14.06.2018

Tobias Hankes: Landwirt und innovativer Systemdienstleister

Künftig ist der Landwirt Hankes mit seiner Anlage als Systemdienstleister im Strommarkt tätig. © Energieagentur Rheinland-Pfalz

In Rheinland-Pfalz produzieren derzeit über 160 Biogasanlagen rund 545 Mio. kWh Strom jährlich. Damit können ungefähr 140.000 durchschnittliche Vier-Personen-Haushalte ein Jahr mit Strom versorgt werden. Eine dieser Anlagen betreibt der Landwirt Tobias Hankes in der Ortsgemeinde Eisenach im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Allerdings schlägt er mit seiner Anlage strategisch einen neuen Weg ein, als einer der ersten in Rheinland-Pfalz als auch deutschlandweit. Künftig ist der Landwirt Hankes mit seiner Anlage als Systemdienstleister im Strommarkt tätig.

Mit Biomasse Energie erzeugen

Die überwiegende Zahl der Anlagen in Rheinland-Pfalz sind sogenannte Nachwachsende Rohstoffe-Anlagen (NaWaRo-Anlagen). So auch die Anlage von Hankes. „Biogasanlagen sind flexibel einsetzbar und multifunktional. Sie produzieren neben Strom auch Wärme in Blockheizkraftwerken und verbessern durch die Vergärung von Wirtschaftsdüngern wie Gülle und Mist die Klimabilanz der Landwirtschaft“, erklärte Staatssekretär Griese. Die in Biogasanlagen erzeugte Energie wird in das Stromnetz eingespeist.

Biogasanlage Hankes in Eisenach geht innovativen Weg

Seit sieben Jahren betreibt Hankes seine Biogasanlage als zusätzliches Standbein zum landwirtschaftlichen Betrieb. Bisher hat auch er seine erzeugte Energie kontinuierlich in das Stromnetz eingespeist. Nun wollte er sich fit für die Zukunft machen und hat seine Anlage umgerüstet: künftig hält er als Systemdienstleister eine Primärreserve für Netzschwankungen bereit. „Landwirt Tobias Hankes zeigt eindrücklich, wie seine flexibilisierte Biogasanlage sekundenschnell Strom zum Ausgleich von Frequenzschwankungen liefern kann“, so Griese.

Im deutschen Stromnetz entstehen Schwankungen durch Energieverluste und durch Differenzen zwischen Ein- und Ausspeisung. Um die elektrische Leistung konstant halten zu können, müssen diese Schwankungen in wenigen Sekunden ausgeglichen werden. Hierfür werden Primärreserven benötigt, die innerhalb von 30 Sekunden verfügbar sein müssen. Bislang übernehmen die Bereitstellung von Primärreserven vor allem schnell anlaufende Kraftwerke, wie zum Beispiel Wasserspeicherkraftwerke. Da Biogas als bisher einziger erneuerbarer Energieträger gespeichert werden kann und seine Produktion relativ unabhängig von Umwelteinflüssen ist, können auch Biogasanlagenbetreiber Systemdienstleistungen anbieten. Allerdings  waren bis vor wenigen Monaten die dafür notwendigen technischen Voraussetzungen als auch die Vermarktungsinstrumente noch nicht für Biogasanlagen verfügbar.

Anlagenflexibilisierung und Netzstabilisierung

Landwirt Hankes hat 2018 ein flexibles BHKW mit einer Leistung von 550 kW angeschafft. Dieses BHKW läuft netzparallel 24 Stunden am Tag. Damit kann er auch kurzfristig auf die benötigte Leistung zur Netzstabilisierung reagieren: je nach Bedarf kann er die Leistung der Anlage bis auf 250 kW reduzieren oder bis auf 550 kW steigern. Damit die Anlage weiß, welche Leistung gerade benötigt wird, schickt der Stromvermarkter ein Signal direkt zur Anlage.

Durch die Umrüstung seiner Anlage hat Hankes seinen Betrieb flexibel gemacht und damit wirtschaftlich in die Zukunft geführt: er trägt zur Stabilisierung unseres Stromnetzes bei und erwirtschaftet durch seine Systemdienstleistungen Zusatzeinnahmen. Denn diese werden von Übertragungsnetzbetreibern eingekauft.

Unterstützung mehrerer Partner war notwendig

Die Projektidee wurde 2016 auf einem Informationstag der Energieagentur Rheinland-Pfalz für Biogasanlagenbetreiber in Trier geboren. Diese begleitete und unterstützte Tobias Hankes im Rahmen ihres Projektes „Öffnet internen Link im aktuellen FensterZukunftscheck Biogasanlagen“ von Anfang an bis zur Inbetriebnahme der umgerüsteten Anlage.
Der BHKW-Hersteller 2G Energy AG hat ein neues BHKW technisch so modifiziert, dass sowohl kurzfristige Lastwechsel möglich sind, als auch die notwendige Mess- und Regeltechnik vorhanden ist. Der Stromvermarkter Innogy SE schuf die Voraussetzungen, dass Tobias Hankes seine Primärregelleistung vermarkten kann. Letztlich finanzierte die regional ansässige Volksbank Eifel eG das Zukunftsprojekt.