08.11.2016

Klimawandel in Rheinland-Pfalz: Beobachtungen und Projektionen

Abbildung: RLP Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen

Das Klimasystem der Erde erwärmt sich. Die globale Mitteltemperatur ist seit 1880 um circa 0,9 °C angestiegen. Insbesondere in den letzten Dekaden war dieser Anstieg besonders stark. Dies zeigt sich auch darin, dass die zehn wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen alle in den Jahren ab 1998 aufgetreten sind. Dabei war das vergangene Jahr 2015 global das bisher wärmste, wobei das Jahr 2016 es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nochmals übertreffen wird. Der menschliche Einfluss auf das Klimasystem der Erde sowie die Rolle des Menschen als Hauptverursacher des Klimawandels sind hierbei unbestreitbar.

Die globale Erwärmung hat bereits weitreichende Folgen, unter anderem einen erheblichen Eisverlust der beiden großen Eisschilde auf Grönland und in der Antarktis, eine Erwärmung und Versauerung der Ozeane oder auch den Schwund der sommerlichen arktischen Meereisbedeckung. Diese Entwicklungen werden sich in Zukunft fortsetzen und könnten auch zu Veränderungen in Europa führen, beispielsweise durch veränderte Zirkulationssysteme.

Klimafolgen in Rheinland-Pfalz spür- und messbar

Auch in Rheinland-Pfalz sind die Folgen des Klimawandels spür- und messbar. Hier ist die mittlere Jahrestemperatur seit 1881 um rund 1,4 °C angestiegen. Dabei sind auch alle Jahreszeiten im Mittel wärmer geworden. Es fällt auf, dass die Mitteltemperatur in Rheinland-Pfalz deutlich stärker angestiegen ist als global. Dies ist auf die – im Vergleich zu Landoberflächen – verstärkte Energieaufnahme der Ozeane zurückzuführen, wodurch sich die Luft über den Ozeanen weniger stark erwärmt hat. Die mittlere Jahresniederschlagsmenge ist in Rheinland-Pfalz seit Beginn der systematischen Messungen ebenfalls angestiegen, im Landesmittel um circa 10 %. Im Unterschied zur Temperatur ist hier jedoch die Entwicklung in den einzelnen Jahreszeiten nicht einheitlich. Ein besonders starker Anstieg der mittleren Niederschlagsmenge war im Winter zu verzeichnen, während sie sich im Sommer sowie im Herbst nur unwesentlich verändert hat.

Konkrete Auswirkungen des Klimawandels zeigen sich in Rheinland-Pfalz auch in der Phänologie, dem Jahresablauf der Pflanzenentwicklung. Die mittlere Länge der Vegetationsperiode war im Zeitraum 1991 bis 2015 14 Tage länger als noch im Zeitraum 1961 bis 1990. Dabei dauerte vor allem der Herbst im Mittel länger an (9 Tage). Frühling und Sommer dauerten im Mittel 2 bzw. 3 Tage länger. Dass das Ende der Vegetationsperiode nahezu unverändert geblieben ist, bedeutet im Umkehrschluss, dass die Vegetationsperiode deutlich früher beginnt. Während diese im Zeitraum 1961 bis 1990 im Mittel Ende Februar begann, startete die Vegetationszeit im Zeitraum 1991 bis 2015 im Mittel bereits Mitte Februar.

Anstieg der Jahresmitteltemperatur 

Weitere Treibhausgasemissionen werden eine anhaltende und sich vermutlich sogar noch beschleunigende Erwärmung sowie weitere Veränderungen des Klimasystems bedingen. Für Rheinland-Pfalz zeigen die verfügbaren regionalen Klimaprojektionen (Simulationen mit Klimamodellen) der neuesten Generation (RCP) einen weiteren Anstieg der Jahresmitteltemperatur zwischen circa 1,5 °C und 5,0 °C bis Ende dieses Jahrhunderts (siehe Abbildung). Auch für die einzelnen Jahreszeiten wird einheitlich ein weiterer Anstieg der Mitteltemperaturen projiziert, wobei dieser im Herbst am stärksten und im Frühjahr am schwächsten ausgeprägt ist. Bei der mittleren Niederschlagsmenge zeigt sich sowohl für den Jahresniederschlag als auch für die Niederschläge in Frühling, Herbst und Winter eine mögliche Niederschlagszunahme in den regionalen Klimaprojektionen. Lediglich für den Sommer ist keine Richtungssicherheit gegeben. Hier zeigen die einzelnen Klimaprojektionen sowohl Zunahmen als auch Abnahmen.

Philipp Reiter, www.kwis-rlp.de