Schöner Wohnen im energetisch sanierten Altbau

Herr Schrader vor dem Gebäude

Planer Joachim Schrader vor dem sanierten Gebäude im Zentrum von Balduinstein. Der holzverkleidete Anbau hinter ihm enthält eine Einliegerwohnung. (Bild: Energieagentur Rheinland-Pfalz)

Der Wohnraum ist hoch und hell, voller moderner Elemente und dekorativer Stücke. Doch wer als Gast am großen zentralen Tisch im Raum Platz genommen hat, mag kaum die Augen abwenden von der aus Schieferbruch zusammengefügten Stadtmauer. Die auffällig hohen Fenster geben auch an diesem eher grauen Dezembernachmittag genug Licht, um jeden Grat, jede Mörtelfuge plastisch hervorzuheben. Denn die uralte Mauer steht nicht draußen, sondern wirkt als liebevoll freigelegte Innenwand. Sie begrenzt ein Gebäude, das die Jury des Gebäudewettbewerbs der Energieagentur Rheinland-Pfalz so beeindruckt hat, dass den beteiligten Sanierern ein Sonderpreis zuerkannt wurde.

Im engen historischen Ortskern von Balduinstein fällt das Haus wegen seiner Außengestaltung schon auf - und passt sich dennoch perfekt ein in das Ensemble. Fenster und Türen sind mit farblich abgesetzten Faschen hervorgehoben, ein Anbau zur dicht bewachsenen Hangseite hin mit Holz verkleidet. Natur und Nachbarn sind nah; Flächen sind knapp im schmalen Flusstal der Lahn.

Im Innern ist von solcher historisch bedingten Enge nichts mehr wahrzunehmen. Joachim Schrader erzählt, am eingangs erwähnten großen Tisch sitzend, von den Anfängen dieses Projektes. Gemeinsam mit seiner Geschäftspartnerin hat er den Umbau geplant und umgesetzt, jede Menge Eigenleistung war nötig, um das zu stemmen - und öffentliche Förderung. „Ohne diese Zuschüsse wäre so etwas nicht zu machen“, sagt Schrader und ergänzt: „Heute sind die Bedingungen sogar noch günstiger geworden.“

Projekte wie dieses in Balduinstein bewältigt Schrader mit seinem Planungsbüro „Bauen und Energie“ in großer Zahl und mit ebenso viel Begeisterung. Und jedes Mal verfolgt er dabei das Ziel, die höchste Förderstufe für den erzielten energetischen Effekt zu erreichen. „Ich will einfach so viel mit möglich an CO2 einsparen“, betont er. Und deshalb käme für ihn und seine Planungen etwa eine Holzpellets-Heizung nicht in Frage: „Die Bäume sollen weiter (also Kohlendioxid) CO2, also Kohlendioxid, abbauen anstatt verfeuert zu werden!“ Was ihn gleichwohl nicht hindert, einen Scheitholzofen für besonders kalte Tage in den Wohnraum zu stellen.

Um die im Wettbewerb geforderten Einsparziele nicht nur zu erreichen, sondern erheblich zu übertreffen, setzen Joachim Schrader und seine Partnerin Patricia Wadephul auf Photovoltaik auf dem Dach in Kombination mit einer Wärmepumpe. Für niedrigen Verbrauch sorgen außerdem gute Dämmung und Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung. Ein Konzept, das beim Wohnhaus in Balduinstein die Jury restlos überzeugt hat.

Das Gebäude im unsanierten Zustand

Vorher-nachher: Den äußeren Baukörper haben Joachim Schrader und Patricia Wadephul vollständig erhalten, nur die Fensteröffnungen wurden deutlich vergrößert. Im Inneren ist jedoch alles neu - offen und lichtdurchflutet. (Bilder: privat)

Das Gebäude nach der Sanierung

Einen Einblick in das Wohnzimmer

Von der Jury ausdrücklich gelobt: Das Einbeziehen der alten Stadtmauer in den Wohnbereich. Die Zwischendecke wurde entfernt, um den Raum offen und hell wirken zu lassen. Die hohen Fenster ragen nun über ursprünglich zwei Etagen auf. (Bild: privat)