Tankstelle 2.0: Die Infrastruktur der Zukunft im Land

Beim Netzwerktreffen Elektromobilität am Mittwoch an der Technischen Universität (TU) Kaiserslautern haben dortige Wissenschaftler die Ergebnisse ihres Forschungsprojektes „Tankstelle 2.0 – Strategien zur nachhaltigen Versorgung von Kraftfahrzeugen mit alternativen Antrieben in Rheinland-Pfalz“ vorgestellt. Darin wurden sechs Szenarien für den potenziellen Bedarf an Zapfsäulen und Ladepunkten für Rheinland-Pfalz bis 2050 ermittelt. Das Umweltministerium hat die wissenschaftliche Untersuchung mit 176.000 Euro gefördert.

Sechs Szenarien für die Infrastruktur der Zukunft

Die Wissenschaftler der TU Kaiserslautern entwarfen sechs unterschiedliche Szenarien, wie sich der Anteil der Energieträger Erdgas, Wasserstoff und Strom bei Pkw und Lkw künftig entwickelt. Dabei unterschieden sie zwischen einer konservativen, alternativen und extremen Entwicklung. Bei den Szenarien mit einer extremen Anteilsentwicklung wurde zudem zwischen einem Szenario mit Antriebsmix und drei Szenarien mit Blick auf jeweils einen der drei Energieträger unterschieden. Mithilfe dieser prognostizierten Flottenanteile an Pkw und Lkw konnte die Verkehrsleistung der jeweiligen Antriebstechnologien auf den Straßen in Rheinland-Pfalz ermittelt werden. Über einen jeweiligen durchschnittlichen Energieverbrauch pro Kilometer konnte anschließend ein Bedarf an Zapfsäulen und Ladepunkten bis 2050 je Landkreis errechnet werden. Treffen die prognostizierten Entwicklungen zu, dann ist im Hinblick auf den Gesamtbedarf an Zapfsäulen und Ladepunkten für Rheinland-Pfalz von einer hohen Genauigkeit auszugehen.

Die Infrastruktur für alternative Antriebe muss schneller ausgebaut werden

Die Ergebnisse des Forschungsprojektes zeigen, dass - gleichgültig welches Szenario betrachtet wird – die Infrastruktur für alternative Antriebe schnell wachsen muss. Im konservativen Szenario beispielsweise werden im Jahr 2050 rechnerisch 150 CNG (Compressed Natural Gas)-Zapfsäulen für Pkw und weitere 34 für Lkw notwendig sein. Das konservative Szenario geht von einem Anteil alternativ angetriebener Fahrzeuge von 25 Prozent im Jahr 2050 aus. Im alternativen Szenario, bei dem ein Anteil von 45 Prozent vorausgesetzt wird, sind 179 CNG-Zapfsäulen für Pkw, 34 für Lkw und mindestens 749 LNG (Liquefied Natural Gas)-Zapfsäulen für Lkw notwendig. Im extremen Szenario mit einem Anteil alternativ angetriebener Fahrzeuge von 90 Prozent erhöht sich die benötigt Infrastruktur noch einmal: Gebraucht würden 354 CNG-Zapfsäulen für Pkw und mindestens 761 LNG-Zapfsäulen für Lkw.

Beim Energieträger Wasserstoff (H2) würden im Jahr 2050 rechnerisch 51 Wasserstoff (H2)-Zapfsäulen für Pkw benötigt (konservatives Szenario). Beim alternativen Szenario wären es 112 H2-Zapfsäulen, beim extremen Szenario mit Antriebsmix 365 H2-Zapfsäulen für Pkw und 93 H2-Zapfsäulen für Lkw. Im konservativen und alternativen Szenario wird der Brennstoffzellentechnologie für Lkw kein Potenzial und damit kein Anteil an der Gesamtflotte zugewiesen.

Auch beim Energieträger Strom wird die Lkw-Flotte nicht weiter beachtet, da hier kein großes Potenzial erkennbar ist. Im konservativen Szenario wären bis 2050 rechnerisch 2.957 öffentliche Ladepunkte notwendig, im alternativen Szenario sind es bereits 6.173 und im extremen Szenario mit Antriebsmix ergibt sich ein Bedarf von 12.067 öffentlichen Ladepunkten. Wären im Jahr 2050 90 Prozent der Fahrzeuge elektromobil, würden 20.284 Ladepunkte gebraucht.