10.11.2015

Maximale Energie-Effizienz mit KWK: Treffen Erfahrungskreis

Foto: Energieagentur Rheinland-Pfalz, Auftakt des KWK-Erfahrungskreises mit Referent Adi Golbach (4. v. r.), Paul Ngahan und Andreas Sigloch (5. und 6. v. r.), Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH, Landesinnungsmeister Helmut Gosert (7. v. r.), Fachverband Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Rheinland-Rheinhessen und Teilnehmern

Unternehmen und Immobilieneigentümer können bei der Wärmeerzeugung gleichzeitig Strom produzieren und damit Energie effizienter einsetzen. Zwanzig Fachleute aus der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik-Branche diskutierten in Dieblich über die Anwendungsmöglichkeiten der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), um Energie und Kosten zu sparen. Zur Auftaktveranstaltung des Erfahrungskreises hatte die Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH gemeinsam mit dem Fachverband Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Rheinland-Rheinhessen den KWK-Experten Adi Golbach aus Berlin ins Hotel Pistono eingeladen. Dort konnte auch das betriebseigene Blockheizkraftwerk besichtigt werden, das Haus und Schwimmbad mit Strom und Wärme versorgt.

KWK-Anlagen, die Strom erzeugen und die dabei entstehende Wärme optimal nutzen, sparen im Vergleich zu herkömmlichen Kraftwerken 30 bis 50 Prozent an Energie. Umgekehrt gelte für die Erzeugung von Wärme mit Heizkesseln, dass viel Energie nutzlos vergeudet werde, stellte Golbach klar: „Wir verbrennen Energieträger mit Brennwertkesseln  scheinbar zwar optimal, aber die in den Brennstoffen enthaltene Energie kann noch viel besser genutzt werden. Überall, wo Wärme erzeugt wird, ist auch das Potenzial zur gekoppelten Erzeugung von Strom vorhanden.“ Dann, so Golbach, lasse sich die maximale Energieeffizienz erzielen, wo möglich auch mit Nutzung der Brennwerttechnik.

Die Einsatzbereiche von Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung sind vom industriellen und gewerblichen bis in den privaten Bereich sehr vielfältig. Die Anlagengrößen reichen von großen Gas- und Dampfturbinen über Blockheizkraftwerke bis zu Kleinstanlagen (sogenannten Mikro-KWK), die auch in Ein- und Zweifamilienhäusern eingesetzt werden können. Die Anzahl der in Deutschland installierten Anlagen ist laut Golbach jedoch gemessen am gesamten Heizungsmarkt noch relativ überschaubar, und auch das bislang vom Gesetzgeber mit 25 Prozent an der gesamten Stromerzeugung festgelegte Ausbauziel für KWK-Anlagen sei im Hinblick auf die mögliche Einsparung an Kohlendioxid keineswegs zu ambitioniert. Mit dem neuen Gesetz zur Kraft-Wärme-Kopplung (KWKG), das ab 2016 in Kraft treten soll, falle man aber noch dahinter zurück: Das Ausbauziel ist im Regierungsentwurf so umdefiniert worden, dass dann nur noch 25 Prozent des Stroms der regelbarer Erzeugung erreicht werden sollen „Wind- und Solarstrom werden dabei nicht mitgerechnet. Golbach: „Das ist eine Mogelpackung, nämlich so, als stelle jemand eine Packung Milch ins Regal, die nur dreiviertel voll ist.“ In der Konsequenz bedeute dies, dass mit der neuen Zieldefinition das Ziel praktisch schon erreicht sei. „Damit droht eine Hemmung des KWK-Ausbaus in Deutschland“.

Ein weiteres Hemmnis liege in der großen Komplexität hinsichtlich Technik, Planung, Genehmigung und Förderung von KWK-Anlagen. Hier sei deutlich mehr Informationstransfer notwendig, betonte Golbach und begrüßte das Angebot der Veranstalter zum Erfahrungsaustausch unter Mitarbeitern aus Unternehmen der Bereiche Energiewirtschaft, Industrie, Planung, Beratung, Anlagenbau, Installation und Effizienzdienstleistungen.

Andreas Sigloch von der Energieagentur Rheinland-Pfalz fasste nach intensiver Diskussion über Ziele und Themen des herstellerunabhängigen Erfahrungskreises zusammen: „Die Treffen dienen zu Information und Austausch über Know-how und Konzepte zum Einsatz geeigneter KWK-Techniken. Sie helfen außerdem, gute Argumente zu vermitteln, die die Entscheider überzeugen.“ Solch ein gutes Argument sei zum Beispiel die Amortisationszeit von nur vier Jahren, wie sie beim Blockheizkraftwerk im Hotel Pistono erreicht werde. Grundlage dafür sei eine gute Planung und Umsetzung, mit der die möglichen Einsparpotenziale tatsächlich ausgeschöpft werden. Ganz im Sinne von Adi Golbach: „Wenn Sie in einen Apfel einmal reinbeißen und dann den Rest wegwerfen, ist es das, was in bisherigen Kraftwerken und Heizkesseln passiert. Kraft-Wärme-Kopplung ist es hingegen, wenn Sie den Apfel ganz aufessen.“

Weitere Informationen:
Dipl.-Ing. (FH) Paul Ngahan, Regionalreferent Mittelrhein,
Tel.: 06761 – 9678931,
E-Mail: paul.ngahan(at)energieagentur.rlp(dot)de

Zum Faktenpapier Kraft-Wärme-Kopplung Grundlagen

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