27.03.2018

Fachaustausch der rheinland-pfälzischen Klimaschutzmanager zum Thema Verstetigung

Bilderquelle: Energieagentur Rheinland-Pfalz (AnS)

Wie geht es im kommunalen Klimaschutz weiter, wenn die Bundesförderung der Klimaschutzmanagerstellen ausläuft? Das war die zentrale Frage der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fachaustauschs am 20. März, zu dem die Energieagentur RLP gemeinsam mit der Kreisverwaltung Bad Kreuznach eingeladen hat.

Die Veranstaltung "Öffnet externen Link in neuem FensterFachaustausch: Verstetigung des kommunalen Klimaschutzmanagements" gab Klimaschutzmanagern des Landes die Möglichkeit, sich auszutauschen, aber auch Argumente und Strategien für die Verstetigung der Stellen zu sammeln und zu entwickeln. Denn langfristige Erfolge im Klimaschutz lassen sich nur erzielen, wenn auch dem Thema langfristig Bedeutung beigemessen wird. Neben der fachlichen Dringlichkeit besteht aufgrund von zeitlich befristeten Arbeitsverträgen auch eine persönliche Betroffenheit der Klimaschutzmanager selbst.

Bettina Dickes, Landrätin des Landkreises Bad Kreuznach, begrüßte die Teilnehmer zu Beginn und betonte sowohl die Wichtigkeit der Veranstaltung als auch der geleisteten Arbeit der Klimaschutzmanager in den Kommunen.

Den fachlichen Einstieg gab Referent Julius Hagelstange vom Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) mit seinem Vortrag:

Leitet Herunterladen der Datei ein"Verstetigung im Klimaschutzmanagement - Strategien, Akteure, Finanzierung".

Er stellte die Ergebnisse einer vom Difu durchgeführten Umfrage unter Klimaschutzmanagern vor, bei der es um die beeinflussenden Faktoren zur Verstetigung der Stellen geht: Vielleicht überraschend, die finanziellen Möglichkeiten der Kommunen belegten lediglich Platz 2 bei den Nennungen. Als Platz 1 der Faktoren, die eine Verstetigung des Klimaschutzmanagements hemmen, nannten 69% der Befragten den "politischen Unwillen seitens der Entscheidungstragenden". Umgekehrt gaben sogar 73% der Befragten als fördernden Faktor der Verstetigung den "politischen Willen seitens der Entscheidungstragenden". Argumente warum dauerhaft eine Stelle für den Klimaschutz geschaffen werden sollte, gibt es viele, so Hagelstange. Angefangen dabei, dass Klimaschutz ein Querschnittsthema ist, das sämtliche Arbeitsbereiche der Verwaltung betrifft, über Klimaschutz Zukunftssicherung der Bürgerinnen und Bürger und nicht zuletzt energetische und finanzielle Einsparungen, die sich durch Maßnahmenumsetzungen ergeben.

An drei Thementischen in Kleingruppen ging es im Anschluss in den direkten Austausch mit Referenten und anderen Teilnehmern: Am ersten Thementisch stand Bürgermeister Harald Westrich der Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg Rede und Antwort und gab Hilfestellung zu folgenden Fragen: Wie können politische Entscheider überzeugt werden und welche Sozialkompetenzen sind wichtig, um Akteure für das Thema zu gewinnen? Mit teilweise realen, teilweise fiktiven Beispielen brachte er den Teilnehmern seine politische Perspektive näher und gab spannende Einblicke in die politische Arbeit. Welche Komplexität und Bedeutung die örtlichen politischen und sozialen Strukturen bei der Umsetzung von Klimaschutzprojekten haben, wurde schnell deutlich. Sein Rat an die Klimaschutzmanager: "Ergründen Sie die Strukturen und Konstellationen innerhalb der Kommune!" Als wichtigste Eigenschaften der Klimaschutzmanager wurden "integrierend", "überparteilich", "vermittelnd" und "neutral" erarbeitet.

Referent des zweiten Thementischs war Jochen Marwede, ehrenamtlicher Klimaschutzmanager der Ortsgemeinde Hochspeyer, der mit den Teilnehmern Verstetigungsargumente erarbeitete, die über Wirtschaftlichkeit hinausgehen. Dazu waren sich die Teilnehmer einig, gilt es ein einheitliches Marketing einzuführen: Klimaschutz sei zu grün behaftet und werde oft nur bei Wahlen thematisiert. CO2 sei als Indikator um Menschen zu gewinnen nicht geeignet, da es nicht fühlbar ist. Stattdessen fordern die Klimaschutzmanager, den Klimaschutz lokal erlebbar zu machen und zu emotionalisieren. Regenwald und Antarktis seien zu weit weg und stellen keine direkte Betroffenheit der Menschen her. Eher fühlen sich Menschen angesprochen, wenn ein Aha-Effekt über Bilder und z.B. Äquivalente für CO2 in den Fokus gerückt werden.

Am dritten Thementisch gab Frank-Michael Uhle, der bereits verstetigte Klimaschutzmanager des Rhein-Hunsrück-Kreises, Einblicke in seine langjährige  Arbeit und die Frage "Wie setze ich strategisch Ziele um und wie gehe ich bei der Umsetzung vor?". Sein Schwerpunkt lag auf der regionalen Wertschöpfung, die vom Klimaschutz vor Ort profitieren kann. Ein Rat dieses Thementisches war es, Menschen über die Lokalpresse über Klimaschutz zu informieren. So kann deutlich gemacht werden, dass die Gesellschaft über die regionale Wertschöpfung vom Klimaschutz profitiert. Gleichzeitig kann transportiert werden, dass Klimaschutz auch Spaß machen kann (Bsp. LED-Tauschtag mit kostenlosen LEDs, Kaffee, Kuchen am Freitag-nachmittag) und enorm hilfreich sein kann (bspw. durch Einsparungen und genutzte Fördermittel).

Die Veranstaltung wurde von einer Abschlussdiskussion zu Erfolgsfaktoren und Hemmnissen der Verstetigung und Fragen und Anregungen aus dem Plenum abgerundet.

Seit 2008 gibt es die Öffnet externen Link in neuem FensterNationale Klimaschutzinitiative, die Kommunen und anderen Einrichtungen neben Fördermitteln für Klimaschutzkonzepte auch Personalstellen zur Umsetzung zur Verfügung stellt. Nach drei Jahren der Personalförderung besteht die Möglichkeit, ein Anschlussvorhaben von zwei Jahren zu beantragen. Doch in vielen Kommunen ist dieser Zeitraum von fünf Jahren bereits abgelaufen oder wird bald auslaufen und die Frage, wie es weiter geht, beschäftigt die Verwaltungen, aber auch die Klimaschutzmanager selbst. Denn auch wenn Klimaschutz eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft ist und noch dazu eine wichtige Aufgabe der Daseinsvorsorge darstellt, heißt das noch nicht, dass Mittel für eine dauerhafte Stelle im Personalplan von Kommunen eingestellt werden. Klamme Kassen und aktuelle dringliche Themen und Herausforderungen werden als Gründe genannt, warum weder Zeit noch Geld für den Klimaschutz bleibt.

Bild: Landrätin Bettina Dickes begrüßt die Teilnehmer (Quelle: Energieagentur Rheinland-Pfalz/AnS)

Bild: Christoph Benze, MUEEF berichtet über Klimaschutz in Rheinland-Pfalz

Bild: Julius Hagelstange, Difu