16.03.2016

Landkreis Altenkirchen setzt bei der Wärmeversorgung weiter auf Holz

Auf dem Holzweg: Oliver Weber (Referatsleiter Gebäudemanagement), Stefan Glässner (Klimaschutzmanager des Landkreises) und Dirk Eiteneuer (Projektleiter Gebäudemanagement) bilden das Projektteam.

Altenkirchen geht beim Klimaschutz weiter voran. Die Umbaumaßnahmen an der Berufsbildenden Schule (BBS) in Betzdorf-Kirchen haben begonnen. In der Schule wird die Wärmeversorgung umgestellt: Ein zentrales Heizsystem, bestehend aus einem Holzheizwerk, einer Solarthermieanlage und einem erdgasbetriebenen Spitzenlastkessel, soll die bisherige Versorgung des Schulgebäudes und der angrenzenden Turnhalle durch Erdgas ersetzen. Das Team hinter dem Projekt bilden Dirk Eiteneuer und Oliver Weber vom Gebäudemanagement der Kreisverwaltung sowie der Klimaschutzmanager des Kreises, Stefan Glässner.

CO2-Einsparung von mehr als 80 Prozent

Verschiedene Energiesparmaßnahmen (z.B. die Anpassung der Regelungstechnik) haben den Heizenergiebedarf der beiden Gebäude in den letzten Jahren bereits signifikant senken können, sodass die bestehenden Heizungsanlagen nun überdimensioniert sind. „Mit der Anpassung der Kesselleistung an die aktuelle Heizlast und mit der Versorgung von Schulgebäude und Turnhalle im Nahwärmeverbund durch ein modernes Heizsystem wird der Energieverbrauch zukünftig deutlich sinken“, erläutert Projektleiter Dirk Eiteneuer. Dank der Umstellung des Heizsystems auf regenerative  Energiequellen – Holzhackschnitzel und Solarthermie – wird zudem der Ausstoß von Treibhausgasen auf ein Minimum reduziert. Eine CO2-Einsparung von mindestens 80 Prozent wird erreicht, was einer Reduzierung von rund 300 Tonnen pro Jahr entspricht. Hintergrund der Projektidee ist das große Holzpotenzial des Landkreises Altenkirchen, mit einem Waldanteil von über 50 Prozent einer der waldreichsten in Rheinland-Pfalz. Die Mobilisierung dieses Energiepotenzials wurde im Öffnet externen Link in neuem FensterKlimaschutzkonzept als zentraler Bestandteil zur Erreichung der gesetzten Klimaschutzziele erkannt. Der Kreis sieht sich in einer Vorbildfunktion, um den Bürgerinnen und Bürgern und insbesondere den Unternehmen die ökologischen und ökonomischen Potenziale der energetischen Holznutzung bewusst zu machen und setzt nun mit der Umrüstung der Schule bereits das vierte Biomasseprojekt durch sein Gebäudemanagement um. „Nach der Umrüstung an der Schule basiert mehr als ein Viertel der Wärmeversorgung in den Kreisliegenschaften auf der Nutzung von Holz“, erläutert Referatsleiter Oliver Weber.

Attraktive Förderung durch den Bund und das Land

Der Landkreis Altenkirchen hat 2013 die geförderte Stelle eines Klimaschutzmanagers zur Umsetzung des integrierten Klimaschutzkonzeptes geschaffen. Durch die Besetzung der Stelle war bei der Öffnet externen Link in neuem Fensternationalen Klimaschutzinitiative die Beantragung einer attraktiven Bundeszuwendung für die Durchführung einer sogenannten ausgewählten Maßnahme möglich – die Mittel werden für die Umrüstung der Heizzentrale verwendet. Zusätzliche Fördermittel konnte die Energieagentur Rheinland-Pfalz vermitteln. Das Förderprogramm Öffnet externen Link in neuem Fenster„Zukunftsfähige Energieinfrastruktur“ (ZEIS) des Landesministeriums für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung unterstützt Investitionen in Rheinland-Pfalz, die den Zweck verfolgen, die Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit der Energieversorgung zu verbessern. Einerseits können Biomasse, geothermische und solare Energie, industrielle Abwärme und Wärme aus Abwasser als regional verfügbare Energien stärker für die Wärmeversorgung aktiviert werden. Andererseits können vorhandene Abnahmepotenziale durch Einspeisung in bestehende oder neue Wärmenetze vermehrt erschlossen werden. Das Förderprogramm ZEIS steht grundsätzlich offen für Kommunen, Zweckverbände, Körperschaften und Anstalten des öffentlichen Rechts sowie Eigengesellschaften kommunaler Gebietskörperschaften, kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und Genossenschaften. „Die Förderung von Bund und Land ist notwendig um die Wirtschaftlichkeit der Umrüstung der Heizzentrale auf regenerative Energien darzustellen. Bei den derzeitigen Preisen für fossile Brennstoffe ist dies nicht so einfach“, so Klimaschutzmanager Stefan Glässner. Trotz der niedrigen Preise für Öl und Gas geht man das Projekt an, auch vor dem Hintergrund der langfristig zu erwartenden Preisentwicklung.

Praxisbeispiele im Energieatlas Rheinland-Pfalz dargestellt

Vorzeigeprojekte wie die im Landkreis Altenkirchen zu begleiten und über deren Umsetzung zu berichten, hat sich die Energieagentur Rheinland-Pfalz zur Aufgabe gemacht. Seit Dezember ist der Energieatlas das erste zentrale Portal in Rheinland-Pfalz, das Praxisbeispiele und Daten zur Energiewende an einer Stelle bündelt und damit die Entwicklung der Energiewende sichtbar macht. „Die Nutzer arbeiten mit der Vielfalt an Daten und Praxisbeispielen. Das tun sie, weil sie diese Informationen für hilfreich erachten und sie diese nur im Energieatlas so komfortabel, beispielweise nach Energieträgern, Regionen und Zeiträumen, filtern können“, sagt Energieagentur-Geschäftsführer Thomas Pensel. Die Daten im Energieatlas umfassen Zahlen zu erneuerbaren Energien-Anlagen, zur Stromeinspeisung, Stromerzeugung aus Photovoltaik und zum Stromverbrauch in Rheinland-Pfalz. Außerdem sind im Energieatlas Daten zur Wärmeerzeugung aus erneuerbaren Energien hinterlegt. Abrufbar ist der Energieatlas unter Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.energieatlas.rlp.de.