06.06.2016

„Musterbeispiel eines zwischenstaatlichen Projekts“

Am 30. Mai fiel der Startschuss für die lange vorbereitete Testphase. Das Ziel lautet: maximales Ausnutzen des lokal erzeugten Sonnenstroms vor Ort durch Batteriespeicher, Wärmepumpen und eine intelligente Steuerung. Zwei Varianten werden im Ginsterweg und im Rainer-Maria-Rilke-Weg dafür getestet.

Rund 20 Millionen Euro steckt "Nedo" in die Technologie, um das Modellprojekt "Lokale Energie-Produktion für den lokalen Verbrauch" umzusetzen. Im Falle Ginsterweg stellt die GEWO ein 16-Parteien-Gebäude zur Verfügung, in dem eine Parzellierung mittels Stromverteileranlage vorgenommen wird. Einen ersten Eindruck davon konnten die Anwohner gestern bei der offiziellen Inbetriebnahme gewinnen.

 

Energieversorgung von morgen mitgestalten

"Sie werden nicht darunter leiden, das kann ich Ihnen versprechen", versicherte SWS-Geschäftsführer Wolfgang Bühring den Mietern. Überzeugt äußerte er sich über das Projekt, bei dem "groß international und klein regional" aufeinandertreffen. "Das ist eine gute Mischung, um die Energieversorgung von morgen mitzugestalten und weiter zu entwickeln", betonte Bühring.

Nedo-Vorstandsmitglied Makoto Watanabe war ebenfalls zuversichtlich bezüglich der Erkenntnisse, die das Vorhaben letztendlich erbringen wird. Er stellte fest: "Ich glaube, es wird ein Musterbeispiel eines zwischenstaatlichen Projekts." Nach Lyons, Málaga und Manchester haben sich die Japaner Speyer als vierten Forschungsstandort ausgesucht. Optimale Bedingungen finden sie dort angesichts der authentischen Umgebung vor, in der das so genannte "Smart Community"-Projekt in zwei Varianten umgesetzt wird.

Während im Ginsterweg einzelne Reihenhäuser simuliert werden, die den Individualverbrauch der Mieter ermitteln sollen, ist im Rainer-Maria-Rilke-Weg eine Fotovoltaikanlage mit zentraler Batteriespeicherlösung installiert worden. Eine ganzheitliche Optimierung durch das "HEMS" - ein "Home Energy Management System", mit Batteriespeicher und Wärmepumpe verknüpft - wird dort erprobt. Am Ende soll sich zeigen, was der sinnvollere Weg zur Eigenstromversorgung ist.

Für Alfred Böhmer, Geschäftsführer der GEWO, die die beiden Wohnblocks zur Verfügung gestellt hat, stehen die ökologischen und ökonomischen Fortschritte im Vordergrund des Projektes, gerade bei Bestandsimmobilien wie im Speyerer Beispiel.


Zuverlässige Ergebnisse dank authentischer Umgebung

Mit im Boot sind die Firmen NTT docomo, der größte Mobilfunkanbieter Japans, und Hitachi, ein weltweit agierender Elektrotechnik- und Maschinenbaukonzern, die für die technische Umsetzung zuständig waren. Kouji Furukawa, Senior Vice President von NTT, lobte Deutschland als Spitzenreiter in der Stromversorgung mittels Fotovoltaik und begründete damit die Wahl Speyers als Ausführungsort des Projekts. Misao Nakagawa, Vice President von Hitachi, wies vor allem auf die Umsetzung in einem tatsächlichen Wohnumfeld hin, die zu zuverlässigen und funktionalen Ergebnissen führe.

"Kommunal agieren, global Fortschritte beeinflussen" - die Verbindung gefiel Oberbürgermeister Hans-Jörg Eger bei der Kooperation zwischen den SWS, GEWO und "Nedo". Die Kombination der Wirtschaft mit der kommunalen Verwaltung sah er als richtigen Weg, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Diese Aufgabe hat sich die Stadt im Jahr 2010 mit dem Erlass der Klimaschutzrichtlinien auf die Fahne geschrieben. Bis 2030 soll Strom, bis 2040 Wärme zu hundert Prozent regenerativ erzeugt werden. Die SWS spielen dabei eine federführende Rolle. Das Monitoring des "Smart Community-Projekts" soll bis 2020 laufen. 2018 werden die technischen Anlagen an die SWS übergeben.

Am Vormittag der Inbetriebnahme hatte sich die japanische Abordnung im Historischen Ratssaal zum Empfang eingefunden. Der japanische Botschafter, Takeshi Yagi, verewigte sich im Goldenen Buch der Stadt Speyer.

 

Quelle: Pressestelle Stadtwerke Speyer GmbH