08.08.2014

Kläranlagen für die Energiewende: Die Westpfalz packt´s an

Laut Statistischem Landesamt Rheinland-Pfalz nutzen immer mehr Kläranlagen anfallenden Klärschlamm, um daraus Klärgas zu gewinnen. Im Jahr 2013 erzeugten 85 der rund 750 Kläranlagen im Land rund 39,5 Millionen Kubikmeter Klärgas. So viel wie noch nie zuvor. Da Kläranlagen einen hohen Strombedarf haben, wird fast die gesamte Stromerzeugung von 42.740.000 Kilowattstunden selbst verbraucht. Zur aktuellen Pressemitteilung des Statistischen Landesamts geht es hier.

Zwei der 85 Klärgas für die Eigenstromversorgung nutzenden Anlagen sind in der Westpfalz ansässig. Hierbei handelt es sich um jene der Stadtentwässerung Kaiserslautern und der Verbandsgemeinde Weilerbach.

Die Eigenerzeugung von Strom und Wärme spielt eine entscheidende Rolle bei der Energieversorgung der Kläranlage Kaiserslautern. Bei der Schlammstabilisierung in den Faulbehältern entsteht Klär- oder Faulgas in einer Größenordnung von 8 Mio. m³ pro Jahr, das über zwei Blockheizkraftwerke, in Strom und Wärme umgewandelt wird. Pro Stunde werden 460 Kilowatt Strom und 730 Kilowatt Wärme erzeugt werden. Gut die Hälfte der im gesamten Betrieb benötigten elektrischen und 100% der thermischen Energie entstehen damit vor Ort und werden auch dort genutzt. Hintergrundinformationen erhalten Sie hier.

Im Rahmen des Umweltinnovationsprogramms der Bundesregierung mit dem Förderschwerpunkt „Energieeffiziente Abwasseranlagen“ strebt Weilerbach gleichfalls an, Faulgas in Strom zu wandeln. Hier ist das Ziel, den Stromeigenbedarf der Kläranlage durch eine optimierte Faulgasausbeute und Nutzung im eigenen Blockheizkraftwerk komplett zu decken (Stichwort: energieautarke Kläranlage). Nähere Informationen finden Sie hier.

Ebenfalls im Rahmen des Umweltinnovationsprogramms der Bundesregierung wird in der südlichen Westpfalz, in Pirmasens, die „Energieoptimierung der Kläranlage Blümeltal“ gefördert. Hierzu wird ein Gesamtkonzept erarbeitet, das die ver­schiedenen Stoffströme der Kläranlage ganzheitlich betrachtet. Die Verfahrenstechnik wird anschließend so gestaltet, dass eine bestmögliche Reinigungsleistung mit minimiertem Betriebs- und Energieaufwand er­reicht werden kann. Mehr Informationen finden Sie hier.

Die auch in der Westpfalz beheimatete Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn ist in den letzten Jahren konsequent Energie-Einsparpotenzialen nachgegangen. Alle Betriebsmittel und Aggregate – allen voran Pumpen – wurden hinsichtlich des Verbrauchs und der Betriebszeiten überprüft und anschließend optimiert. Gegenüber dem Jahr 2010 können im Jahr 2013 fast 130.000 kWh Strom eingespart werden. Dies bedeutet einen Rückgang des Stromverbrauchs von fast 20 Prozent. Weiterführende Informationen erhalten Sie hier.

Darüber hinaus erforschen Wissenschaftler des Fachgebiets Siedlungswasserwirtschaft der Technischen Universität Kaiserslautern derzeit die Beiträge von Kläranlagen zur Optimierung des Energiesystems im Rahmen der Fördermaßnahme „ERWAS - Forschung für eine energie- und ressourcenschonende Wasserwirtschaft der Zukunft“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Ziel des Verbundvorhabens „Arrivee - Abwasserreinigungsanlagen als Regelbaustein in intelligenten Verteilnetzen mit erneuerbarer Energieerzeugung“ ist die Integration vorhandener Kläranlagen in ein optimiertes Regelenergie- und Speicherkonzept. Hierbei sollen die technischen Voraussetzungen von Kläranlagen mit anaerober Stabilisierung, vorhandenen KWK-Anlagen und den dazugehörigen Gasspeichern gezielt genutzt werden. Die zu erforschenden Lösungsansätze sollen System- und Netzdienstleistungen für Verteil- (Spannungshaltung) und Übertragungsnetze (Frequenzhaltung mit Hilfe von Regelenergie) erbringen, die durch den zunehmenden Ausbau der fluktuierend einspeisenden erneuerbaren Energien notwendig werden. Nähere Informationen zum Arrivee-Projekt erhalten Sie hier.

Bei Fragen rund um die oben genannten Projekte sowie zu entsprechenden Ansprechpartnern können Sie sich gerne an die Mitarbeiter des Regionalbüros Westpfalz wenden.