19.11.2014

„PV 2.0 – Geschäftsmodelle nach dem neuen EEG“: erfolgreiche Fachtagung in Ludwigshafen

Foto: Energieagentur RLP/Klaus Venus

Großes Interesse bei Teilnehmern und Ausstellern

Die Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH organisierte in Zusammenarbeit mit dem Verband Region Rhein-Neckar und dem StoREgio Energiespeichersysteme e.V. am 18.11.2014 an der Hochschule Ludwigshafen die Veranstaltung „Photovoltaik 2.0 – Geschäftsmodelle nach dem neuen EEG“. Rund 140 Teilnehmer folgten der Einladung und konnten sich in Fachforen zu den Themen „Photovoltaik-Geschäftsmodelle“ und „Optimierung von Energiemanagement und Energieverbrauch durch Photovoltaik-Speicher“ informieren. Begleitet wurde die Veranstaltung durch eine Ausstellung, an der sich 15 Photovoltaik-Installateure, Energiegenossenschaften und Speicheranbieter aus der Region beteiligten und die neuesten Produkte vom Markt präsentierten. 

„Unser Ziel war es, Fachleute und Anwender aus Unternehmen, Kommunen, Energiegenossenschaften und Wohnungsbaugesellschaften zusammen zu bringen und eine Diskussion anzuregen, wie Photovoltaik-Projekte – auch im Hinblick auf die Verknüpfung mit Stromspeichertechnologien – trotz der aktuellen Änderungen am Markt sinnvoll und wirtschaftlich platziert werden können“, so Dr. Ralf Engelmann, Fachreferent bei der Energieagentur Rheinland-Pfalz. „Mit der Auswahl der Referenten und der Aussteller ist uns dies ganz gut gelungen“, so Engelmann weiter. Unter den Referenten befanden sich Vertreter vom Bundesverband für Solarwirtschaft, der Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH, dem Karlsruher Institut für Technologie, der Heidelberger Energiegenossenschaft eG, der EnergieSüdwest Projektentwicklung GmbH und dem Speicherhersteller E3/DC GmbH.

Entwicklung neuer Photovoltaik-Geschäftsmodelle außerhalb der EEG-Vergütung

Die Änderungen im Erneuerbaren-Energie-Gesetz (EEG) haben viele Investoren verunsichert. Welche Konsequenzen sich für die Umsetzbarkeit von Photovoltaik-Projekten durch die EEG-Novelle 2014 ergeben, stellte Anika Titze von der Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH in Ihrem Vortrag dar. Aufgrund der stark gefallenen EEG-Einspeisevergütung ist es heute eher unwirtschaftlich, die Photovoltaik-Anlage über die EEG-Einspeisevergütung zu refinanzieren. Sinkende Systempreise und damit verbunden sinkende Photovoltaik-Stromgestehungskosten bringen neue Geschäftsmodelle - wie Eigenverbrauch, Direktvermarktung und Anlagenmiete - in den Fokus des Interesses.

Dass nicht jedes Geschäftsmodell für die unterschiedlichen Endverbraucher Industrie, Gewerbe und Eigenheimbesitzer geeignet ist, führte David Wedepohl vom Bundesverband für Solarwirtschaft (BSW) in seinem Vortrag aus. Bei der Planung von Photovoltaik-Projekten sei es essentiell, im Vorfeld je nach Anwendungsfall passgenaue Lösungen zu entwickeln. Eine Fehlplanung wirkt sich negativ auf die Rentabilität der Photovoltaik-Anlage aus. Wedepohl zeigte auf, dass die Wirtschaftlichkeit der neuen Photovoltaik-Geschäftsmodelle von der Entwicklung der Netzstrombezugskosten, der Photovoltaik-Systempreise und damit verbunden der Photovoltaik-Stromgestehungskosten, der tatsächlichen Liefer-/ Eigenversorgungsquote und der Höhe der zu zahlenden EEG-Umlage abhängt.

Kostengünstiger Solarstrom gewinnt an Attraktivität

Nicht nur der Photovoltaik-Anlagenbetreiber kann vom kostengünstigen Solarstrom auf dem eigenen Dach durch die Optimierung des Eigenverbrauchs und des Autarkiegrades profitieren. Auch Mieter in Mehrfamilienhäusern können ihre Stromkosten durch den Bezug von günstigem Solarstrom reduzieren. Wie ein solches Geschäftsmodell zu realisieren sei, erläuterte Nicolai Ferchl von der Heidelberger Energiegenossenschaft eG in seinem Vortrag. Dabei tritt der Anlagenbetreiber, in diesem Fall die Heidelberger Energiegenossenschaft, als Direktvermarkter des lokal erzeugten Stroms auf und bietet den Endverbrauchern den Sonnenstrom zu günstigeren Konditionen an als die Netzstrombezugskosten. Ein Pilotprojekt dieser Art wurde von der Heidelberger Energiegenossenschaft eG bei einem Mehrfamilienhaus in Nußloch (bei Heidelberg) umgesetzt: die Mieter bezahlen für eine kWh Sonnenstrom ca. 25 €Cent, der somit ca. 4 €Cent günstiger als der Strom aus dem Netz ist.

Wer die Investitionskosten in eine eigene Photovoltaik-Anlage scheut, der kann auch eine Anlage auf dem eigenen Dach von einem Investor installieren lassen und diese pachten. Ein solches Geschäftsmodell stellte Bernhard Mertel von EnergieSüdwest Projektentwicklung GmbH unter anderem vor. Der Anlagenpächter wird zum Anlagenbetreiber, er kann den Solarstrom seinem Eigenverbrauch zuführen oder ins Netz einspeisen und erhält im Gegenzug die entsprechende EEG-Vergütung. Ziel eines Pachtmodells sollte es allerdings sein, einen möglichst hohen Eigenverbrauch zu erreichen. Dies kann durch intelligente Steuerungstechnik oder dem Einsatz von Power-to-heat erreicht werden.

Speichertechnologie als wichtiger Baustein für zukünftige Projekte

Da eigenerzeugter Strom aus einer Photovoltaik-Anlage mittlerweile günstiger ist als ihn aus dem Netz zu beziehen, gewinnen Eigenverbrauchslösungen im privaten und gewerblichen Umfeld zunehmend an Bedeutung. Weil das Angebot von Solarstrom nicht immer mit der Stromnachfrage übereinstimmt, wird es zunehmend attraktiv, Photovoltaik-Anlagen in Kombination mit Speichersystemen einzusetzen. „Bei einer Photovoltaik-Speicher-Kombinationen muss immer sehr genau beurteilt werden, welches Speichersystem unter welchen Rahmenbedingungen zum Einsatz kommt“, so Dr. Peter Eckerle vom StoREgio Energiespeichersysteme e.V. „Aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften und technologischen Entwicklungsstandes ist nicht jedes System in der Lage in jeder Anwendung eine befriedigende Wirtschaftlichkeit zu gewährleisten. Die Auslegung der Speichergröße und die Betriebsweise des Speichers müssen optimal an den Endverbraucher angepasst sein“, erklärte Thomas Timke vom Karlsruher Institut für Technologie. Dabei sei es immer erforderlich, das Lastprofil des Endverbrauchers zu kennen, mindestens aber dieses sehr gut abschätzen zu können.

Dass Lithium-Ionen-Speicher bereits heute effektiv und kostengünstig im Hausgebrauch eingesetzt werden können, zeigte Udo Werges von der E3/DC GmbH. Heutige Speichersysteme sind modular erweiterbar und technisch so weit fortgeschritten, dass sie auch als Schwarmspeicher für Mehrfamilienhäuser oder „Energiefarmen“ eingesetzt werden können. Mit weiter sinkenden Speichersystempreisen werden Stromspeicher an Attraktivität gewinnen und bei zukünftigen Projekten immer häufiger zur Anwendung kommen.

Fazit

Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist eine zentrale Aufgabe für die Umsetzung der Energiewende in Deutschland. Dabei stellt die Photovoltaik gekoppelt mit innovativen Speicherlösungen eine unverzichtbare Säule im zukünftigen Energiesystem dar. Änderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren haben zu großer Verunsicherung und Investitionsrückgang im Photovoltaik-Heimatmarkt geführt. „Wir werden in diesem Jahr die 2 GWp-Grenze an installierter Photovoltaik-Leistung in Deutschland unterschreiten, in Rheinland-Pfalz werden wir voraussichtlich bei 120 MWp liegen“, so Engelmann. In Zukunft müssen neue Geschäftsmodelle entwickelt und innovative Systemlösungen am Markt platziert werden, um die Attraktivität von Photovoltaik-Anlagen für den Endverbraucher auch weiterhin zu gewährleisten. „Rückblickend kann festgehalten werden, dass wir mit der Veranstaltung den Nerv der Zeit getroffen haben. Wir haben das richtige Thema mit den richtigen Kooperationspartnern an die richtigen Zielgruppen gebracht“, resümierten die Initiatoren der Veranstaltung Julia Eustachi vom Verband Region Rhein-Neckar, Dr. Peter Eckerle vom StoREgio Energiespeichersysteme e.V. und Dr. Bernd Lämmlin vom Regionalbüro Vorderpfalz der Energieagentur.

Bericht des SWR-Fernsehens in „Landesschau aktuell RP“

Fotos: Energieagentur Rheinland-Pfalz