Klimaschutzmanager-Treffen: Klauen von guten Ideen erwünscht

Aufgrund der aktuellen Corona-Lage fand der nunmehr siebte Erfahrungsaustausch der kommunalen Klimaschutzmanager aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland zum ersten Mal virtuell statt – ausgerichtet von der Energieagentur Rheinland-Pfalz und der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg. Mehr als 140 kommunale Klimaschutzmanager, Klima- und Energiebeauftragte nahmen an der Veranstaltung teil.

Keynote: Vom Wissen zum Handeln

„Verstehen und Handeln braucht mehr als Information“, betonte Marie-Luise Beck, Geschäftsführerin des Deutschen Klima-Konsortiums, in ihrer Keynote. Zudem finde Kommunikation „nie im luftleeren Raum“ statt, sondern immer in einer Wirklichkeit, die zum Beispiel durch den Bau von Fahrradwegen klimafreundliches Handeln ermöglicht – oder eben nicht. Handlungsimpulse und Umsetzungen werden über die kommunikative Zusammenarbeit mit Klimaschutz-Botschafterinnen und -botschaftern, die Herstellung individueller Betroffenheit, den Einsatz von wohldosierten Emotionen, die Kommunikation von Chancen und Lösungen sowie über eine offene Aus- und Ansprache angestoßen. Besonders wirksam sei die Veranschaulichung von Potenzialen und Chancen, dargestellt in Form von Zukunftsbildern oder mithilfe des sogenannten „Storytellings“. Denn: „Das eigentliche Wissen wird durch Geschichten weitergegeben“, so Beck, und was wie persönliche Erfahrungen wirke, vermöge individuelles Handeln vermehrt zu initiieren.  Beck empfahl deshalb  mutiger zu sein und plädierte: „Lasst uns experimenteller werden!“

Kommunale Praxisbeispiele aus den drei Bundesländern

Auf dem Weg zur Klimaneutralität, betonte Klaus Läpple von der Stadt Waiblingen, könne ein „positives Klima für den Klimaschutz“ nur entstehen, wenn die politischen Akteure hinter den Aktivitäten stehen. Außerdem seien geeignete Instrumente und Methoden zur Zielerreichung wichtig. Waiblingen setze hier auf den European Energy Award. Dennoch, so hielt Läpple fest, „müssen wir einfach noch konsequenter werden“. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Solar-Aufbauverpflichtung der Stadt Waiblingen; durch die Festsetzung in Bebauungsplänen bestehe bei bestimmten Dachausrichtungen eine Solarbedeckungspflicht.

„Klimaschutz lohnt sich – auch finanziell.“ Dies belegte Markus Forschner von der Verbandsgemeinde Bodenheim. Eine aktive Fördermittelakquise stieß zahlreiche Umsetzungen in der Verbandsgemeinde Bodenheim an; aber auch Umsetzungen ohne Fördermittel erfolgen dort. Voraussetzung für Realisierungen sind gute Energieberatung und Planung. Der berufliche Hintergrund von Klimaschutzmanager Forschner macht es möglich, durch Eigenleistungen Honorarkosten im großen Umfang einzusparen: In den Jahren 2016 bis 2019 waren dies rund 243.000 Euro, zudem werden Betriebskosten minimiert (ca. 20.000 Euro). Insgesamt profitiert die VG Bodenheim in der Kostenbilanz 2016-2019 von Einsparungen von rund 1.172.000 Euro.

Der Null-Emissions-Landkreis St. Wendel setzt auf die intensive Zusammenarbeit und Vernetzung zahlreicher Akteure aus verschiedenen Bereichen, um vermehrt Realisierungen zu erreichen, berichtete Michael Welter aus dem Landkreis. Im Projekt zur Etablierung der Biomassepflanze „Durchwachsene Silphie“ als Alternative zu Mais in Biogasanlagen wurde im Rahmen des Bundesmodellprojekts Land(auf)Schwung eine umfassende Kooperation ins Leben gerufen. Elf Landwirte, darunter alle vier Biogasanlagenbetreiber im Kreis, mit zusammen rund 70 ha Anbaufläche nahmen hierbei teil. Involviert war auch das Zukunfts-Energie-Netzwerk St. Wendeler Land e.V. als Antragsteller und Abwicklungspartner; wissenschaftlich begleitet wurde das Projekt durch die Uni Trier. Darüber hinaus wurde eine gemeinsame Projektierung der Bildungsarbeit mit dem Bildungsnetzwerk St. Wendeler Land und dem Landesinstitut für Pädagogik und Medien (LPM) initiiert. Im Landkreis St. Wendel ist es ferner gelungen, erstmalig im Saarland ein vom Bund gefördertes kommunales Energieeffizienz-Netzwerk zu gründen. Es hat zum Ziel, durch die Nutzung nichtinvestiver Einsparpotenziale und die Umsetzung investiver Maßnahmen Effizienzverbesserungen und Energieeinsparungen zu erreichen.

Im zweiten Teil des Treffens wurden in insgesamt 15 „Blitzlichtern“ Themen, Projekte, Best Practices und Methoden des kommunalen Klimaschutzes knapp vorgestellt. „Das Klauen von guten Ideen war hier ausdrücklich gewünscht“, d.h. es wurden Anregungen zur Nachahmung und/oder zum Mitmachen vermittelt. Die Kurzbeiträge reichten von aktuellen Informationen zu Fördermöglichkeiten über Methoden wie CO2-Bilanzierung und dem Online-Wertschöpfungsrechner bis hin zu Themen wie Elektromobilität und Klimawandelanpassung. Im Anschluss konnten die Teilnehmer in separaten virtuellen Besprechungsräumen mit den Referenten eingehender diskutieren.

Obwohl das Treffen nur virtuell abgehalten werden konnte, fand ein reger fachlich-inhaltlicher Austausch statt. Auch wenn man mit der virtuellen Zusammenkunft CO2-Emissionen aufgrund vermiedener An- und Abreisen einsparen konnte, soll den Organisatoren zufolge der persönliche Austausch im nächsten Jahr nach Möglichkeit wieder im Rahmen einer Präsenzveranstaltung erfolgen. Der erwünschte „Ideenklau“ werde dadurch gewiss noch begünstigt.