14.11.2016

Wie Klimawandel Weinbau und Landwirtschaft in Rheinland-Pfalz verändern

Bis Ende des Jahrhunderts könnte im Weinbau der Knospenaustrieb 25 bis 30 Tage früher als heute einsetzen.

Höhere Temperaturen, sehr wahrscheinlich insgesamt weniger Niederschlag in der Vegetationszeit, häufiger extreme Wetterereignisse sowie mehr Kohlendioxid in der Atmosphäre – das sind wesentliche klimatische Entwicklungen, die auf den Weinbau und die Landwirtschaft in Rheinland-Pfalz bis Ende des Jahrhunderts aufgrund des Klimawandels zukommen können.

Pflanzenverfügbares Wasser

Die Verfügbarkeit von Wasser kann für viele landwirtschaftliche Kulturpflanzen mit zunehmendem Klimawandel zum begrenzenden Faktor werden. Dabei wirken mehrere Faktoren zusammen: Zukünftig tendenziell weniger Niederschlag in der Vegetationszeit, höhere Verdunstung infolge höherer Temperaturen und häufiger extreme Wetterereignisse wie Trockenperioden und Starkregen. Bei der flächenmäßig wichtigsten ackerbaulichen Kulturart in Rheinland-Pfalz, dem Winterweizen, kann Bodenwasser auf vielen Standorten den Ertrag limitieren. Auch für das Grünland dürfte der Klimawandel überwiegend negative Folgen haben, da sich die Wasserbilanzen in der Zukunft verschlechtern werden. Verstärkt auftretende Sommertrockenheit sowie insgesamt höhere Verdunstung wirken den prinzipiell positiven Wirkungen einer verlängerten Vegetations- und Wachstumsperiode entgegen.

Weinanbau und Klimawandel

Vielfach wird der Weinbau als großer Gewinner des Klimawandels gesehen. Weinanbau ist bekanntlich in wärmebegünstigten Regionen möglich. Die thermischen Wachstumsbedingungen dürften sich in allen wichtigen Phasen der Rebenentwicklung an den Weinstandorten in Rheinland-Pfalz in den nächsten Jahrzehnten grundsätzlich verbessern. Nach den Simulationen des Kompetenzzentrums für Klimawandel kann Weinanbau bis Ende 2100 – rein klimatisch betrachtet – in vielen, heute noch zu kalten Regionen von Rheinland-Pfalz möglich sein. Außerdem könnten künftig zunehmend schon heute vorhandene anspruchsvolle Rotweinsorten wie Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah angebaut werden.

Der Klimawandel hat jedoch nicht nur positive Wirkungen für den Weinbau. Eine um bis zu 30 Tage frühere Lesereife am Ende des Jahrhunderts kann mit einem erhöhten Fäulnisrisiko durch Pilze und Bakterien infolge feuchterer Verhältnisse in der noch wärmeren Jahreszeit verbunden sein. Von neuen Schädlingen und Krankheiten ist auch der Weinbau betroffen. So ist die erstmals 2011 in Rheinland-Pfalz beobachtete Kirschessigfliege an wärmere Temperaturen gebunden. Sie profitiert insbesondere von feucht-warmen Witterungsverhältnissen und günstigem Mikroklima an den Reben.

Anpassung an den Klimawandel

Die wenigen Beispiele verdeutlichen bereits, dass die ohnehin nicht einfachen Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge durch den Klimawandel noch komplexer werden. Anpassung an den Klimawandel heißt daher grundsätzlich: Flexibilität, Risikostreuung, Umgang mit Unsicherheit. Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel in der Landwirtschaft und im Weinbau zielen darauf ab, die Standort- und Sortenwahl von Pflanzen und Sorten noch stärker zu beachten als bisher. Technische Anpassungsmöglichkeiten in der Landwirtschaft und im Weinbau liegen vor allem darin, gegen Krankheiten und Schädlinge multiresistente sowie insbesondere gegenüber Trockenheit klimarobuste Sorten zu züchten. Großer Wert ist auf das Boden- und Bewässerungsmanagement (Erosionsschutz, Mulchsaat bzw. pfluglose Bodenbearbeitung) sowie auf den Pflanzenbau und die Anbautechnik zu legen. Und die Vielfalt und der kleinräumige Wechsel unterschiedlicher Arten tragen zur Streuung des Risikos bei. Denn in der Regel sind die Kulturen unterschiedlich anfällig gegenüber Krankheiten und nicht in gleichem Maße von den Folgen extremer Wetterereignisse betroffen.

Ergänzende Informationen:

Opens external link in new windowKlimawandelinformationssystem

Opens external link in new windowThemenblatt Landwirtschaft

Opens external link in new windowThemenblatt Weinbau

Dr. Ulrich Matthes, www.kwis-rlp.de