26.02.2018

Mainz: Fortschritte auf der Baustelle des neuen Blockheizkraftwerkes

Foto: KMW AG

Vor knapp zehn Monaten startete auf der Ingelheimer Aue der Bau des neuen Blockheizkraftwerks der Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG (KMW AG). In diesen Tagen ist für den Bauherren und die finnische Herstellerfima Wärtsilä Energy Solutions ein wichtiger Meilenstein erreicht: Spezialkräne hieven seit Anfang Februar nach und nach die zehn riesigen Gasmotoren in das neue Kraftwerksgebäude auf dem KMW-Gelände.

Bei einem Rundgang überzeugte sich der Mainzer Oberbürgermeister und KMW-Aufsichtsratsvorsitzende Michael Ebling zusammen mit den KMW-Vorständen Dr. Lars Eigenmann und Stephan Krome über den Baufortschritt. Zehn Motoren werden insgesamt eingebaut. Läuft auf der riesigen Baustelle weiterhin alles glatt, dann kann das Gasmotorenwerk Ende 2018 wie geplant in Betrieb gehen und aus Erdgas effizient und umweltfreundlich Wärme und Strom erzeugen.

Das BHKW als idealer Partner der erneuerbaren Energien

Jeder einzelne der in blauer Folie verpackten Motoren ist gut 140 Tonnen schwer – das entspricht etwa 140 Kleinwagen. Die Motoren der Wärtsilä Corporation sind die Herzstücke des Kraftwerks und kamen im Herbst auf dem Wasserweg nach Mainz. In den vergangenen Monaten standen sie am Rande der Großbaustelle in Warteposition. Nachdem der Bau des neuen BHKW-Gebäudes unweit der bestehenden beiden Gaskraftwerke der KMW AG inzwischen entsprechend weit fortgeschritten ist, können die Motoren jetzt an ihren endgültigen Stellplatz im Erdgeschoß der neuen Anlage transportiert und verankert werden. Jeder der gut 13 Meter langen und fünf Meter breiten Motoren verfügt über eine elektrische Leistung von zehn Megawatt.  „Ein weiterer wichtiger Meilenstein dieses Projekts ist jetzt erreicht“, zeigten sich OB Ebling und die KMW-Vorstände zufrieden.

Die Motoren werden nach der Inbetriebnahme Ende 2018 aus Erdgas Strom sowie Fernwärme für die Landeshauptstadt Mainz erzeugen. Das rund 100 Millionen Euro teure BHKW nutzt mit über 85 Prozent Wirkungsgrad die Energie des Erdgases hervorragend aus. Die Motoren können innerhalb von zwei Minuten angefahren werden - damit wird die KMW zum idealen Partner in der Energiewende, wenn auf schwankende Stromproduktion der erneuerbaren Energien bei Windflaute oder wenig Sonneneinstrahlung rasch reagiert werden muss. Ebling: „Das neue Blockheizkraftwerk benötigt im Vergleich zum bestehenden Gas- und Dampfturbinenkraftwerk auf der Ingelheimer Aue deutlich weniger Erdgas bei gleicher Fernwärmeerzeugung für Mainz und ist damit sehr umweltfreundlich.“

Das neue Kraftwerk sichert eine effiziente Fernwärmeversorgung für Mainz

Hintergrund der Überlegungen zum Bau eines Blockheizkraftwerks ist die Situation auf dem deutschen Energiemarkt, von dem auch das bestehende moderne Gaskraftwerk der KMW seit einiger Zeit betroffen ist. Ebling: „Durch den Ausbau der Erneuerbaren Energien und den Verfall der Strompreise an der Börse sowie der niedrigen Preise für CO2-Zertifikate sind die Einsatzzeiten der deutschen Gaskraftwerke bereits deutlich gesunken.“ Und sie werden weiter sinken. Das Gas- und Dampfturbinenkraftwerk der KMW hat bis 2013 mehr als 90 Prozent der gesamten Mainzer Fernwärmeversorgung getragen. Tendenz auch hier fallend.

Bei der Stromproduktion auf der Ingelheimer Aue wird bisher die dabei anfallende Wärme genutzt und über ein 70 Kilometer langes Leitungsnetz in Mainz verteilt – unter anderem werden der Dom, die Universität, die Uniklinik oder die Rasenheizung in der Opel-Arena seit vielen Jahren mit Fernwärme versorgt. Die Fernwärme spielt bei der Wärmeversorgung in Mainz eine Hauptrolle: Die vom KMW-Gelände gelieferte Fernwärmemenge entspricht umgerechnet dem Verbrauch von rund 50.000 Haushalten. „Das bestehende GuD-Kraftwerk ist aber eine stromgeführte Anlage. Das heißt, sie kann nur dann wirtschaftlich sinnvoll betrieben werden, wenn sich die Einsatzzeiten des Kraftwerks in erster Linie nach den Strompreisen richten und nicht nach der Notwendigkeit der Fernwärmeversorgung“, erläutert Dr. Lars Eigenmann. Die Fernwärmeversorgung muss aber insbesondere im Winter rund um die Uhr gesichert sein.

Hier setzt das neue Blockheizkraftwerk an, in dem ab Ende 2018 die Gasmotoren aus dem Brennstoff Erdgas Wärme und Strom erzeugen. „Wir freuen uns, dass der Bau des neuen Blockheizkraftwerks der KMW AG planmäßig voranschreitet. Die effiziente Technologie ist sehr gut für den deutschen Energiemarkt geeignet, denn sie ermöglicht eine flexible Integration der erneuerbaren Energien ins Energiesystem und trägt so zum Erreichen der Klimaschutzziele bei,“ so Melle Kruisdijk, Area Vice President bei Wärtsilä Energy Solutions. „Wir sind stolz, durch die Kooperation mit der KMW AG unseren Beitrag zur umweltfreundlichen und wirtschaftlichen Strom- und Wärmeversorgung der Stadt Mainz zu leisten“, ergänzt Kruisdijk.

Ergänzend kommt ein Wärmespeicher zum Einsatz

Zusätzlich zum neuen Blockheizkraftwerk entsteht auf dem KMW-Gelände aktuell ein großer Wärmespeicher. Die Arbeiten an dieser Anlage sind inzwischen ebenfalls gut vorangekommen. Der Wärmespeicher soll zur Heizperiode im Winter 2018 in Betrieb gehen. Dabei handelt es sich um eine Anlage, in der die bei der Stromerzeugung anfallende Wärme genutzt wird, um Wasser in mehreren riesigen gedämmten Spezialbehältern zu erwärmen. Das heiße Wasser kann in derartigen Anlagen über Stunden und Tage gespeichert und später gezielt ins Mainzer Fernwärmenetz abgegeben werden, wenn sie benötigt wird. Eigenmann: „Dadurch wird die Stromerzeugung im GuD-Kraftwerk oder im neuen Blockheizkraftwerk zeitlich weiter vom Fernwärmebedarf entkoppelt. Das dient der Stabilisierung und dem Ausbau der Mainzer Fernwärmeversorgung.“


Quelle: Öffnet externen Link in neuem FensterKraftwerke Mainz-Wiesbaden AG