Der Klimawandel in Rheinland-Pfalz und die Folgen für Gesellschaft und Gesundheit

Dr. Ulrich Matthes.
Foto: Energieagentur RLP/Sonja Schwarz

Dr. Ulrich Matthes, Leiter des Opens external link in new windowRheinland-Pfalz Kompetenzzentrums für Klimawandelforschung, machte mit seinem Vortrag auf anschauliche Art deutlich, dass der Klimawandel auch in Rheinland-Pfalz längst Realität ist: „Wir hatten im Jahr 2016 eine so hohe Kohlendioxid-Konzentration wie seit 800.000 Jahren nicht mehr“, so Matthes. „Auch die Begrenzung des Anstiegs der Globaltemperatur auf zwei Grad Celsius bedeuten für Rheinland-Pfalz zwei Grad plus“. Auch bei sehr ambitionierten Klimaschutzmaßnahmen wird es unvermeidbare Klimaveränderungen geben. Wie groß der Handlungsbedarf in Sachen Klimaschutz auch in Rheinland-Pfalz ist, macht auch der Zustand des heimischen Waldes deutlich: Inzwischen gelten 73 Prozent der Bäume in Rheinland-Pfalz als geschädigt.

Die Klimaszenarien, die Matthes für Rheinland-Pfalz entwarf, lassen einschneidende Entwicklungen erwarten: Die Winter werden tendenziell milder, aber feuchter ausfallen, Schneetage wird es immer seltener geben. Statistisch lässt sich bereits heute ein Anstieg an Hochwasserlagen seit Ende der 70er Jahren feststellen. Hitzewellen im Sommer  werden vermutlich zum Regelfall werden. Im Jahr 2100 könnten drei Viertel der gesamten Erdbevölkerung an mindestens 20 Tagen im Jahr lebensbedrohlichen Hitzewellen ausgesetzt sein, für Rheinland-Pfalz ist in bestimmten Region ein  Anstieg auf bis zu 20 sog. Tropennächte (> 20 Grad Celsius Nachttemperatur) zu erwarten.

Klimaschutz und Klimawandelanpassung gemeinsam denken

Höhere Temperaturen bedeuten für die Böden einen höheren Verdunstungsgrad, so dass dem Boden weniger Wasser während der Vegetationsperiode zur Verfügung steht. Längere Vegetationsperioden führen zu einer Verschiebung der phänologischen Phasen mit einem früheren Einsetzen von Blütephasen. Die Gefahr von Ernteausfällen durch Nachfröste dürfte damit in Rheinland-Pfalz weiter zunehmen. Allergiegeplagte müssen sich aufgrund der Ausbreitung des Vegetationsfensters und der phänologischen Verschiebungen auf einen nahezu ganzjährigen Pollenflug einstellen. Wissenschaftlich belegt ist nach Matthes auch der Zusammenhang zwischen Gesundheit und Hitze: Extremwetterlagen haben angesichts einer wachsenden Zahl an älteren Menschen unmittelbare Auswirkungen auf die Mortalitätsrate.

Ulrich Matthes sprach sich dafür aus, nicht nur dem Klimaschutz eine hohe Priorität einräumen, sondern gleichzeitig Maßnahmen zur Klimawandelanpassung anzugehen. Einzelne Kommunen in Rheinland-Pfalz haben bereits mit der Berücksichtigung des Themas bei der Stadtentwicklung begonnen. Davon können andere Kommunen profitieren. Als mögliche Anpassungsmaßnahmen zur Verbesserung des Stadtklimas und zum Schutz bei Extremwetterereignissen kommt beispielsweise die Förderung der Stadtbegrünung, das Vermeiden von versiegelten Flächen, Entsiegelung fördern, das dezentrale Versickern von Regenwasser, aber auch der Bau hochwasserangepasster Gebäude und das Vermeiden von Neubau in Risikogebieten in Frage.

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