Forum I: Perspektiven des Wärmebereichs im kommunalem Kontext

Neben dem Stromthema, das in den vergangenen Jahren im Fokus stand, sind verstärkte Anstrengungen im Verkehrssektor sowie im Wärmesektor erforderlich, um die klima- und energiepolitischen Zielsetzungen zu erreichen. Um Maßnahmen im Wärmesektor in Rheinland-Pfalz gezielt weiter voranzutreiben, hat das Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten ein Wärmekonzept mit zahlreichen Maßnahmenpaketen vorgestellt. Unter anderem liegen in den Bereichen Energieinfrastrukturvorhaben – z.B. Nahwärmenetze – und im Gebäudebereich erhebliche energetische Verbesserungspotenziale.

Stephan Webering
Foto: Energieagentur RLP/Sonja Schwarz

Nahwärmeverbünde sind nach Ansicht von Stephan Webering, Werkleiter des Eigenbetriebs Energieversorgung der Verbandsgemeinde Rheinböllen, eine sinnvolle Option zur Wärmewende. In seinem Vortrag stellte er die Aktivitäten der Verbandsgemeinde Rheinböllen vor und berichtete über die finanziellen Vorteile für die Kommune durch die Nutzung der Windenergie. Das vereinnahmte Geld fließt nach dem Willen der kommunalen Gremien zielgerichtet in weitere Klimaschutzprojekte. Die Verbandsgemeinde Rheinböllen wurde im Verlauf des Nahwärmeverbund-Projektes angefragt, die Trägerschaft zu übernehmen. Das Projekt sollte nach Beschluss des Verbandsgemeinderates kostenneutral gestaltet sein, die entstehenden Kosten von den Nutzern bzw. der Ortsgemeinde Ellern getragen werden. Nach Aufsetzen eines öffentlich-rechtlichen Vertrages zwischen Orts- und Verbandsgemeinde wurden Arbeitskreismitglieder geschult, um potentielle Anschlussteilnehmer über das Vorhaben zu beraten. Dank intensiver Öffentlichkeitsarbeit entschieden sich 105 Hausbesitzer für einen Anschluss an den Nahwärmeverbund. Neben der Heizzentrale mit einem Hackschnitzelkessel trägt eine thermische Solarkollektoranlage zur Wärmebereitstellung bei. Der derzeit im Bau befindliche Nahwärmeverbund mit einem 5.551 Meter langen Leitungsnetz hat einen  Jahreswärmebedarf von 3.770.378 kWh. Die Projektkosten von 4,8 Millionen € wurden durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau mit 952.000 €, durch das Land Rheinland-Pfalz im Rahmen des Förderprogramms Opens internal link in current windowZukunftsfähige Energieinfrastruktur (ZEIS)  in Höhe von 404.000 € sowie durch die Ortsgemeinde Ellern mit 399.000 € als Zuschuss unterstützt.

Iris Basche
Foto: Energieagentur RLP/Sonja Schwarz

Energieeffizienz im Gebäudesektor stand im Fokus des Beitrags von Iris Basche, stellvertretende Abteilungsleiterin des Umweltschutzamtes, Energiefachstelle der Stadt Freiburg. Neben Informations- und Bewusstseinsbildungsmaßnahmen stellte sie ein eigenes Förderprogramm der Stadt Freiburg zur Gebäudesanierung vor. "Man muss schon Geld in die Hand nehmen, um die Klimaschutzziele zu erreichen", betonte sie und verwies auf die Sanierungsquote der Stadt Freiburg, die weit über dem Bundesdurchschnitt liegt. "Nicht nur predigen, sondern auch handeln", lautete ihre zentrale Botschaft. Die Stadt Freiburg hat ihre Energiekosten um 40 Prozent gesenkt, baut Neubauten in Passivhausbauweise und im Zuge von Gebäudesanierungsmaßnahmen liegt der Fokus auf hohen energetischen Standards. "Die Kommunen sollten Vorreiter sein und eine Vorbildfunktion übernehmen", resümierte Iris Basche.

Dr. Tobias Woll
Foto: Energieagentur RLP/Sonja Schwarz

Dr. Tobias Woll, Förderreferent der Energieagentur Rheinland-Pfalz, stellte zum Abschluss von Forum I kommunale Förderprogramme zu Wärmethemen vor. Neben Förderungen im Bereich Nahwärmenetze und integrierten Konzepte auf Bundesebene gehören dazu aktuelle und zukünftig geplante Förderprogramme der Landesregierung. "Licht in den Förderdschungel zu bringen ist eine der zentralen Aufgaben der Energieagentur", betonte Woll und bot den Teilnehmern Unterstützung bei der Förderrecherche anstehender Projekte an.

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