23.09.2016

Aktionswoche 2016: So war... Der Vortragsabend mit ZDF-"Wetterfrosch" Gunther Tiersch

Bild: Voller Rathaus Saal bei Vortrag und Podiumsgespräch in Nieder-Olm (Energieagentur RLP)

Endlich Umdenken andenken

Die Klimaschutzmanagerin Tatiana Herda Munoz aus der Verbandsgemeinde Nieder-Olm hat zu einem besonderen Event ins Rathaus geladen: Als Gastredner konnte sie Dr. Gunther Tiersch gewinnen, den Chefmeteorologen des ZDF, der allgemein auch als der "Wetterfrosch" bekannt ist. Die Besonderheit hat diesem Abend: Tiersch ist nicht einfach "nur" das Gesicht, das jeder aus dem Wetterbericht kennt, sondern Essenheimer und damit selbst Bürger der Verbandsgemeinde Nieder-Olm. Es handelt sich also um ein Heimspiel für ihn, einen Vortrag im lokalen VG-Rathaus zu halten – da hat er nicht lange gezögert und ist der Einladung der Klimaschutzmanagerin gefolgt. Gerne unterstützt er ihre Arbeit und möchte das Bewusstsein für menschengemachte Klimaveränderungen steigern.

Vortrag: "Klimawandel - Es geht um mehr als das Wetter"

In seinem Vortrag "Klimawandel – Es geht um mehr als das Wetter" zeigte er daher mit eindrucksvollen Bilder und Graphiken: Wetterereignisse stehen zwar zunächst für sich, aber die gehäuften Starkwetterereignisse der letzten Jahre zeigen ebenso wie die statistischen Aufzeichnungen des Wetters, dass die Entwicklung bedrohlich ist. Er bezeichnet sich selbst als "Pessimist", wenn er darüber spricht und zeigt nicht nur, was bereits jetzt auf den Klimawandel zurück zu führen ist, sondern auch was uns in den nächsten Jahrzehnten noch bevorstehen wird. Er nimmt die weit über 100 Besucher, die am Donnerstag Abend den Ratssaal mehr als füllen, gedanklich mit in die Zukunft. Er fordert sie auf, sich mit ihm ins Jahr 2030 zu begeben: die Anzahl kalter Tage, der sogenannten Eistage, habe bereits abgenommen, die Anzahl tropischer Nächte, also solche, die nicht unter 20°C abkühlen, dafür zugenommen. Unsere Gesellschaft, inklusive uns selbst, sei deutlich gealtert und und die Hitze mache uns allen zu schaffen. Es herrsche Wasserknappheit und der eigene Garten gebe ein trauriges Bild ab: aufgrund gesetzlich festgeschriebener Verbote dürfe aber nicht mehr bewässert werden. Der Rhein sei fast bis auf den Grund ausgetrocknet, die Selz seit Jahren nicht mehr da. Die fiese Tigermücke, ursprünglich in den Tropen beheimatet, mache sich seit Jahren in Rheinhessen breit und die Zahl der mit Denguefieber Infizierten in der VG Nieder-Olm sei erschreckend nach oben geschnellt. Auch wer den Riesling und Grauburgunder zu schätzen wusste, müsse sich umgewöhnen: sie seien Rebsorten aus dem Süden gewichen und Weizen könne aufgrund der Wetterbedingunen gar nicht mehr in Rheinland-Pfalz angebaut werden.

Tiersch nannte diese realistisch zu erwartenden Szenarien am Ende seines Vortrags einen "Klimawandeldrahtseilakt", der verlange, dass wir alle aktiv werden und die Entwicklungen zumindest eindämmen müssen.

Podiumsdiskussion

Damit leitete er in die anschließende Podiumsdiskussion über, bestehend aus einer lebendigen Runde: neben Dr. Gunther Tiersch und Tatiana Herda Munoz selbst war Ullrich Matthes vom Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen Rheinland-Pfalz dabei, Sabine Rück vom Verlag Ecowomen und Eberhard Rathgeb vom Repair Cafe Nieder-Olm.

"Green Janine"

Als Moderatorin hat Herda Munoz Janine Steeger gewinnen können, die ehemalige RTL-Explosiv Moderatorin. Sie hat RTL inzwischen den Rücken zugekehrt und ist selbständig als "Green Janine" tätig. Sie moderiert "Grüne Veranstaltungen" und hat sich komplett dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben. Dazu gehört für sie u.a., dass sie ihr Auto abgeschafft hat und ausschließlich ökologisch und fair hergestellte Kleidung trägt.

Die Podiumsrunde sollte die Nieder-Olmer vor allem motivieren, dass jeder selbst etwas zum Klimaschutz beitragen kann und das auch ganz einfach funktioniert: sei es beim Konsum, beim Transportmittel oder auch im politischen oder ehrenamtlichen Engagement. Deutlich wurde gesagt, dass Klimaschutz nicht gleich Verzicht bedeutet, sondern auch im kleinen schon beginnen kann und Spass macht. Ein Zuhörer gab zu bedenken die Menschen müssten damit beginnen das Umdenken endlich anzudenken, bevor es zu sei.

Zum Ausklang des Abends gab es im Foyer des Rathauses saisonale und ökologische Häppchen und Wein aus der Region – ganz praktischer Klimaschutz, der schmeckt.

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