08.10.2015

Zukunftsforum diskutiert: Ist die Energiewende Fluch oder Segen?

Unter dieser, bewusst provokant gewählten Fragestellung diskutierten am Dienstag Vertreter aus Politik und Wissenschaft die Umsetzung der Energiewende in Rheinland-Pfalz vor rund 500 Gästen auf dem 5. evm-Zukunftsforum in der Koblenzer Rhein-Mosel-Halle.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer betonte die enorme Herausforderung, die die Umsetzung der Energiewende für die gesamte Gesellschaft darstelle. Gleichzeitig verwies sie aber auch deren Chancen und wirtschaftlichen Potenziale. Die Dezentralität der Energieversorgung spiele eine wichtige Rolle, ebenso wie die Eigenstromerzeugung der Verbraucher. Bislang existieren in Rheinland-Pfalz 1497 Windenergieanlagen. Damit das Ziel Rheinland-Pfalz bis 2030 bilanziell zu 100 Prozent mit Strom aus regenerativen Energiequellen zu versorgen erreicht werden kann, bedarf es noch etwa 1000 weiterer Anlagen.

„Die Kommunen sind die großen Gewinner der Energiewende, denn sie können Einnahmen erzielen, indem sie beispielsweise die Flächen für die Stromerzeugung verpachten“, so Aloysius Söhngen, Vorsitzender des Gemeinde und Städtebundes in Rheinland-Pfalz. Er hält es für machbar, diese Kapazitäten in den kommenden 15 Jahren erreichen zu können. In seiner Verbandsgemeinde (Prüm) produzieren bereits 120 Windenergieanlagen grünen Strom. Der wirtschafts- und energiepolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Martin Brandl, sieht das Thema Energieeffizienz in den Hintergrund gedrängt und den Fokus zu sehr im Bereich der Erzeugung von Ökostrom. Professor Timo Leukefeld erklärte die enormen Potenziale im Wärmebereich, die bislang ungenutzt und ungeachtet seien. „Die Wärme ist nicht sexy“, so Leukefeld, die notwendige Lobby fehle. Die Weiterentwicklung der Speichertechnologie sei essentiell. Leukefelds Motto ist das „intelligente Verschwenden“ von Energie; dies stehe übrigens im Kontrast zum „blöden Sparen“, denn das Thema Verbrauchsgewohnheitsänderungen hält er für schwierig.

Im Vorfeld des Plenums wurden die Gewinner des Regionalwettbewerbs „Jugend forscht“ ausgezeichnet. Auch in diesem Jahr stellten sich viele junge Forscherinnen und Forscher der persönlichen Herausforderung. Die 16 Erstplatzierten freuen sich über ein Teilnahmeticket für die Landeswettbewerbe.
Außerdem wurde der „Elektroroller für die Kommune“, gefertigt von der Fa. Kumpan electric in Remagen, in einem Gewinnspiel der evm verlost.