06.03.2015

Energieeffizienz paradox - warum Wärme bei der Kühlung hilft

factor e - Energieeffizienz im Weinbaubetrieb. Quelle: Energieagentur RLP

Gestern fand in Guldental die zweite factor e -Veranstaltung für Winzer aus Rheinhessen und dem Nahegebiet statt. Diesmal ging es um die energieeffiziente Kühlung in der Kellerwirtschaft - ein Thema, das für die Teilnehmer so manche Überraschung bereit hielt.

"Wenn Sie viel Most auf einmal in der Gärung runterkühlen möchten, müssen Sie die Vorlauftemperatur Ihrer Kältekompressionsmaschine hoch-, nicht runterstellen. So erreichen Sie die höhere Kühlleistung und sparen zudem jede Menge Strom", schärfte Bernhard Deguenther vom DLR den Teilnehmern ein. Mehr Kälte durch höhere Temperaturen, Kälteerzeuung durch die Sonneneinstrahlung, Nutzung der Abwärme von der Rotweinmaischeerhitzung zur kontrollierten Gärung von Weißwein - an diesem Nachmittag wurden die Anwesenden mit so manchem - aber nur scheinbaren - Paradoxon konfrontiert.

Bernhard Deguenther vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinhessen-Nahe-Hunsrück, Standort Oppenheim, und Achim Zaun der Firma Richard Wagner Kellereibedarf aus Alzey sprachen in ihrem gemeinsamen Vortrag "Kühlung bei der Weinproduktion im Zeichen der Energieeffizienz" über die effiziente Auslegung und Nutzung von Kältekompressionsmaschinen und ein prämiertes Wärmerückgewinnungskonzept mit Kühlturm. Dabei stellten sie auch die finanziellen Vorteile einer auf Effizienz ausgelegten Steuerung in der Kühltechnik an konkreten Beispielen aus der Praxis vor.

Dr. Ralf Engelmann, Fachreferent für Solarenergie, Geothermie und Speicher bei der Energieagentur Rheinland-Pfalz, zeigte die Potenziale von Sonnenenergie bei den Kühlprozessen im Betrieb auf, wobei er die Nutzung von eigens erzeugtem PV-Strom für den Betrieb von Kältemaschinen in den Vordergrund stellte. "Eine thermisch geführte Kühlung mit einer Adsorptionskältemaschine ist zwar ein spannendes Einsatzgebiet für die Zukunft, momentan aber noch nicht ökonomisch sinnvoll. Beim Eigenverbrauch von PV-Strom ist die Wirtschaftlichkeit aber bereits gegeben", so Engelmann.

Die anwesenden Winzer nahmen sich für ihre geplanten Umrüstungen im eigenen Keller wertvolle Tipps mit und werden auf Wunsch von der Energieagentur Rheinland-Pfalz im Rahmen von factor e weiterhin bei der Planung und Realisierung von Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz begleitet. Die Flexibilität dieses Unterstützungsangebots erläuterte Luisa Scheerer, Referentin im Regionalbüro Rheinhessen-Nahe.

Darüber hinaus informierte Timo Gensel über den "EffCheck" des Landesamtes für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht, bei der das gesamte Ressourcen- und Stoffstrommanagement im Unternehmen, also auch Wasser, Material und Abfallentsorgung, beleuchtet wird.

Programm der Informationsveranstaltung (mit Referenten)

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