Modellprojekt in Maikammer: Kalte Nahwärme in Neubaugebiet Eulbusch III

Im Baugebiet Eulbusch III ist eine Nahwärme-Ringleitung verlegt worden. Bisher ist eine der geplanten 29 Sonden, über die die Sole erwärmt wird, in die Erde gebracht worden.

Für die Wärmeversorgung von Wohngebäuden, die auf gut 50 Grundstücken in Maikammer in der Südpfalz entstehen, hat die Gemeinde von Beginn an zukunftsfähig geplant. Statt ein herkömmliches Gasnetz zu projektieren, setzte man auf Erneuerbare Energien. Die Pfalzwerke, die seit 2010 bereits ein Nahwärmenetz auf Biomassebasis in Maikammer betreiben, bekamen den Auftrag, im Neubaugebiet Eulbusch III ein Netz zu errichten, das mit Erdwärme gespeist wird.

Als relativ neues Verfahren ist das Konzept der "Kalten Nahwärme" noch nicht häufig umgesetzt worden. Eine Förderung der Errichtungskosten über das Kooperationsprojekt GReENEFF, an dem die Energieagentur Rheinland-Pfalz beteiligt ist, kam deshalb infrage. In dem europäischen Projekt werden als Förderkriterien neben der innovativen Wärmeversorgung auch Aspekte wie Elektromobilität und der Einsatz smarter Komponenten betrachtet. Als ein "Leuchtturmprojekt" soll das Kalte-Nahwärme-Netz in Maikammer aufzeigen, wie Umweltbelastungen durch die effiziente Nutzung von Erdwärme als Ersatz für fossile Brennstoffe verringert werden können.

Was für den Laien paradox klingt - "kalte Nahwärme" -, heißt in Abgrenzung zu herkömmlichen Fern- oder Nahwärmenetzen so, weil statt Temperaturen zwischen 65 bis 90 Grad bei der kalten Nahwärme 5 bis 10 Grad ausreichen. Die in den Häusern angelieferte Wärme wird dort über Wärmepumpen verdichtet, so dass damit geheizt werden kann - beziehungsweise im Sommer kann die Sole für Kühlung verwendet werden, wodurch Klimaanlagen ersetzt werden.
Erklärvideo der Agentur für Erneuerbare Energien auf youtube (ab 2:28 min)

Baustellenbegehung: Erste Sonde und Ringleitungen sind verbaut

Die beiden Projektleiter der Pfalzwerke AG, Katharina Schowalter und Peter Freudig, veranschaulichten bei einer Baustellenbegehung, wo die Herausforderungen bei der Errichtung eines Kalten-Nahwärme-Netzes liegen: Weil bis zur ersten Probebohrung nicht genau bekannt ist, wie das Erdreich beschaffen ist, bestehen bei Bohrungen in die Tiefe mehrere Unwägbarkeiten. "Erst während der ersten Bohrung wurde hier zum Beispiel klar, dass Hüllrohre, die das Zusammenfallen der Bohrung verhindern, noch wesentlich tiefer als bis 45 Meter Tiefe benötigt wurden", gibt Peter Freudig ein Beispiel für Zeitverzögerungen bei der Bohrung. Die Bohrung sei nicht ganz einfach gewesen, auch das Bohrverfahren habe man bei der Probebohrung zweimal wechseln müssen.

Letztlich habe man bis 145 Meter Tiefe gebohrt und werde eine Soletemperatur von 10 Grad haben. "Die Wärme wird in den Häusern von Wärmepumpen verdichtet", erklärt Freudig, "und wir bekommen mit dem Einsatz von einer Kilowattstunde Strom für die Pumpen fünf Kilowattstunden Wärme." Der Wirkungsgrad ist gegenüber Luft-Wasser-Wärmepumpen, die oft bei Neubauten eingesetzt werden, wesentlich höher.

Kein Anschlusszwang - aber Vorteile theoretisch für alle Bauherren nutzbar

Es besteht kein direkter "Anschlusszwang" in dem Neubaugebiet, wobei die Gemeinde die 29 Grundstücke, die sie selbst veräußert, mit der Auflage verkauft, sich über das Nahwärmenetz versorgen zu lassen. Den anderen Bauherren ist freigestellt, sich anschließen zu lassen.

Als Vorteile der Nutzung von "Gemeinschafts-Erdwärme", das heißt von Erdwärme über die Sonden, die verteilt über das ganze Baugebiet in die Erde eingebracht werden, nennen die Projektleiter folgende Punkte:

  • Der einzelne Grundstücksbesitzer muss sich nicht um eine eigene Wärmeversorgung kümmern,
  • die Wärmeproduktion verursacht keine Geräusche (wie z.B. Luft-Wasser-Wärmepumpen),
  • der Effizienzgrad von Erdwärmepumpen ist wesentlich höher als der von Luft-Wasser-Wärmepumpen,
  • das Netz bietet die Möglichkeit, im Sommer quasi kostenlos Räume zu kühlen - passive Kühlung läuft über die Fußbodenheizung und benötigt nur sehr geringe Mengen an Strom,
  • das Netz ist modular erweiterbar.

Zwar seien die Investitionskosten für den Aufbau eines Kalten Nahwärmenetzes höher als bei der Verlegung eines herkömmlichen Netzes, die Betriebskosten seien jedoch wesentlich geringer, so dass sich die Anfangskosten mit den Jahren amortisieren. Eine genaue Kalkulation könne erst erstellt werden, wenn klar sei, wie viele Häuser sich letztlich an das Netz anschließen möchten, so die Projektleiter von den Pfalzwerken.