09.11.2016

Wie der Klimawandel sich auf unsere Böden auswirkt

Moorböden speichern besonders viel Kohlenstoff. Der abgebildete Niedermoorboden enthält über 700 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar. Foto: Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz.

Böden erfüllen als Standorte für die land- und forstwirtschaftliche Nutzung wichtige Funktionen für Mensch und Umwelt und spielen eine wesentliche Rolle im Klimageschehen. Das Klima beeinflusst als bodenbildender Faktor nicht nur langfristig die Bodenentwicklung, sondern zu jeder Zeit die Bodenfunktionen. Klimaänderungen wirken sich daher auf den Wasserhaushalt, den Stofftransport und den Stoffumsatz in Böden aus.

Umgekehrt haben menschliche Eingriffe und klimabedingte Veränderungen der Stoff- und Energieflüsse in den Böden Auswirkungen auf das Klima. „Bodenschutz und Klimaschutz sind daher miteinander verbunden – Klimaänderungen beeinflussen den Boden und veränderte Bodenverhältnisse beeinflussen das Klima.“

Böden zweitgrößter Kohlenstoffspeicher

Böden sind ein zentraler Bestandteil im globalen Kohlenstoffkreislauf. Sie stehen in enger Wechselbeziehung zu klimarelevanten Gasen wie Kohlendioxid (CO2), Lachgas (N2O) und Methan (CH4). Böden sind einerseits in der Lage, große Mengen an Kohlenstoff zu speichern. In Böden ist weltweit ungefähr fünfmal so viel Kohlenstoff gespeichert, wie in der oberirdischen Biomasse. Damit bilden die Böden nach den Meeren den zweitgrößten Kohlenstoffspeicher. Andererseits können Böden aufgrund von Landnutzungsänderungen und durch eine nicht nachhaltige Nutzung und Bewirtschaftung auch eine Quelle für Treibhausgase sein.

Der Boden spielt zudem eine wichtige Rolle im Wasserkreislauf. Durch das im Boden gespeicherte Niederschlagswasser können die Auswirkungen veränderter Niederschlagsmengen und jahreszeitlicher Verteilung auf den Wasserhaushalt von Grundwasser und Oberflächengewässern vermindert werden. Darüber hinaus beeinflussen Bodenzustand und Nutzung das Rückstrahlungsverhalten in die Atmosphäre. Böden können daher zur Verminderung von Hitzestaueffekten beitragen. Aufgrund seiner Bedeutung wurde der Boden in der Deutschen Anpassungsstrategie (DAS 2008) an den Klimawandel als eigenes Handlungsfeld berücksichtigt. Die Zusammenhänge werden dort folgendermaßen zusammengefasst:

„Klimatisch bedingte Änderungen im System Boden haben direkte Auswirkungen auf natür­liche Produktionssysteme, den Wasserkreislauf sowie die biologische Vielfalt. Zugleich tragen alle aktuellen präventiven Maßnahmen der Verringerung bzw. Vermeidung der Bodenerosion, der schadhaften Bodenverdichtung sowie dem Erhalt der organischen Substanz zum Schutz der ökologischen Leistungsfähigkeit der Böden bei und sind geeignete Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel.“ (DAS 2008).

Voraussagen über Veränderungen schwierig

Auch wenn Konsens über die grundsätzlichen Klimawirkungen auf Böden besteht, erschwert die Komplexität des Systems Boden mit seinen vielen internen Regelkreisen und Rückkopplungsmechanismen quantitative Voraussagen zu den Auswirkungen der Klimaänderungen auf die Böden. Die möglichen Beeinträchtigungen der Bodenfunktionen stehen dabei insbesondere im Zusammenhang mit Veränderungen des Bodenwasserhaushaltes, einer zunehmenden Erosionsgefährdung und dem Risiko von abnehmenden Humusgehalten und -vorräten.

Verzicht auf Grünlandumbruch und reduzierte Bodenbearbeitung

Der Schutz der Bodenfunktionen wird vielfach unmittelbar durch die Maßnahmen anderer Handlungsfelder (Land- und Forstwirtschaft, Wasserwirtschaft, Naturschutz, Raumplanung) geleistet, daher ist eine enge und integrale Abstimmung der Akteure notwendig. Die bewährten Grundsätze der „Guten Fachlichen Praxis“ der landwirtschaftlichen Bodennutzung wie eine bodenschonende Befahrung, ein konsequenter Einbau von Humus als Wasser- und Nährstoffspeicher, eine reduzierte Bodenbearbeitung und der Verzicht auf Grünlandumbruch tragen dazu bei, die Auswirkungen des Klimawandels zu verringern. Der mit dem Klimawandel verbundene Anstieg des potenziellen Risikos von Bodenerosion und Bodenverdichtung erfordert grundsätzlich keine andere Art von Schutzmaßnahmen als die derzeit bereits empfohlenen.

Der immer noch hohe Flächenverbrauch bei der Siedlungs- und Verkehrsentwicklung kann durch verstärkte Innenentwicklung verringert werden. Darüber hinaus tragen Entsiegelung und Rekultivierung von Böden in urbanen Räumen dazu bei, das Stadtklima zu verbessern.

Dr. Tilman Sauer, www.kwis-rlp.de