Regionalforum

Energiewende und Klimaschutz im Westerwald - Was können wir konkret für unsere Region tun?

Ziel des Regionalforums war, über Chancen und Herausforderungen der Energiewende und des Klimaschutzes im Westerwald zu informieren und konkrete Handlungsmöglichkeiten in den Bereichen Energiesparen, Energieeffizienz und erneuerbare Energien vorzustellen und zu diskutieren. „Wir haben die Idee des Regionalbüros der Energieagentur Rheinland-Pfalz, ein Regionalforum gemeinsam zu veranstalten, sehr gerne aufgegriffen“, resümierte Landrat Achim Schwickert den Entstehungsprozess der Veranstaltung. Die Erweiterung der erneuerbaren Energien sei mittel- und langfristig der richtige Weg, so Schwickert. Große Chancen bestünden für die Kommunen in der Umsetzung von Projekten im Bereich der Energieeffizienz. Gleichzeitig verwies er aber auch auf den Konflikt zwischen Natur- und Artenschutz einerseits und Klimaschutz auf der anderen Seite und die kritische Haltung in der Bevölkerung, die vielerorts gegenüber konkreten Projekten für erneuerbare Energien vor Ort bestehe. Thomas Pensel, Geschäftsführer der Energieagentur Rheinland-Pfalz, betonte die Möglichkeiten, durch gezielte Energieeffizienzmaßnahmen langfristig Ressourcen und Kosten einsparen zu können. Das setzten, so Pensel, viele Kommunen im Westerwald schon erfolgreich um.

Aktionsprogramm "Energie 2020" der Verbandsgemeinde Wallmerod

So geht es etwa in Wallmerod „ans Eingemachte“, beschrieb Bürgermeister Klaus Lütkefedder das Vorgehen in seiner Verbandsgemeinde. Wallmerod hat vor fünf Jahren das Aktionsprogramm „Energie 2020“ ins Leben gerufen. Warum? Ökonomische Aspekte standen damals im Vordergrund, so Lütkefedder. Die Verbandsgemeinde investierte in Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz. Seitdem konnten viele Vorhaben im Rahmen des kommunalen Energiemanagements realisiert werden, die der Verwaltung mittlerweile eine Ersparnis von rund 30 Prozent bei der Heizenergie bescheren. Bilanziell wird inzwischen mehr Strom produziert als verbraucht.

Die Schwerpunkte des Aktionsprogramms bestanden 2010 darin, eine Bestandsaufnahme durchzuführen und die Verbrauchssituation zu analysieren. Als Konsequenz richtete die Verwaltung ein Gebäudemanagement mit hauptamtlichen Mitarbeitern ein. Standortbezogene Energiekonzepte wurden erarbeitet. Es wurden konkrete Maßnahmen zur Optimierung des Energieverbrauches umgesetzt. Der Einsatz regenerativer Energie sollte verstärkt und vertragliche Optionen und Kooperation mit privaten Partnern geprüft werden. Das alles unter der Berücksichtigung von neutralem, externen Sachverstand.

"Gewinnergemeinde" Ober Kostenz zu Gast im Westerwald

Ein weiteres erfolgreiches Praxisbeispiel ist das Nahwärmeprojekt in Ober Kostenz. „Wir wollten eine Gewinnergemeinde werden“, beschreibt Bürgermeister Gerd Schreiner den Anstoß zum Projekt. Besonders die große Akzeptanz und der gestiegene Zusammenhalt für und durch das Projekt in der kleinen Ortsgemeinde aus dem Rhein-Hunsrück-Kreis beeindrucken die Zuhörer. Ein wichtiges Kriterium sei gewesen, dass bei einem Bürgerenergieprojekt, die regionale Wertschöpfung und Selbstbestimmung im Vordergrund stehe, so Schreiner. Nachdem der Entschluss gefasst war, das Projekt anzugehen, gründete man eine Energiegenossenschaft. Grundsätzlich stehen verschiedene Geschäftsmodelle für Bioenergieprojekte zur Auswahl. Entscheidend sei natürlich die Wirtschaftlichkeit der Unternehmung gewesen. Ein Kostenvergleich zeigte, das Projekt "rechne sich" für alle Beteiligten.

Kosten sparen durch den Eingenverbrauch von Photovoltaik-Strom

Dass sich nach wie vor die Nutzung der Sonnenenergie lohnt, zeigte der Vortrag von Dr. Ralf Engelmann von der Energieagentur Rheinland-Pfalz, der den Stromkosteneinspareffekt durch die Erhöhung des Eigenverbrauchs von Photovoltaik-Strom herausstellt. Optimal auf den Bedarf des Nutzers abgestimmte PV-Anlagen könnten bis zu 50 % Eigenverbrauch des PV-Stroms bei öffentlichen Gebäuden generieren (Bsp. Schulen, Verwaltungsgebäude). Je größer der Preisvorteil von PV-Strom gegenüber dem Netzstrom und je höher der Autarkiegrad desto wirtschaftlicher sei der Eigenverbrauch, so Engelmann. Die Rentabilität des Modells hänge zudem von der Strompreisentwicklung ab.

Rahmenbedingungen für Elektromobilität im Westerwald

Michael Schramek vom Netzwerk für intelligente Mobilität e.V. richtete im abschließenden Impulsvortrag den Blick auf ein Thema, das den Westerwald in Zukunft beschäftigen wird: Elektromobilität. Schramek beschäftigte sich in seiner Präsentation mit dem Mobilitätsmix der Zukunft. Wohin entwickelt sich unsere Mobilität in den nächsten Jahren? Elektromobilität bildet dabei einen Bestandteil in einem Konzept nachhaltiger Mobilität. Wie und wann bringt man Elektromobilität in den Westerwald? Schramek beschrieb die Rahmenbedingungen, die geschaffen werden müssten, um Elektromobilität – gerade im ländlichen Raum – zu ermöglichen. Als Praxisbeispiel ging er auf ein Mobilitätskonzept ein, das in Montabaur erstellt wurde. Das Potenzial der Elektromobilität haben die Landkreise im Westerwald für sich erkannt und möchten gemeinsam mit dem Regionalbüro der Energieagentur Rheinland-Pfalz das Thema vorantreiben.

Nächste Schritte

In den anschließenden Arbeitsgruppen entstanden anregende Diskussionen zu den vier Themen der Veranstaltung. Zum Abschluss fasste Peter Müller vom Regionalbüro Westerwald die Veranstaltung kurz zusammen und gab einen Ausblick auf die nächsten Schritte in der Region und auf geplante Aktivitäten der Energieagentur Rheinland-Pfalz. Aufgrund der Resonanz und dem großen Interesse an den Themen des Regionalforums wird gemeinsam mit den Vertretern der drei Landkreise über eine Folgeveranstaltung nachgedacht.

Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen

Die Arbeitsgruppen gaben den Teilnehmenden die Gelegenheit Fragen an die Referenten zu stellen. Die Ergebnisse der Diskussionen haben wir für Sie festgehalten.