Keynote und Podiumsdiskussion: Sektorkopplung unverzichtbarer Beitrag zur Energiewende

Zur Integration der Erneuerbaren Energien und der Weiterentwicklung einer effizienten, klimaneutralen Energieversorgung gewinnt die Sektorkopplung zunehmend an Bedeutung. Die Nutzung von Überschussstrom aus regenerativen Energien wird dabei als Verbindungselement gesehen. Über verschiedene Technologien, etwa Power-to-Heat, Power-to-Mobility, Power-to-Gas soll eine ganzheitliche Optimierung der Energieversorgung erreicht werden.

Rainer Baake
Foto: Energieagentur RLP/Sonja Schwarz

Die Sektorkopplung gilt als entscheidender Beitrag zur Dekarbonisierung in der Strom- und Wärmeversorgung sowie dem Verkehrssektor, so die Einschätzung von Rainer Baake, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. Sie ist nach Baakes Ansicht nur möglich durch eine Kombination aus einer massiven Steigerung der Energieeffizienz ("Efficiency first!") in allen Sektoren, dem direkten Einsatz erneuerbarer Energien, "da wo es ökonomisch und ökologisch vernünftig ist", und "am Ende der Dekarbonisierung über den Stromsektor". Der Grund: "Die Vorstellung, dass wir irgendwann nicht 600 sondern 2.400 Terawattstunden Strom aus regenerativen Anlagen erzeugen würden, halte ich für eine völlige Illusion", sagte Baake.  Denn auch dem Ausbau regenerativen Stroms sei aufgrund räumlicher Gegebenheiten sowie im Hinblick auf die Akzeptanz Grenzen gesetzt. Daher müsse Energieeffizienz parallel  zum Ausbau der regenerativen Quallen prioritär mitgedacht werden. 

Ein wesentliches Hindernis für die Umsetzung der Sektorkopplung sieht Baake in den "relativen Preisen für unterschiedliche Energieträger": "Einem Kilowattpreis für Strom von 29 Cent steht derzeit bei Öl ein Preis von fünf Cent entgegen". Wenn wir den Strombereich mit Steuern und Abgaben weiterhin so massiv gegenüber anderen Energieträgern belegen, wird sich die Sektorkopplung nicht rechnen", so Baake.

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Podiumsdiskussion: Sektorkopplung von zentraler Bedeutung für Rheinland-Pfalz

Foto: Energieagentur RLP/Sonja Schwarz

In der an die Keynote von Rainer Baake anschließenden Diskussionsrunde zum Thema "Bedeutung der Sektorkopplung in Rheinland-Pfalz" hob der rheinland-pfälzische Energiestaatssekretär Dr. Thomas Griese die Rolle als Systemdienstleister zur Integration Erneuerbarer Energien in das Energiesystem und als Möglichkeit der Regelung sowie Speicherung hervor. Insbesondere, wenn eine effiziente Kopplung vor Ort stattfindet, kann dies nach Griese dazu beitragen, dass erzeugter Strom vor Ort verbraucht und nicht über Netze übertragen werden muss, das hilft nach seinen Worten, weiteren Netzausbau zu vermeiden. Nach Ansicht von Rainer Baake sollte die Rolle der Sektorkopplung weiter gefasst werden, denn nur durch sie könne das Ziel einer vollständigen Energieversorgung ohne klimaschädliche fossile Energieträger erreicht werden und somit aus einer Stromwende eine vollständige Energiewende werden. 

Konkrete Ansatzpunkte sahen die Podiumsteilnehmer bereits heute, z. B. in der Elektromobilität, so Dr. Olaf Hornfeck, Stadtwerke Trier sowie Jun.-Prof. Dr. Daniel Görges, Technische Universität Kaiserslautern. Sie könnte nach Görges eine Schlüsseltechnologie für die Sektorkopplung sein, auch wenn derzeit noch wesentliche Fragen offen sind, wie etwa das Management des Entladens von Elektrofahrzeugen bzw. das Energiemanagement insgesamt.

Foto: Energieagentur RLP/Sonja Schwarz
Foto: Energieagentur RLP/Sonja Schwarz
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Dass das Thema "Sektorkopplung" auch in den Kommunen angekommen ist, darauf verwies Verbandsgemeindebürgermeister Harald Westrich. Seiner Ansicht nach wird es in der Praxis zunehmend schwieriger, Entscheidungen zu treffen, die auch mittel- bis langfristig die richtigen Weichen stellen. Den kurzfristig günstigen Lösungen stünden häufig auf lange Sicht attraktivere Möglichkeiten gegenüber, die jedoch nicht einfach durchzusetzen seien. Mit jeder neuen Investition werde eine Infrastruktur manifestiert, die auch in zehn und mehr Jahren noch funktionieren und im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung die richtige sein sollte. Klare Regelungen aus der Politik können nach seiner Meinung an dieser Stelle helfen.

Die Rahmensetzung müsse angegangen werden, stimmte Baake zu. Dabei wird seiner Meinung nach eine Überarbeitung der derzeitigen Steuer- und Abgabepolitik sowie der Ordnungspolitik im Fokus stehen. Die Ansicht des rheinland-pfälzischen Staatssekretärs, dass die EEG-Umlagen auf Eigenstromerzeugung und Speicher wegfallen müssen, um diese Anwendungen nicht zu verteuern und damit den Weg für deren Umsetzung zu ebnen, teilte Baake nicht. Dies würde nach Baake den Kreis derer verkleinern, die die EEG-Umlage zahlen und damit zu einem Verteilproblem führen.

Einig waren sich  alle Teilnehmer, dass die Sektorkopplung für die Energiewende in Rheinland-Pfalz und darüber hinaus von zentraler Bedeutung ist. Die Technologien seien bereits vorhanden, es gebe jedoch noch offene Fragen in der praktischen Umsetzung. Dass dazu ein passender energiepolitischer Rahmen notwendig,  darin waren sich auch die politischen Vertreter einig. Wie der Weg dahin auszusehen hat, blieb umstritten und wird sicher Thema eines weiteren Austausches, nicht zuletzt zwischen Bund und Land, sein.

Unabhängig von unterschiedlichen Auffassungen über Wege zu einer ganzheitlichen Energiewende brachte Rainer Baake die Chancen einer Umwandlung des Energiesystems auf den Punkt: "Eine überzeugende Transformationsstrategie wird nicht nur mehr Lebensqualität für unser Land bedeuten, sie bringt auch mehr Wohlstand und neue interessante Jobs".