21.03.2018

Energiewende vor Ort – genossenschaftliches Engagement

Trier, Meisenheim: Das Landesnetzwerk BürgerEnergieGenossenschaften Rheinland-Pfalz e.V. veranstaltete gemeinsam mit der Kanzlei Becker Büttner Held die Fachtagung „Energiegenossenschaften in Rheinland-Pfalz – Chancen und neue Entwicklungen“.

„Die Zukunft der Energieversorgung ist dezentral und erneuerbar. Gerade Bürgerenergiegenossenschaften sind regional verankert und setzen sich vor Ort für den Ausbau erneuerbarer Energien ein. Sie tragen durch Bürgerbeteiligung und Mitbestimmung zur Akzeptanz bei und sind somit ein wichtiger Motor für die erfolgreiche Umsetzung der dezentralen Energiewende“, sagte Staatssekretär Thomas Griese bei der Veranstaltung.

Regionale Erzeugung und Wertschöpfung

Energiegenossenschaften haben den Ausbau der erneuerbaren Energien vorangetragen und mitfinanziert. Heute komme annähernd jede zweite Kilowattstunde Ökostrom aus Anlagen von Bürgerinnen und Bürgern, so Griese. Bürgerenergiegenossenschaften leisten außerdem einen maßgeblichen Beitrag, um die Wertschöpfung in der Region zu halten und weiter auszubauen.

Die ersten EEG-Anlagen werden bald aus der Förderung fallen, können aber technisch noch weiterbetrieben werden. Professor Ralf Simon, TSB Bingen, warf die Frage auf, ob die Direktvermarktung  ein neues Geschäftsfeld für Energiegenossenschaften sein könnte. Grundsätzlich müssten sich viele Vorstände damit auseinandersetzen, den Businessplan fortzuschreiben, so Dietmar Freiherr von Blittersdorf.
Diese Aufgabe könnte durch einen Prüfverband, der auch berät und insbesondere die Geschäftsfeldentwicklung unterstützt, begleitet werden. „Der Genossenschaftliche e.V“ beispielsweise  legt einen besonderen Fokus auf die zukünftige Entwicklung der Mitglieder und unterstützt sie unter anderem hinsichtlich Projektplanung und –realisierung aber auch dem Projektrisikomanagement. Eine allumfassende Bürger-Versorgungs-Genossenschaft nach dem Vorbild der EWS – Elektrizitätswerke Schönau – sei das Ziel für die weitere Entwicklung, so Oliver Eifertinger von BBH.

„Auf den Bimbes kommt es an“

So war der Vortrag von Professor Christian Held überschrieben. Er zeigte auf, dass es bei der Finanzierung von Erneuerbare-Energien-Anlagen häufig zu Finanzierungslücken kommt. Es gäbe auch keine geeigneten Finanzierungsinstrumente für aus der EEG-Förderung fallende Bestandsanlagen so Professor Held.

Vorbild aus Südtirol

„Kleine Betriebe, Organisationen sind innovativer“ sagte Rudi Rienzner, CEO vom Verband Südtiroler Energie SEV. Die Verbandsaufgabe liegt unter anderem darin, als Dienstleister zu fungieren und den kleineren Energieversorgern  Gehör gegenüber der Landesenergiegesellschaft zu verschaffen.
Ähnlich wie in Südtirol gibt es in den USA eine historisch gewachsene Genossenschaftsbewegung. Dort wurde ein Finanzdienstleister, die CFC,  gegründet, der für die Mitgliedsgenossenschaften am Kapitalmarkt aktiv ist. Die genauen Branchenkenntnisse führen zu fundierten Kreditvergabeentscheidungen.

Über die Transatlantic Cooperative Alliance TECA, die vor fast einem Jahr in Meisenheim gegründet wurde, kam das Modell der CFC nach Europa. Derzeit wird ein Businessplan erarbeitet mit dem Ziel, eine Energiegenossenschaftsbank zu gründen.