Praxisleitfaden ‚Regionale Wertschöpfung mit der Energiewende‘ veröffentlicht

© Energieagentur Rheinland-Pfalz

„Die aktuelle Häufung der Starkregenereignisse zum Beispiel in der Eifel und im Naheland zeigt: Der Klimawandel ist Realität – auch bei uns in Rheinland-Pfalz“, sagte Staatssekretär Thomas Griese, Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten, beim Jahreskongress der Energieagentur Rheinland-Pfalz in Frankenthal. „Um die Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen, müssen wir die Energiewende in allen Sektoren zum Erfolg führen.“ Bei Klimaschutz und Energiewende sind vor allem die Städte und Kommunen gefordert. Sie müssen eine zukunftsfähige Energieversorgung und –nutzung aufbauen. Dass die Energiewende dabei nicht nur eine große Herausforderung ist, sondern vor allem großes Potenzial für neue Einnahmen, geringeren Kapitalabfluss und die Schaffung von Arbeitsplätzen birgt, verdeutlicht der Praxisleitfaden ‚Regionale Wertschöpfung mit der Energiewende‘ der Energieagentur Rheinland-Pfalz.

Kommunen können von der Energiewende profitieren

Mehr als 175.000 Liegenschaften sind bundesweit im Besitz von Kommunen. Sie müssen unterhalten und oftmals auch modernisiert werden. 23,5 Megatonnen Kohlendioxid-Emissionen (CO2) entstehen pro Jahr allein durch den Energieverbrauch in öffentlichen Gebäuden, zwei Drittel davon entfallen auf die kommunale Ebene. Mit rund 3,4 Milliarden Euro stellen, laut dem Deutschen Institut für Urbanistik (difu), die Energiekosten in kommunalen Haushalten den viertgrößten Posten dar. Das zeigt: Bei Klimaschutz und Energiewende sind vor allem die Kommunen gefordert. Kommunen können in ihrer Planungshoheit und als Genehmigungsbehörden maßgeblichen Einfluss auf die Umsetzung der Energiewende vor Ort nehmen. Durch Effizienzmaßnahmen und den dezentralen Ausbau von Erneuerbaren Energien können sie nicht nur zum Klimaschutz beitragen, sondern zudem ökonomische und soziokulturelle Effekte erzielen, von denen sie profitieren.

Durch die Bereitstellung von Gemeindeflächen für Erneuerbare Energien-Anlagen können sie beispielsweise Pachteinnahmen erzielen, die dem Kommunalhaushalt zu Gute kommen. Auch die Umstellung der Wärmeversorgung auf regenerative Energien leistet einen Beitrag zum kommunalen Klimaschutz und zur Wertschöpfung. Einerseits ersetzt die zentrale Wärmebereitstellung eine Vielzahl, oftmals noch fossiler, Einzelanlagen. Andererseits werden mit einem Nahwärmenetz auf Basis regenerativer Energien, beispielsweise Bioenergie, Solar- oder Geothermie, lokale Energiepotenziale genutzt.

Gemeinden haben bei allen investiven Maßnahmen vielfältige Möglichkeiten regionale Unternehmen zu berücksichtigen und auch den Einsatz regionaler Produkte oder Ressourcen zu fördern. Dadurch wird ein regionaler Wertschöpfungseffekt vor Ort erzielt und Arbeitsplätze werden erhalten oder neu geschaffen. Diese positiven Effekte lassen sich unter dem Begriff ‚regionale Wertschöpfung‘ zusammenfassen. Gezielt und strategisch eingesetzt, kann regionale Wertschöpfung zur Kommunalentwicklung und Wirtschaftsförderung vor Ort beitragen.

Praxisbeispiele zeigen: Kommunen in Rheinland-Pfalz verbinden lokale Energiewende und regionale Wertschöpfung

Der Praxisleitfaden ‚Regionale Wertschöpfung mit der Energiewende‘ will Kommunen ermutigen, sich mit den Themen Klimaschutz und Energiewende konstruktiv auseinanderzusetzen. Im Leitfaden sind insgesamt 18 rheinland-pfälzische Kommunen aufgeführt, die in beispielhafter Weise Klimaschutz und Energiewende mit regionaler Wertschöpfung verbinden – sei es durch Flächenmanagement, kommunale Planungsinstrumente, Energieeinsparung, Energieeffizienz, Erneuerbare Energien, regenerative Wärmeversorgung, Stoffstrommanagement, nachhaltige Mobilität oder eine intelligente Energieversorgung.

Masterhausen beispielsweise meistert den demografischen Wandel durch Einnahmen aus Erneuerbaren Energien. Die Energielandschaft Morbach ist ein vielfach ausgezeichnetes Beispiel eines Energieparks, in dem Strom und Wärme mit Sonne, Wind und Biomasse erzeugt und vielfältige Synergien genutzt werden. Im Quartier Normand in Speyer wurde in einem ehemaligen Kasernengelände sehr effizienter und qualitativ hochwertiger Wohnraum geschaffen. In einem weiteren Beispiel wird über das Schnorbacher Modell, eine inzwischen bundesweit bekannte kommunale Energiesparrichtlinie berichtet. Ebenso wird auf praktische Erfahrungswerte in der Umsetzung der Elektromobilität und intelligenter Infrastrukturen der Daseinsvorsorge eingegangen. Neben ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Nutzeneffekten bietet der Leitfaden einen Einblick in die Projektentwicklung und praktische Erfahrungswerte.

Der Praxisleitfaden ist auf der Homepage der Energieagentur Rheinland-Pfalz unter www.energieagentur.rlp.de/wertschoepfung zu finden.