, dass es schwierig ist, sämtliche Großverbraucher zu erfassen. Im Energiebericht soll dies erstmals gelingen, aber das „kontinuierliche Monitoring für alle Großverbraucher ist noch nicht vollständig angestoßen“, gibt Besand zu bedenken. Die Herausforderung: Nutzer und Betreiber sind zu sensibilisieren,  insbesondere da das regelmäßige Erfassen von Energieverbräuchen mit zum Teil nicht unerheblichem Aufwand verbunden ist. „Dann kann es helfen, mit Kostengesichtspunkten zu argumentieren“, so Besand.

Umrüstung LED Straßenbeleuchtung als Option

Eine weitere wesentliche Stellschraube im Hinblick auf die klimaeffiziente Ausrichtung der Stadt ist nach Einschätzung ihrer Klimaschutzmanagerin Julia Besand auch, perspektivisch die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technologie ins Auge zu fassen. „Am Ende entscheidet die Amortisierungsdauer, ob eine solche Maßnahme in Erwägung gezogen wird“, ist sich Besand sicher. Attraktive Förderprogramme von Seiten des Landes können hier sicher unterstützend wirken.

Interkommunales Netzwerk Energie (IkoNE) soll Bürger für Klimaschutz aktivieren

„Wir können im besten Fall als Stadt Vorbild auch für unsere Bürger sein, das Thema Klimaschutz auch in den eigenen vier Wänden umzusetzen.“ Im Bereich des interkommunalen Netzwerks Energie (IkoNE) soll zusammen mit dem Landkreis Birkenfeld und der Verbandsgemeinde Birkenfeld eine auf zwei Jahre angelegte Kampagne unter dem Titel „Energiewende-Mein Haus macht mit!“ möglichst viele Bürger für praktischen Klimaschutz aktivieren. Bei dieser Aktion kommt den Kommunen eine entscheidende Vorbildfunktion zu. Die Kampagne selber umfasst vier Module mit einer Laufzeit von jeweils sechs Monaten. Themen sind dabei u.a. ein von der Bafa geförderter Heizungspumpentausch. Die Kommunen nutzen diese Kampagne, um auch in den eigenen Liegenschaften dem Thema verstärkte Aufmerksamkeit zu widmen.

Zertifizierung als folgerichtiger Schritt

Eigentlich wäre eine Zertifizierung der Stadt als energieeffiziente Kommune ein folgerichtiger Schritt, der den eingeschlagenen Prozess der Stadt in Richtung eines kommunalen Klimamanagements krönen würde. „Es wäre ein sinnvoller Abschluss eines langwierigen Prozesses zu einem durchgängigen Klimaschutzmanagement“, so Julia Besand.

Kontakt:

Julia Besand, Klimaschutzmanagerin

Stadtverwaltung Idar-Oberstein (Gebäudemanagement/ 69), Georg-Maus-Straße 1,

55743 Idar-Oberstein

Tel: 06781 - 64 412, Fax: - 409, E-Mail: julia.besand(at)idar-oberstein(dot)de

www.idar-oberstein.de