Nahwärme als Chance für ländliche Regionen - Arbeitskreis diskutiert Potenziale im pfälzischen Lindenberg

Bürgermeister Wichter präsentierte beim Arbeitskreis Wärme, wie innovative Energiewende-Umsetzungen in Neuerkirch-Külz zu regionaler Wertschöpfung beitragen

Klimaschutzmaßnahmen eröffnen immense Chancen, insbesondere im ländlichen Raum: Dörfer werden klimafreundlich und damit attraktiver, lokale Wertschöpfung bringt Geld und Arbeit in die Region, die Abhängigkeit von Öl- oder Gas-Importen wird verringert. Deshalb setzte die Energieagentur Rheinland-Pfalz einen Arbeitskreis Wärme direkt vor Ort an, in Lindenberg im Pfälzerwald, wo aktuell ein Nahwärmenetz projektiert worden ist. Rund zwei Dutzend Bürgermeister und kommunale Mitarbeiter aus dem Umkreis folgten der Einladung.

Diverse Fragen zum Thema „Nahwärme – eine Chance fürs Dorf!“ wurden am Beispiel der Projektidee „Klimafolgenanpassung und Klimaschutz in der Ortsgemeinde Lindenberg“ diskutiert, beispielsweise:

- Ist Wirtschaftlichkeit das einzige Kriterium für Nahwärme oder sind weitere Aspekte bedeutsam?

- Welche Aspekte müssen bei Planung und Entwicklung alternativer Wärmekonzepte berücksichtigt werden?

- Welche Fördermöglichkeiten gibt es?

Philipp Fuchs, Ratsmitglied aus der Ortsgemeinde Lindenberg, zeigte anschaulich auf: Ganzheitliche Ansätze können für die Realisierung innovativer Lösungen hilfreich, wenn nicht sogar unerlässlich sein. Am Beispiel der 1150-Einwohner-Gemeinde stellte er vor, wie bei der konkreten Nahwärmeplanung vor Ort vorgegangen wurde, um die Umsetzung einer zukunftsfähigen und nachhaltigen Lösung trotz knapper Gemeindemittel zu ermöglichen.

Projekte steigern die Attraktivität der Gemeinde

In den vergangenen Jahren hatten sich Bürger und einige Ratsmitglieder bereits für  unterschiedliche Projekte engagiert, deren Umsetzung über Landesprogramme gefördert wurden. „Im Zuge dieser Projekte entstanden die ersten Kontakte zum Ministerium, das die Förderprogramme betreut hat“, berichtete Fuchs. Und im Rahmen der Umsetzungen wurde deutlich: Innovative Ansätze bedeuten große Chancen für die Dorfentwicklung. Das zeigten bereits die  Verwirklichung eines Waldspielplatzes (über das Förderprogramm „Naturnahe Erlebnisräume“) und die Einrichtung einer „Begegnungsstätte Mensch und Tier“. Die Gemeinde habe durch die Umsetzungen deutlich an Attraktivität gewonnen, so Fuchs, und sie gehöre heute zu den wenigen kleinen Gemeinden im Pfälzerwald, die Zuzug neuer Bürger erleben.

Grundschulsanierung führt zu Nahwärmenetz-Überlegungen

Ausgehend von dringendem Sanierungsbedarf am Grundschulgebäude entwickelte auf Initiative von Philipp Fuchs die Ortsgemeinde ein Nahwärmekonzept  - in Kooperation mit der Verbandsgemeinde Lambrecht und der Energieagentur Rheinland-Pfalz. „In der Nähe der Schule haben wir Sportplatz, Kirche und eine Kindertagesstätte, so entstand die Idee, nicht einfach nur die alte Heizung durch eine neue Öl- oder Gasheizung zu ersetzen, sondern ein Wärmenetz aufzubauen, das mit einem Pellet-Kessel betrieben wird“, schilderte Fuchs. Dies erschien aus finanziellen Gründen jedoch nur dann realistisch, wenn verschiedene Förderprogramme miteinander kombiniert werden könnten. Die Erfahrungen der Ortsgemeinde mit dem Beantragen von Landesfördermitteln ließen Philipp Fuchs kreativ werden:

Zum einen stellt das Land Rheinland-Pfalz Kommunen Fördermittel für Renaturierungsmaßnahmen im Programm „Blau plus“ zur Verfügung. Im Falle von Lindenberg ist der Schlangenbach vor vielen Jahren „unter die Erde gebracht“ worden, er verläuft aktuell unterirdisch. Für die Renaturierung könnte das Land 95 Prozent der Kosten übernehmen. Zugleich würden bei dieser Maßnahme die unterirdischen Rohre mit einem Meter Durchmesser frei – und könnten für die Verlegung der Nahwärmeleitungen genutzt werden; ein Großteil der aufwendigen Tiefbauarbeiten würde entfallen.

Die Kombination dieser Programme und die parallele Nutzung weiterer Förderungen für die Sanierung der Grundschule und den Umbau des Dorfgemeinschaftshauses würde die Umsetzung des innovativen Projekts wahrscheinlich machen. „Jedoch sind wir von der Bewilligung eines Förderantrags im ZEIS-Programm des Landes abhängig, ohne die wir die Umsetzung des Projekts sicherlich nicht von der Aufsichtsbehörde genehmigt bekommen“, ergänzt Philipp Fuchs.

Wertschöpfung durch Erneuerbare Energien – das Beispiel Neuerkirch

Bürgermeister Volker Wichter aus Neuerkirch zeigte den Teilnehmern des Arbeitskreises Wärme, wie sich im Norden von Rheinland-Pfalz auch kleine Orte durch innovative Ansätze im Bereich Erneuerbarer Energien bereits weiterentwickelt und „fit für die Zukunft“ gemacht haben. Sein 300-Einwohner-Dorf  ist zu einer „Vorzeigekommune“ in Sachen Dorfentwicklung geworden - durch das Beschreiten neuer Energiewege. „Die Bürger beteiligen und so Akzeptanz schaffen“, lautet sein Rat. „Auch bei uns gab es damals heftige Widerstände gegen die Pläne, Windkraftanlagen zu errichten. Mittlerweile stört sich niemand mehr daran; aber all‘ das umzusetzen, war nicht einfach“, berichtet er. Besonders schwierig sei beim Aufbau von Solarthermie-Freiflächenanlagen und des Nahwärmenetzes die Bürokratie gewesen. „Was es da alles zu beachten gibt in den ganzen Planverfahren, war wirklich sehr kompliziert - und vieles halte ich auch für überflüssig.“

Die Gemeinde beschränkt sich nicht auf das Nahwärme-Projekt, sie fördert zum Beispiel auch private Haussanierungen. „Ältere, sanierungsbedürftigen Häuser werden in Schuss gebracht – es würde die Gemeinde viel mehr kosten, ein neues Baugebiet zu entwickeln, um weiteren Wohnraum zu schaffen“, erklärt Bürgermeister Wichter.

Die Gemeinde Neuerkirch ist durch ihr modernes Image, das auf der Umsetzung der verschiedenen Projekte für die Umsetzung der Energiewende fußt, heute so gefragt, dass es Wartelisten von Zuzugswilligen gibt. „Ein Haus, aus dem eine ältere Dame ausgezogen ist, war innerhalb eines Monats von einer neuen Familie bewohnt.“

Von Lindenberg aus Strahlkraft für die Region entwickeln

Wie die Finanzierung kommunaler Nahwärmeprojekte berechnet werden kann, stellte schließlich Paul Ngahan von der Energieagentur Rheinland-Pfalz vor. Und Isa Scholtissek vom zuständigen Regionalbüro der Energieagentur fasste zum Abschluss ihre Wünsche für die Lindenberger so zusammen: „Wir hoffen sehr, dass sich dieses innovative Projekt wird umsetzen lassen. Es hätte als vorbildliche Wärmelösung auf Basis erneuerbarer Energien eine enorme Strahlwirkung für die gesamte Region.“