Perspektiven für die Wärmeversorgung der Häuser im Ahrtal

Bei der Bedarfserhebung in den Ahrtalgemeinden haben Freiwillige des Shuttlebuses mitgeholfen. In der Mitte: Paul Ngahan, Projektleiter Wärme bei der Energieagentur Rheinland-Pfalz.

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Energieagentur Rheinland-Pfalz legt erste Auswertung vor

Ahrtal / Kaiserslautern, 16.09.2021: Im Ahrtal wurden, wie eine zeitnahe erste Satellitenauswertung zeigt, 8.997 Gebäude von der Flut getroffen. Unklar war lange, in welchem Ausmaß die Gebäude beschädigt und die Gebäudeenergieversorgung beeinträchtigt wurde. Eine größere Klarheit bringt jetzt die Bedarfsanalyse der Energieagentur Rheinland-Pfalz. Teams um Projektleiter Paul Ngahan (Energieagentur Rheinland-Pfalz) und Professor Stefan Neumeister (Hochschule Trier) – unterstützt von vielen Freiwilligen des Helfersstabs – haben in den letzten beiden Wochen in den betroffenen Gemeinden des Ahrtals vor-Ort-Begehungen durchgeführt. Dabei wurde ermittelt, welche Schäden die Häuser aufweisen und in welchen Gebäuden in Bezug auf die nahenden Herbst- und Wintermonate Bedarf an Wärmeversorgung besteht. Nun liegen die ersten Erkenntnisse und Auswertungen vor.

Analyse und Auswertung des Wärmeversorgungsbedarfs im Ahrtal (Stand KW 36)

Der Schwerpunkt der Bedarfserhebung der Landesenergieagentur lag im ländlichen Raum des Ahrtals, in den Verbandsgemeinden Altenahr und Adenau. Für die Städte Bad Neuenahr und Sinzig wird möglichst flächendeckend eine Wärmeversorgung durch zentrale Wärme- und Gasnetze angestrebt.

Bei 2.424 Begehungen wurde festgestellt, dass die satellitenbildgestützten Auswertungen zum Schadensbild der Flutkatastrophe im Ahrtal teilweise ein unvollständiges Gesamtbild wiederspiegeln. 110 Gebäude (VGen Adenau und Neuenahr) waren in der Satellitenauswertung als von der Flut betroffen erfasst, wiesen aber keine Beschädigungen auf. Demgegenüber wurden bei den vor-Ort-Begehungen 86 flutgeschädigte Haushalte erfasst (Schuld, Hönningen, Dernau, Brück), die in der Erstanalyse nicht berücksichtigt waren.

Bei der Ergebnisauswertung der Individualerhebung konnte zu 860 detailliert erfassten Gebäuden ermittelt werden, dass knapp die Hälfte (47 %) aktuell noch bewohnbar sind. 10 Prozent der erfassten Gebäude weisen einen Total-, 62 Prozent einen Teil- und 18 Prozent lediglich einen Reparaturschaden auf. 73 Prozent der Betroffenen gaben an, dass ihre Heizung einen Totalschaden erlitten habe, für 12 Prozent der Gebäude wurde ein Reparaturschaden der Heizung gemeldet. 24 Prozent der Befragten vermuten, dass eine Reparatur möglich ist, wohingegen 46 Prozent davon ausgehen für den Winter eine Übergangslösung zu benötigen. 30 Prozent der Befragten wissen den Zustand ihrer Heizung nicht einzuschätzen. Mit der Umsetzung von Reparatur und Notlösungsmaßnahmen konnten bereits 36 Prozent der Befragten einen Heizungsfachbetrieb beauftragen.

Überdeutlich war das Ergebnis bei der Frage, wie sich die betroffenen Bürger ihre zukünftige Wärmeversorgung vorstellen: 84 Prozent wünschen sich eine langfristige und nachhaltige Lösung. Hingewiesen wurde immer wieder auf die Umweltschäden durch Heizöl und die Klimaeffekte, die es künftig zu vermeiden gälte.

Gasversorgung im städtischen Gebiet

Nach bisherigem Stand war eine Gasversorgung in weiten Teilen der Stadtgebiete nördlich der Ahr zum Beginn der Heizperiode nicht sichergestellt. Strombasierte Ersatzlösungen können durch das innerstädtische Stromnetz jedoch nur bedingt bereitgestellt werden. Um alle Möglichkeiten zur Gasversorgung auszuschöpfen, haben ENM, EVM, Ahrtalwerke, ADD Verwaltungsstab, Energieagentur Rheinland Pfalz, Hochschule Trier - mit Unterstützung der Landesregierung - kurzfristig eine erweiterte Planungsgruppe etabliert, um gemeinsam mit weiteren Partnern aus dem Planungs- und Versorgungsbereich eine zeitnahe Versorgung auch der nördlichen Stadtteile zu entwickeln. Die positiven Ergebnisse dazu wurden in einer separaten Pressemeldung von ADD-Entwicklungsstab und Energieagentur Rheinland-Pfalz veröffentlicht.

Link zur Pressemeldung: Gasversorgungsituation in Bad Neuenahr-Ahrweiler (rlp.de)

Netz-Lösungen mit mobilen Heizzentralen

Mithilfe von Professor Neumeister und seinem Team sowie Thomas Weimer (ADD Verwaltungsstab) hat die Gemeinde Mayschoß Ende August ein Pilotprojekt gestartet und die erste mobile Heizzentrale in Betrieb genommen. Sechs Familien werden über kleine Wärmenetze und mobile Ölheizungen versorgt. Inzwischen sind noch zwei weitere Ölheizzentralen und zwei Elektroheizstationen hinzugekommen, sodass elf weitere Familien mit Wärme versorgt werden. Dieses Pilotprojekt ist in Bezug auf die Option und Akzeptanz für spätere nachhaltige Lösungen auf Basis von erneuerbaren Energien ein wichtiges Zeichen an die Menschen im Ahrtal.

Weitere Projekte, ähnlich dem in Mayschoß, konnten in der Zwischenzeit in Müsch realisiert werden. Hier sind mittlerweile für 17 Familien sieben mobile Heizzentralen installiert. In Dernau hat die Initiative „Wärme für Dernau“ eine Spende von zwei mobilen Heizzentralen erhalten. Mit Unterstützung der Energieagentur Rheinland-Pfalz können in den nächsten Tagen 20 Häuser angeschlossen und mit Wärme versorgt werden. In Rech benötigen 12 Häuser eine Notlösung für die Heizung. Zwölf mobile Elektroheizstationen wurden angeliefert und werden nächste Woche installiert. 19 Häuser in Schuld und rund 15 in Ahrbrück sollen mit Unterstützung der Landesenergieagentur in Kürze auf die gleiche Weise beheizt werden.

Wie geht es im Ahrtal nun weiter?

Der eingeschlagene Weg zur Sicherstellung der Wärmeversorgung im Ahrtal muss weiter aktiv begleitet werden – insbesondere der Wunsch vieler Menschen nach einer nachhaltigen Energieversorgung. Deshalb plant die Energieagentur Rheinland-Pfalz, zusammen mit ihren Kooperationspartnern und den Kommunen, die Entwicklung eines Energie-Zukunftskonzeptes mit dem Fokus auf nachhaltiger Versorgung und regionaler Wertschöpfung. Vor diesem Hintergrund bietet sie allen betroffenen Kommunen im Ahrtal Informationsveranstaltungen vor Ort für Bürger und Entscheidungsträger an. Dabei sollen alternative Konzepte wie Wärmenetze auf regenerativer Basis vorgestellt und am konkreten Bedarf orientiert erläutert werden. Zudem werden die regelmäßigen Gespräche mit Bürgern, (Orts-) Bürgermeistern und Ortsvorstehern weitergeführt, sodass Wünsche und Bedarfe auch künftig direkt an die Energieagentur Rheinland-Pfalz herangetragen werden können. Im Sinne eines Energie-Zukunftskonzeptes gibt es auch eine enge Abstimmung mit dem Verband Kommunaler Unternehmen. Dabei wird zum Beispiel erläutert, wie größere Stadtwerke künftig Kommunen bei der Umsetzung der Energiewende langfristig unterstützen können (z. B. durch Energiepatenschaften).

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