06.11.2017

Lautstark und fröhlich: unter Koblenzern bei der Klimademo in Bonn

Unsere Mitarbeiterin aus dem Regionalbüro in Koblenz, Renate Michel, war am Samstag bei der Demonstration in Bonn für Klimaschutz, Klimagerechtigkeit und den Ausstieg aus der Kohlenutzung. Sie berichtet von ihren Eindrücken. (Fotos: BUND Koblenz)

Mit einer knappen Stunde Verspätung bringt mich der Bummelzug aus Trier von meinem Moseldorf zum Koblenzer Hauptbahnhof. Ich bin dem Demo-Aufruf der Koblenzer Klimaaktivisten gefolgt und freue mich darauf, in Koblenz einige Bekannte zu treffen und mit ihnen nach Bonn weiter zu fahren. Die sind bei meiner Ankunft weg. Mit etwas Glück erwische ich den letzten Zug, mit dem ich es gerade noch pünktlich zum Auftakt auf dem Bonner Münsterplatz schaffen kann. Dort stoße ich auf Mitfahrerinnen mit demselben Ziel. Eine will wissen, mit wie vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern wir denn rechneten? Die Schätzungen liegen vorsichtig bei 1000 bis mehreren Tausend.

Nach der Ankunft ist klar, dass wir uns verschätzt haben. Tausende haben sich schon versammelt und zeigen mit Transparenten, Fahnen, Schildern, Ballonen und Parolen, was sie von der Politik erwarten: Schluss mit dem Kohleabbau, die konsequente Umsetzung der Klimaschutzziele und mehr Klimagerechtigkeit. Die jungen und älteren Menschen aus Deutschland und Europa, Nord- und Südamerika, Afrika und vielen anderen Ecken der Welt sind sich einig, dass keine Zeit mehr bleibt, sondern sofort gehandelt werden muss.

Das erste "E" bestimmt den Platz

Ich treffe auf die Koblenzer Gruppe des BUND und habe schnell eine Aufgabe gefunden. Das Schild mit dem ersten "E" des Slogans "Klima retten!" braucht eine Trägerin, und damit habe ich zunächst einen festen Platz, um den Statements auf der Bühne zu folgen. Am tiefsten beeindruckt mich Dipti Bhatnagar, die junge Vertreterin von Friends of the Earth International aus Mozambique; denn sie stellt klar, warum die reichen, entwickelten Länder beim Klimaschutz vorangehen müssen. Sinngemäß sagt sie: "Die Kohle, die in unserem Land gefördert wird, geht direkt nach Europa und wird dort verbraucht. Wir selbst haben keine Energie, aber als Folge der Kohleverbrennung kommt anschließend der Klimawandel zu uns zurück." Meinen roten Wollschal wegen der Kälte fest um den Hals gezogen, fühle ich mich nun als Teil der "roten Linie" gegen die Kohlenutzung, die die Veranstalter als Motto ausgegeben haben.

PiriPiri heizt dem Zug ein

Als wir nach Ende der Redebeiträge eine Dreiviertelstunde auf dem Münsterplatz warten müssen, bevor wir endlich in Richtung UN-Campus losziehen können, wird uns die Dimension des Demonstrationszuges  langsam klar. Die Koblenzer Gruppe Piri Piri heizt uns derweil mit den Rhythmen ihrer Samba Percussion ein und begleitet uns während des gesamten Weges. Die Koordinierung unserer Formation aus zwölf Schildern mit ihren Trägerinnen und Trägern "KLIMA RETTEN!" ist manchmal nicht einfach. Kurz bevor wir den Ort der Abschlusskundgebung erreichen, driften wir im Gedränge auseinander und verlieren uns. Trotz großer Ablenkung im Gewimmel erreichen die Worte von Mamadou Mbodji, Naturefriends International, aus dem Senegal deutlich mein Ohr: "Wenn Afrika entvölkert sein wird, dann wird es zu spät sein, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen. Wir fordern Klimagerechtigkeit. Jetzt!"

Der Ansturm auf die Nahverkehrszüge geht los. Vom eigens errichteten Bahnhof  beim UN-Campus geht es zurück nach Koblenz. In Koblenz sehe ich, dass mein Anschlusszug ersatzlos ausfällt, wegen der Bauarbeiten an der Strecke, wie bei der Hinfahrt. Ich warte geduldig mehr als eine Stunde und hoffe, die Bauarbeiten tragen dazu bei, dass diese Zugverbindung im Sinne des Klimaschutzes künftig attraktiver wird.