21.06.2018

Griechen und Italiener wollen von Pfälzern in Sachen Energieeffizienz lernen

Verbandsgemeindebürgermeisterin Anja Pfeiffer begrüßte die Delegationsmitglieder aus Griechenland und Italien, die sich in Weilerbach über Energieeffizienz und Klimaschutz in Kommunen informierten. (Bild: VG Weilerbach)

Zwei Delegationen aus Griechenland und Italien informierten sich am Mittwoch in Kaiserslautern und Weilerbach über Energieeffizienz und Klimaschutz in der Kommune. Die Besucher kommen von der kommunalen Entwicklungsagentur Thessaloniki (Griechenland) sowie aus städtischen Verwaltungen in Rom (Italien) und Zentralmakedonien (Griechenland). Im Vorfeld äußerte die Gruppe besonderes Interesse an energieeffizienten Kläranlagen. Denn Kläranlagen gehören zu den größten Energieverbrauchern in den Kommunen. Mit einem durchschnittlichen Anteil von 20 Prozent am kommunalen Energieverbrauch benötigen Kläranlagen mehr Strom als Schulen, Krankenhäuser oder andere kommunale Einrichtungen. Damit Kommunen ihren Anteil zur Erreichung der Klimaziele leisten können, ist die Energieeffizienz bei Kläranlagen von großer Bedeutung.

Der Austausch zwischen den Ländern findet im Rahmen des Öffnet internen Link im aktuellen FensterEU-Projektes Support (Support Local Governments in Low Carbon Strategies) statt und dient dazu, sich gegenseitig gute Beispiele im Bereich Energieeffizienz und Klimaschutz in Kommunen zu zeigen. „Zielsetzung der Treffen ist es, von Pilot- und Leuchtturmprojekten zu lernen. Darüber hinaus holen sich die Projektpartner Inspirationen, um den Herausforderungen beim Klimaschutz und der Energiewende in der eigenen Region besser begegnen zu können“, sagt Elisabeth Wauschkuhn, Projektleiterin Support/Interreg Europe bei der Energieagentur Rheinland-Pfalz.

Vorreiter: Energieneutrale Kläranlage in Kaiserslautern

Die Kläranlagen Kaiserslautern und Weilerbach sind dabei besonders interessant für die Besucher: die Kläranlage Kaiserslautern ist eine von insgesamt zwei energieneutralen Kläranlagen im Land. Die Gruppenkläranlage Weilerbach ist fast energieautark.

Besonders energieintensiv bei Kläranlagen ist die Reinigung des Abwassers. Der Kläranlage Kaiserslautern gelang es, in den Jahren 2008 bis 2015 den Betrieb soweit umzustellen und zu verbessern, dass nun der für den Reinigungsprozess erforderliche Strom zu 100 Prozent aus Eigenproduktion abgedeckt werden kann. Hierzu wurden zunächst Messungen durchgeführt. Auf Basis der Analyse dieser Ergebnisse wurde zuerst der Energieverbrauch der Anlage gesenkt und später die Eigenerzeugung von Energie gesteigert: Verfahren wurden umgestellt, die Maschinentechnik optimiert und moderne Blockheizkraftwerke mit hohem Wirkungsgrad installiert. Diese wandeln das in den Faulbehältern erzeugte Klärgas in Strom und Wärme um. Inzwischen wird in der Kläranlage sogar mehr Strom produziert, als vor Ort verbraucht werden kann. Dafür wurde die Stadtentwässerung Kaiserslautern 2016 vom Umweltministerium zur „Energieneutralen Kläranlage“ ernannt. Michael Jakob, Referent Bioenergie bei der Energieagentur Rheinland-Pfalz, erklärte den Besuchern, wie die Landesenergieagentur im Rahmen des Projektes „Öffnet internen Link im aktuellen FensterEnergieeffiziente Kläranlagen“ den Kommunen dabei hilft, Effizienzpotenziale bei der Abwasserbehandlung zu identifizieren und Einsparmaßnahmen umzusetzen.

Besichtigung weiterer Vorzeigeprojekte in Weilerbach

In Weilerbach wurde die Gruppe von der Verbandsgemeindebürgermeisterin Anja Pfeiffer herzlich in Empfang genommen. Sie zeigte den Besuchern, wie innovativ kleine Gemeinden in Sachen Klimaschutz sein können. Teresa Karayel (Energiewendemanagerin) und Bärbel Domanetzki (Klimaschutzmanagerin) erklärten, wie in Weilerbach die Vision vom „Zero-Emission-Village“ (Nullemissionskommune) umgesetzt wird. Eine Studie ermittelte zunächst, dass die CO₂-neutrale, 100 prozentige regenerative Versorgung der Verbandsgemeinde durch die Energiepotenziale der Region und durch Energieeinsparung möglich ist. Bereits während der Erstellung der Studie wurde mit der Umsetzung der ersten Projekte begonnen. Bis heute wurden durch diese und weitere Maßnahmen mehr als 25 Mio. € in der Verbandsgemeinde investiert und Energiekosten eingespart.

Anschließend besuchten die beiden Delegationen die besonders effiziente Gruppenkläranlage. Hier wurde zunächst der Strombedarf durch eine Verfahrensumstellung und die Durchführung weiterer Effizienzmaßnahmen reduziert. Die Restmenge Strom, die noch benötigt wird, kann bis zu 85 Prozent selbst erzeugt werden, die Wärme zu 100 Prozent. Hierzu wurde die Faulgasausbeute optimiert und es wurden zwei Blockheizkraftwerke installiert. Das Vorhaben wurde im Rahmen des Umweltinnovationsprogramms gefördert.

Die Gäste zeigten sich sehr beeindruckt von der Innovationskraft in den Kommunen und nahmen wertvolle Anregungen für Projekte in ihren Heimatländern mit.