20.02.2018

Mehr soziale Gerechtigkeit in rheinland-pfälzischen Quartieren

In benachteiligten Quartieren ist das Risiko von Energiearmut höher – auch wegen des schlechteren Bauzustands (© Energieagentur Rheinland-Pfalz)

Auf die Frage, "Kann es sich ihr Haushalt leisten, die Hauptwohnung ausreichend warm zu halten?", antworteten 2014 EU-weit 11,6 Prozent der Befragten mit nein. Den niedrigsten Wert aller EU-Staaten wies Luxemburg mit 0,7 Prozent, den höchsten Bulgarien mit 44 Prozent der Bevölkerung aus. Deutschland lag bei 4,6 Prozent, was zeigt: auch hierzulande gibt es Energiearmut. „2016 wurde zum Beispiel in Deutschland mehr als 300.000 Haushalten der Strom gesperrt“, sagt Mathias Orth-Heinz, Projektleiter Öffnet internen Link im aktuellen FensterClimate Active Neigbourhoods, zum Welttag der sozialen Gerechtigkeit am 20. Februar.

Schlechter baulicher Zustand in sozial benachteiligten Quartieren

Sozial benachteiligte Menschen leben häufiger in Stadtquartieren, in denen sich die Mehrzahl der Gebäude und Wohnungen in einem unzureichenden baulichen Zustand befindet. Dadurch geht viel Energie verloren – zur prekären wirtschaftlichen Situation der Bewohnerschaft kommt hier als Risikofaktor für Energiearmut der schlechte energetische Zustand der Gebäude hinzu. „Energiearmut ist aber kein ausschließliches Problem sozial benachteiligter Innenstadtviertel. Auch in älteren Einfamilienhausgebieten mit wenig energieeffizienten Gebäuden steigt das Risiko der Energiearmut, wenn das Einkommen der Bewohner durch den Renteneintritt schrumpft. Spätestens ein Wiederanstieg der Energiepreise kann dann zu Problemen führen“, so Orth-Heinz.

CAN: ein Beitrag zu Klimaschutz

Im EU-geförderten Projekt Öffnet internen Link im aktuellen Fenster„Climate Active Neighbourhoods“ (CAN) rücken sozial benachteiligte Quartiere in den Blickpunkt. Die Energieagentur Rheinland-Pfalz ist Teil des europäischen Teams und hat zwei Schwerpunktaufgaben: Sie untersucht und entwickelt Wege, auf denen lokale Akteure in die energetische Quartiersentwicklung einbezogen werden sowie Ansätze, mit denen Bewohner vor Ort aktiv zum Klimaschutz beitragen können. Denn aktive Teilhabe erhöht die Akzeptanz und verbessert die Wirksamkeit von energetischen Maßnahmen im Quartier. Des Weiteren ermittelt das Projektteam, wie solche Konzepte und Maßnahmen sinnvoll finanziert werden können. Derzeit unterstützt und berät die Energieagentur Rheinland-Pfalz zwei Pilotquartiere im Land bei der Erstellung und Umsetzung ihrer Konzepte. Ein vom Bund gefördertes Quartierskonzept entsteht momentan in Ludwigshafen Süd, ein weiteres wird in Vallendar im Quartier „Im Gumschlag“ mit Hilfe des CAN-Teams umgesetzt.

Öffnet internen Link im aktuellen FensterWeitere Informationen