28.11.2017

Kirchen vertragen schnelles Aufheizen nicht

Die Luftfeuchtigkeit ist in Kirchen das entscheidende Kriterium für das richtige Heizen, so Fachreferent Christian Dahm, der auf Einladung der Energieagentur Rheinland-Pfalz und des Bistums Trier informierte. Gemessen werden müsse in unmittelbarer Nähe zu wertvollen Objekten. (Foto: Initiative Energie & Kirche)

„Falsches Heizen zerstört unsere Kulturgüter!“ Mit dieser Kernaussage konfrontierte Christian Dahm von der Initiative „Energie & Kirche“ mehr als 70 Zuhörer aus dem gesamten Bistum Trier, die zu Dahms Vortrag zum Dominformationszentrum nach Trier angereist waren: Vertreter von Kirchengemeinden zwischen Neuwied und Eppelborn, außerdem Gäste aus Birkenfeld oder Speyer. Denn das Thema des Abends, den das Bistum und die Energieagentur Rheinland-Pfalz gemeinsam als Veranstalter organisiert hatten, steht offenbar in vielen Pfarrgemeinden auf der Agenda.

Als zerstörerisch für Mauerwerk und „Innenleben“ definierte der Referent gleich zu Beginn die Luftfeuchtigkeit im Kirchengebäude. Ideal sei ein Wert zwischen 50 und 65 Prozent. Und deshalb solle die Heizungsanlage auch nicht über eine vorgegebene Wunschtemperatur sondern vielmehr über die gemessene Luftfeuchte gesteuert werden - von Messgeräten, die in der Nähe der besonders empfindlichen Einbauten wie hölzernen Chorgestühlen oder der Orgel angebracht sind.

Der direkte Zusammenhang mit dem Heizen entsteht über den Umstand, dass warme Luft weitaus mehr Feuchtigkeit binden kann als kalte. Niedrige Temperaturen und sehr langsames Erwärmen - maximal um ein Grad Celsius pro Stunde - schonen deshalb Mauern und wertvolle Gegenstände am wirkungsvollsten und wirken Kondensationsfeuchte, Schimmelbildung und Holzschäden entgegen.

Behaglich trotz niedriger Temperatur

„Wenn die Kirche zu kalt ist, kommt keiner“, wurde Dahm aus dem Kreis der Besucher entgegen gehalten, „das kann doch nicht unser Ziel sein!“ Behaglichkeit sei bei ganz überwiegend nicht mehr jungen Besuchern von hohem Wert - das räumte auch der Referent ein. Und stellte anschließend Alternativen zum Aufheizen des ganzen Kirchenraumes vor.

So könnten Holzpodeste oder Sisalteppiche unter den Sitzreihen gegen Fußkälte eingesetzt werden; Windfänge an den Eingangstüren halten im Winter die kühle, im Sommer die schwüle Luft draußen. Sinnvoll könne auch das Abtrennen etwa von Seitenschiffen sein, hinter Glaswänden beispielsweise,  als Winter- oder „Werktagskirche“.

Wärme von Infrarot-Strahlern

Für stark genutzte Kirchengebäude komme auch die Umstellung auf Strahlungsheizkörper infrage, erläuterte der Referent und zeigte anhand von Beispielen die mögliche Integration in den Kirchenraum. Derartige Umrüstungen seien aber in der Regel aufwendig - und teuer.

Einfach und kostengünstig sei hingegen die Installation von Feuchtigkeitsmessern, außerdem der wichtigste Schritt, um Bauschäden vorzubeugen. Die lebhafte Diskussion im Anschluss an den Vortrag machte deutlich, dass diese Botschaft im Auditorium auf fruchtbaren Boden gefallen ist.

Weitere Informationen:
Opens external link in new windowAngebote der Energieagentur Rheinland-Pfalz für Kirchengemeinden