Die Nahwärme im Visier

Obwohl er der zweitkleinste rheinland-pfälzische Landkreis ist und der fünftkleinste bundesweit gesehen, gilt Cochem-Zell als Vorzeigeadresse in Sachen Klimaschutz. Nicht von ungefähr erhielt diese Gebietskörperschaft in der nördlichen Mitte von Rheinland-Pfalz bereits 2014 den „European Energy Award“. Inzwischen avancierte sie auch zur „Bioenergie-Region“. Und das Bundesumweltministerium zeichnete Cochem-Zell im Rahmen des Förderprogramms „Masterplan 100 Prozent Klimaschutz“ für sein herausragendes Engagement aus. Schon 2008 hatte der Kreistag beschlossen, „Null-Emissions-Landkreis“ zu werden. Bis 2020 solle sich der CO2-Ausstoß um die Hälfte verringern. Wie sieht die aktuelle Bilanz aus und welche Faktoren spiel(t)en eine entscheidende Rolle?

Soviel vorab: Der aktuelle Energiespiegel kann sich sehen lassen. Der Stromverbrauch im Landkreis Cochem-Zell wird schon zu 190 Prozent durch Ökostrom gedeckt (Stand 2019). Er stammt zu jeweils 40 Prozent aus Wind- und Wasserkraft. Den Rest steuern Photovoltaik-Anlagen (zwölf Prozent) und Biomasse bei (acht Prozent). Inzwischen sind immerhin schon mehr als 500 Elektroautos und Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge kreisweit im Einsatz.

Potenzial von bis zu 500 Gebäuden

Besondere Aufmerksamkeit erzeugt der Landkreis Cochem-Zell mit seinen Anstrengungen, Nahwärmeverbünde in Dörfern mit gemeinschaftlichem, dorfübergreifendem Quartiersmanagement (Ermittlung Gebäudebestand mit Einsparpotenzial) zu koppeln. Nicht ohne Grund: Im Wärmesektor werden zirka 60 Prozent der Endenergie verbraucht, und hier entstehen etwa über 50 Prozent der Treibhausgase. Auch wenn gegenwärtig erst in drei Kommunen Dorfwärmenetze Realität werden, gilt ein Anschluss von bis zu 500 privaten, gewerblichen und kommunalen Gebäuden als realistisch. Je nach Größe der Kommune, sind CO2-Einsparungen in der Größenordnung von jährlich 750 bis 1.400 Tonnen wahrscheinlich.

Neben diesen Dorfwärme-Netzen entstanden in den letzten Jahren auch mehrere kleinere Nahwärmeverbünde. Beispielhaft dafür stehen die Grünschnitt-Heizungsanlagen in den Schulzentren Zell und Kaisersesch. Hier wird der regional anfallende Grünschnitt energetisch in einem Stromkreislauf und in Verbindung mit Solarthermie-Anlagen genutzt.

Rund 20 Mio. Euro Investitionsvolumen

Vor dem Hintergrund des neuen Landesförderungsprogrammes "Zukunftsfähige Energieinfrastruktur" (ZEIS) (mit einer höheren Förderquote) sollen fünf weitere Kommunen Interesse an einem Dorfwärmeprodukt angemeldet haben. Damit wäre ein Investitionsvolumen von rund 20 Millionen Euro verbunden. Jeder Teilnehmer erhält übrigens einen Highspeed-Glasfaseranschluss dazu.

Als Treiber der Nahwärmeprojekte gelten die Energieagentur „unser-klima-cochem-zell e.V.“ (mit dem Projekt „Cochem-Zeller-Energiedorf“) und die Kreiswerke Cochem-Zell (mit eigenem Betriebszweig Nahwärme). Dirk Barbye bilanziert: „Im Ergebnis können wir den Bürgerinnen und Bürgern eine günstige, klimafreundliche Wärmeversorgung anbieten!“ Als Leiter des Fachbereiches Kreis-Entwicklung und Klimaschutz bei der Kreisverwaltung Cochem-Zell weiß Barbye natürlich, dass es stets projektbezogene Verbesserungspotenziale gibt. „Aber dies ist auch immer der bestehenden Förderkulisse geschuldet. Heute gibt es passgenauere Förderprogramme.“

Pandemie kontra Masterplan?

Barbye hofft, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie das Umsetzen der Energieziele im Landkreis nicht bremsen. Dann blieben die Zielvorgaben im aktuellen „Masterplan 100 % Klimaschutz für Cochem-Zell“ bestehen: Halbierung des Endenergiebedarfs bis 2050 und Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen bis zu diesem Zeitpunkt um 95 Prozent gegenüber 1990. Bereits zwischen 1990 und 2014 (aktuellere Zahlen liegen nicht vor) konnte der CO2-Ausstoß von annähernd 890.000 Tonnen um 32 Prozent auf rund 600.000 Tonnen jährlich gesenkt werden.

Ein Schlüsselfaktor zur Erreichen der Klimaziele ist Dirk Barbye zufolge das konsequente Einbinden der Bevölkerung, nicht zuletzt der politisch motivierten Jugend (wie die „Fridays for trees“-Bewegung im Landkreis Cochem-Zell).

Weitere Informationen gibt bei der Kreisverwaltung Cochem-Zell Dirk Barbye, Leiter des Fachbereiches Kreis-Entwicklung und Klimaschutz, am Telefon 02671 61 680 oder per E-Mail: dirk.barbye(at)cochem-zell(dot)de.


Best-Practice-Serie "Kommunen Machen Klima"

Klimawandel und Energiewende sind Herausforderung und Chance zugleich. Den Kommunen kommt bei ihrer Bewältigung eine zentrale Rolle zu – sie gestalten mit ihren Entscheidungen, Maßnahmen und Projekten die Zukunft ihrer Bürgerinnen und Bürger. Und sie sind in vielen Fällen Vorbilder beim Einsatz für den Erhalt einer lebenswerten Umwelt.

Eine Reihe von besonders gelungenen Beispielen präsentieren wir regelmäßig im Rahmen der Serie "Kommunen Machen Klima": erfolgreiche Projekte, innovative Lösungen, ermutigende Erfolge, Chancen für die Zukunft. Alle zwei Wochen, immer dienstags, finden Sie einen neuen Beitrag auf der Seite "Kommunen Machen Klima" – verbunden mit der Hoffnung, dass die vorgestellten Taten möglichst viele Nachahmer finden werden. Denn der interkommunale Austausch kann Klimaschutz, Energiewende und eine klimaangepasste Entwicklung beflügeln. Kurz: Nachmachen ist ausdrücklich erwünscht!

Auch diese „Best-Practice“-Serie ist eine Gemeinschaftsaktion. Sie wird getragen von Landkreistag, Gemeinde- und Städtebund, Städtetag und der Energieagentur Rheinland-Pfalz, unterstützt vom Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen.