Werkstattgespräch "Klimafonds - Realer oder rentabler Klimaschutz"

Hochklassig besetzt war das Werkstattgespräch „Klimafonds – Realer oder rentabler Klimaschutz“, das die Energieagentur Rheinland-Pfalz am 4. Dezember 2020 gemeinsam mit der Börsen-Zeitung, durchgeführt hat.

Dr. Werner Hoyer, Präsident der Europäischen Investitionsbank, beschrieb in punkto Klimawandel die Dramatik der Situation: Die Klimapolitik sei an einem Scheideweg angekommen. Das 1,5 Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens scheine unerreichbar und auch die Treibhausgasemissionen, die durch die Corona-Pandemie vermindert worden seien, würden nach der Pandemie wieder ansteigen. Als einen Grund für die Stagnation im Klimaschutz nannte Hoyer die viel zu niedrigen Preise für Verschmutzungsrechte. Ein anderer sei, dass verfügbare Technologien noch nicht konkurrenzfähig seien. Sein Appell: „Wir müssen die Anstrengungen in den nächsten Jahren erheblich steigern.“

Genügend Geld sei vorhanden. Es fehle aber an einem Mechanismus, damit das Geld in nachhaltige Strategien fließt. Als Beispiel nannte Hoyer, dass alle sechs Wochen eine Großstadt in der Größe von New York entstehe, weil viele Menschen – insbesondere im globalen Süden – in Großstädte ziehen, um dort ihr Auskommen zu finden. Dadurch müsse viel mehr Strom erzeugt werden. Im globalen Süden würde dies meist durch Nutzung fossiler Energien geschehen, was wiederum den Klimawandel verstärke.

Hoyer rief eindringlich dazu auf, heute anzufangen in klimaneutrale Infrastrukturen zu investieren und auch die Länder des Südens dabei zu unterstützen Alternativen zu (oft chinesischen) Gaskraftwerken zu entwickeln. Ein staatlich organisierter Klimafonds wäre das richtige Instrument, um solche nachhaltigen Investitionen auf den Weg zu bringen.

Dieser Aufruf stieß bei Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizäcker, ehemaliger Bundestagsabgeordneter, Gründungspräsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie, sowie Ehrenpräsident des Club of Rome, auf offene Ohren. Das eigentliche Problem sieht von Weizäcker in den Weltemissionen. „Während wir in Europa [aus den fossilen Energien] aussteigen, werden andernorts 600 neue Kohlekraftwerke eingeweiht. Wir müssen die Nord-Süd-Beziehungen so umgestalten, dass es auch in den Ländern des Südens ein Bedürfnis gibt auszusteigen.“

Eine gewichtige Rolle beim Klimaschutz komme, so Lars Murawski, Vizepräsident für Umwelt, Gesundheit, Sicherheit und Nachhaltigkeit bei Boehringer Ingelheim, der Industrie zu. Sie habe eine Verpflichtung die Treibhausgasemissionen so gering als möglich zu halten – nicht nur in Deutschland. Entscheidend für Klimaschutzprojekte und -maßnahmen sei ein strenger Kriterienkatalog, damit kein Greenwashing möglich ist. Klimaschutzprojekte müssten über jeden Zweifel erhaben sei. Dem stimmte von Weizäcker zu. Man müsse dahin kommen, dass emissionsintensive Unternehmen, indem strenge Rahmen gesetzt würden, sich nicht mehr rentieren.

Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken rief ebenfalls dazu auf, mehr Anstrengungen in den Klimaschutz zu setzen. Welche Konsequenzen der Klimawandel habe, sei in Rheinland-Pfalz bereits deutlich greifbar, beispielsweise durch die Waldschäden. Das Land investiere bereits in nachhaltige Gebäude, eine nachhaltige Mobilität und vieles mehr. Höfken stellte aber klar, dass die Anstrengungen für Klimaschutz nicht allein durch öffentliche Haushalte gestemmt werden können. Vielmehr brauche es auch private Investitionen für grüne und transitorische Wachstumsmärkte. Das Langfristziel sei die Treibhausgasneutralität.

Weitere Referenten der Veranstaltung:

  • Michael Hauer, Geschäftsführer der Energieagentur Rheinland-Pfalz
    (Eröffnung und Einführung in die Thematik)
  • Gunnar Muent, Stellvertretender Direktor der Europäischen investitionsbank (Teilnehmer Paneldiskussion)

Die Paneldiskussion wurde von Dr. Detlef Fechtner, Stellvertretender Chefredakteur der Börsen-Zeitung, moderiert.

 

Das Werkstattgespräch fand als Online-Veranstaltung statt.
 

Trailer zur Veranstaltung

Aufzeichnung der Veranstaltung

Werkstattgespräch "Klimafonds"