10.11.2016

Kommunen und das Verhältnis zwischen Klimaschutz und Klimawandel-Anpassung

Rhein-Hochwasser in Speyer, Foto: Stadt Speyer, Petra Steinbacher

Klimaschutz und Klimawandelanpassung sind wichtige und notwendige Aufgabengebiete für Kommunen in Rheinland-Pfalz im Umgang mit dem Klimawandel. Es ist allerdings nicht ganz einfach, eine Grenzlinie zwischen beiden Bereichen zu ziehen, denn im Prinzip sind sie zwei Seiten derselben Medaille: Klimaschutz versucht den globalen Klimawandel abzuwenden oder zumindest seine Folgen deutlich zu verringern. Klimawandelanpassung setzt an dieser Stelle an und reagiert auf die bereits eingetretenen Folgen der klimatischen Veränderungen, wie zum Beispiel häufigere Hitzeperioden, Überschwemmungen oder extreme Starkregen.

Doch kaum eine medizinische Weisheit wird häufiger zitiert als „Vorbeugen ist besser als heilen“ und kaum eine wird häufiger ignoriert. Auch im Umgang mit dem Klimawandel schleicht sich gelegentlich dieses Fehlverhalten ein. Denn wer von Überschwemmungen oder überhitzten Innenstädten betroffen ist, kann diesen Problemen nicht ausweichen und muss sich ihnen stellen. Die Lösungen hierfür wirken zudem konkret und liegen im vertrauten Handlungsspektrum der Verwaltungen. Betroffene Kommunen und Städte sind im kleineren Maßstab mit vielen Phänomenen schon seit Jahrzehnten vertraut. Hochwasserschutz und Ausweisung von Frischluftschneisen zum Beispiel gehören zum erprobten Grundrepertoire der betroffenen Verwaltungen.

Klimaschutz als neues Arbeitsfeld

Klimaschutz hingegen ist ein verhältnismäßig neues Arbeitsfeld, vielfach ohne feste Verankerung in den Verwaltungsstrukturen. Doch falls er nicht auf die direkte Einsparung von Energie in den eigenen Liegenschaften zielt, gilt er für viele als zu abstrakt. Er versucht Folgen abzuwenden, die erst in Jahren oder Jahrzehnten eintreten könnten. Er befasst sich oftmals nicht mit den Verwaltungen selbst, sondern wendet sich direkt an die Bürgerinnen und Bürger, und die Ergebnisse dieser Arbeit sind nur schwer zu überprüfen. Einige zentrale Handlungsfelder, wie zum Beispiel aktive Öffentlichkeitsarbeit, werden in einigen Kommunen zudem prinzipiell stiefmütterlich behandelt, insbesondere angesichts beschränkter personeller und finanzieller Ressourcen. Die Verlockung, sich mit dem Thema Klimawandel erst zu befassen, wenn man die ersten Probleme spürt und sich dann auf die Klimawandelanpassung zu konzentrieren, ist also durchaus groß.

Prävention vor Schadensbegrenzung

Doch wie im Gesundheitswesen ist es auch beim Klimaschutz wesentlich teurer, eingetretene Schäden zu beseitigen als diesen vorzubeugen. Analysen zu den Folgen deutlich erhöhter globaler Temperaturen zeigen, dass es kaum möglich sein wird, den daraus resultierenden Auswirkungen entgegenzuwirken. Sollte die globale Durchschnittstemperatur also wirklich drastisch höher steigen als die avisierten 1,5-2°C werden lokale Anpassungsmaßnahmen beim Küstenschutz oder bei dem Umgang mit Hitzeperioden zu kurz greifen.

Rheinland-pfälzische Kommunen, die bereits jetzt von den Klimawandelfolgen betroffen sind oder diese in naher Zukunft erwarten, tun  gut daran, sich diesen Herausforderungen entschlossen zu stellen. Es wäre jedoch wünschenswert, wenn sie parallel dazu präventiv im Sinne des Klimaschutzes handeln würden. Nur so kann gewährleistet werden, dass die Auswirkungen des Klimawandels kontrollierbar bleiben.

Kommunen, die in der glücklichen Lage sind, derzeit keine Auswirkungen zu spüren, sollten nicht vergessen, dass dies in einigen Jahren anders sein könnte, wenn heute nicht gehandelt und dem Klimaschutz die entsprechende Priorität eingeräumt wird. Die Vorsorgeanalogie aus der Medizin ist zu offensichtlich. Zudem beeinflusst unser Handeln im Klimaschutz nicht nur die langfristigen Folgen vor Ort, sondern hat im Idealfall positive nationale und sogar weltweite Auswirkungen.

Dr. Viktor Klein, Klimaschutzmanager im Projekt „Masterplan 100 % Klimaschutz in der Verbandsgemeinde Birkenfeld“, Beisitzender im Vorstand des Bundesverbandes Klimaschutz e. V.