15.11.2016

Klimaschutz und Klimafolgen-Anpassung in der Industrie

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Energieeffizienz und Klimaschutz sind für viele Betriebe in Rheinland-Pfalz kein Neuland mehr, sondern Gegenstand täglicher Entscheidungen. Strompreisentwicklung und staatliche Regulierung rücken diese Themen regelmäßig in den Fokus der Geschäftsführung. Viele Unternehmen konnten durch Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz bereits beträchtliche Kosten einsparen. Andere Unternehmen haben diesen Markt für sich entdeckt und Geschäftsmodelle entwickelt, die genau hier ansetzen.

Demgegenüber wird dem Thema Anpassung an den Klimawandel in der privaten Wirtschaft nach wie vor wenig Beachtung geschenkt. Eine ergebnisoffene Analyse der Auswirkungen des Klimawandels für den eigenen Betrieb, aber auch im Hinblick auf wichtige Kunden und Lieferanten, kann dazu beitragen, damit einhergehende Risiken für die Wertschöpfungskette zu erkennen und zukünftige Marktchancen erfolgreich zu nutzen.

Im verarbeitenden Gewerbe sind insbesondere energieintensive Betriebe durch steigende Energiepreise von negativen Klimawandelfolgen betroffen. Zusätzlich können häufiger auftretende Extremwetterereignisse zu Lieferschwierigkeiten und Produktionsstörungen bei Just-in-time-Produktion führen. Vor allem in der chemischen Industrie bereiten die trockeneren Sommer mit anhaltenden Hitzewellen mitunter Probleme bei der Kühlung. Die Notwendigkeit effizienterer Energie- und Kühllösungen kann andererseits zu vermehrten Innovationen führen, die auch in anderen Branchen genutzt werden können, und dadurch ökonomische Chancen für die Anbieter innovativer Lösungen bieten.

Klimafolgenanpassung ist Risikomanagement

Klimafolgenanpassung ist Risikomanagement: Nicht jeder Aspekt des Klimawandels und seiner Folgen ist prognostizierbar, Extremwetterereignisse z. B. sind in ihrer konkreten Ausprägung unvorhersehbar. Anpassung an die Folgen des Klimawandels hat daher viel mit Risikomanagement zu tun. Einige Risiken lassen sich besser quantifizieren als andere, aber alle wesentlichen Risiken sollten der Geschäftsführung bekannt sein, um bei Entscheidungen berücksichtigt werden zu können.

Konkret bedeutet dies z.B., in einem ersten Schritt die Energieversorgung und Entwässerungssysteme des eigenen Betriebes unter dem Aspekt bereits gegebener und sich zukünftig in vielen Regionen verschärfender Klimawandelfolgen zu bewerten, vor allem wenn in der Vergangenheit bereits Betriebsabläufe durch klimatische Bedingungen oder Wetterverhältnisse gestört wurden. Durch eine erste Analyse der Klimarisiken am Standort kann der Grundstein dafür gelegt werden, die gegebenen standortspezifischen Klimawandelrisiken nicht weiter zu erhöhen oder mittelfristig sogar zu reduzieren. Dazu benötigen Sie zunächst weder teure Gutachter noch aufwändige Studien – beginnen Sie in kleinen Schritten und tragen Sie Informationen zu Ihrem Standort zusammen. Nutzen Sie Ihr eigenes Wissen und das Ihrer Mitarbeiter für eine erste Bewertung der Klimawandelfolgen für Ihr Unternehmen. Bei Fragen und Anregungen zum Thema laden wir Sie herzlich ein, sich am KlimaFolgenDialog zu beteiligen. Weitere Informationen unter www.klimafolgendialog.de.

Gewerbeimmobilien mit hohem Schadenspotenzial

Gewerbeimmobilien bergen ein relativ hohes Schadenspotenzial bei Extremwetterereignissen wie Starkregen, Sturm oder Hagel. Der Grund hierfür sind die häufig darin befindlichen hohen Sachwerte. Just-in-Time-Produktion und komplexe Lieferketten machen eine zunehmende Zahl von Betrieben außerdem stark abhängig von Transportdienstleistungen. Je komplexer die Logistik hinter einem Produkt oder einer Dienstleistung, umso anfälliger ist das Wertschöpfungsmodell für die Folgen des Klimawandels. Indem Unternehmen den Klimawandel und seine Folgen bei strategischen Entscheidungen und Investitionen berücksichtigen, können sie strategische Risiken systematisch reduzieren.

Förderprogramme bieten regelmäßig Möglichkeiten, im Rahmen von Klimaschutzmaßnahmen auch Klimawandelrisiken zu reduzieren. Unternehmen profitieren dann von kürzeren Amortisationszeiten und besserer Rentabilität der Investitionen, Förderquoten von bis zu 65 % sind hierbei möglich.

Detaillierte Informationen zu den ökonomischen Auswirkungen des Klimawandels am Beispiel rheinland-pfälzischer Branchen enthält ein im Rahmen des Projektes KlimaFolgenDialog entstandenes Diskussionspapier.

(Das Projekt KlimaFolgenDialog wird gefördert vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages (Förderkennzeichen: 03DAS060). Die Förderung ist Teil des Förderprogrammes "Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels" im Rahmen der deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS).) 

Weitere Informationen zu Fördermöglichkeiten bietet auch die Opens external link in new windowFörderseite der Energieagentur Rheinland-Pfalz.

Energiekarawane: Kostenfreies Beratungsangebot für Unternehmen

Die Energiekarawane Gewerbe bietet ein kostenfreies Beratungsangebot für Unternehmen in der Metropolregion Rhein-Neckar. Kernstück des Projekts ist der kostenlose Energiecheck vor Ort im Betrieb, durchgeführt von qualifizierten Energieberatern. Ohne bürokratischen Aufwand oder lange Vorbereitung steht nach einer kurzen Bestandsaufnahme fest, ob und wenn ja, welche Einsparpotenziale bestehen und ob es sich lohnt, entsprechende Maßnahmen umzusetzen. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor der Karawane zur direkten Ansprache der Betriebe vor Ort ist die aktive Beteiligung der Kommunen.

Informationen zur Opens external link in new windowEnergiekarawane Gewerbe.

Andreas Weßner, Institut für Technologie und Arbeit e. V.