23.03.2016

Aufklären, informieren, anregen, unterstützen

Titel Grenzgänger - Nr. 1/2016

Klimaschutzmanagement ist ein Management der Veränderung, das ist der Leitspruch von Sebastian Retzler, erster Klimaschutzmananger des Nationalparklandkreises Birkenfeld. Aufgabe des 38-Jährigen ist es, Klimaschutzkonzepte voranzutreiben, Akteure für mehr Klimaschutz zu gewinnen und ganz allgemein das Thema Klimaschutz im öffentlichen und privaten Bereich präsenter zu machen. Veränderung hat auch die berufliche Entwicklung des Mittelbollenbachers bestimmt.
Der gelernte Maurer hat sich zum Bautechniker weitergebildet, Zusatzqualifikationen als Gebäudeenergieberater, Energieeffizienzberater und Fachmann für die energetische Bewertung von Nicht-Wohngebäuden erworben und an der Uni Kassel ein Zertifikatsstudium als Anlagenplaner für erneuerbare Energien absolviert. Durch seine Tätigkeit in der freien Wirtschaft und bei Behörden hat er in den Bereichen, in denen er jetzt im Landkreis Verantwortung übernommen hat, bereits umfangreiche Erfahrungen gesammelt. Außer dem 2012 vom Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) am Umwelt- Campus erstellten Integrierten Klimaschutzkonzept, das - unabhängig vom Träger - Maßnahmen im ganzen Kreisgebiet umfasst, ist das sogenannte Klimaschutzteilkonzept des Landkreises für Retzler Richtschnur des Handelns.
Das Konzept sieht vor, die kreiseigenen Liegenschaften durch die energieeffiziente Modernisierung und den Einsatz erneuerbarer Energien fit für die Zukunft machen. Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit in Sachen Klimaschutz zu leisten, ist die zweite, schwierigere Aufgabe Retzlers. Klimaschutz fängt in den Köpfen der Menschen an, ist seine Überzeugung und um dort Fortschritte zu erzielen, muss er Mitstreiter finden - bei den Kommunen, an den Schulen, bei den Unternehmen und in der Bevölkerung. Für besonders wichtig hält er, dass die Menschen erkennen, wie schnell sich viele Maßnahmen zur Energieeinsparung amortisieren und so öffentliche und private Haushalte entlasten. Ein leuchtendes Beispiel ist aus seiner Sicht das vom Klimaschutzmanager der Verbandsgemeinde Birkenfeld initiierte Nahwärmenetz, das 19 öffentliche und 11 private Gebäude versorgt. Aber nicht immer sind große Investitionen nötig.
Wenn Ortsgemeinden ihre Straßenbeleuchtung auf LED umstellen, ist dies ebenso im Sinne nachhaltigen Klimaschutzes wie die Nachrüstung sparsamer Heizungsumwälzpumpen. Auf beiden Gebieten wurden im Kreis Birkenfeld schon beachtliche Fortschritte erzielt. "Das ist nur der Anfang. Wenn alle Verbandsgemeinden einen Ansprechpartner für den Klimaschutz haben, können wir noch viel mehr bewirken. Es gibt noch jede Menge Potenziale, um die Treibhausgasemissionen auf Dauer deutlich zu senken und zugleich die regionale Wertschöpfung zu erhöhen", weiß Sebastian Retzler, den die Energieagentur Rheinland- Pfalz mit fachlichem Rat unterstützt. Unterstützung kommt auch vom Bundesumweltministerium, das drei Jahre einen Großteil der Personalkosten des Klimaschutzmanagers trägt.