Interview: Tipps für Gemüse- und Blumengärtner (auch für Anfänger)

Interview: Tipps für Gemüse- und Blumengärtner

Selbst angebautes Gemüse schmeckt herrlich (Bild: Jürgen Rösemeier-Buhmann)

Im Moment müssen viele große und kleine Menschen ihre Zeit zuhause verbringen. Das ist auch eine gute Gelegenheit, um im Garten oder auf dem Balkon tätig zu werden. Wir haben dazu mit Herrn Rösemeier-Buhmann gesprochen. Er ist Klimaschutzpate in Carlsberg und betreibt den Blog „Muhvie“ mit Praxistipps für Garten, Balkon und Küche. Im Fokus steht insbesondere der bienenfreundliche Gemüsegarten.

Welche Gartentipps haben Sie für all diejenigen, die jetzt loslegen wollen?

Es fällt einem die Decke auf den Kopf, man will sich einfach an der frischen Luft betätigen, da kommt die Gartenarbeit im Frühjahr genau richtig. Gerade für Kinder ist das ein großer Spaß und sie lernen auch noch etwas in Sachen Natur. Mein Tipp: Gemüse selbst anbauen und den vielen zukünftigen Gartenbesuchern wie Wildbienen, Schmetterligen oder Vögeln mit Blühpflanzen etwas Gutes tun. Eine aktuelle Studie hat übrigens herausgefunden, dass 20 bis 30 Minuten tägliche Naturnähe, also auch das Gärtnern, bereits ausreichen, um Stresshormone ab zu bauen.

Zum Gemüse. Der Gemüseanbau ist gar nicht so schwierig und selbst in einem kleinen Garten kann man viel frisches, schmackhaftes und gesundes Grünzeug anbauen. Das schmeckt viel frischer als Gekauftes.

Keine Ahnung vom Gemüseanbau? Dann hier ein paar Pflanzen, mit denen man schnell Erfolg hat und die Sie jetzt säen können. Ganz oben auf der Liste stehen Radieschen. Sie wachsen wirklich schnell und können nach drei, vier Wochen geerntet werden. Wenn es wieder kälter wird, dann kann es etwas länger dauern. Auch Salat ist einfach im Anbau. Wer sich die Aussaat nicht zutraut, der kauft sich Setzlinge im Gartencenter oder der Gärtnerei. Ertragreicher ist Salat übrigens, wenn man immer nur die äußeren Blätter aberntet, anstatt den ganzen Kopf abzuschneiden. Nicht minder schnell im Anbau ist Rucola oder Rauke. Ebenfalls einfach, aber da dauert es etwas länger: Kohlrabi und Karotten. Bei Karotten lautet mein Tipp, diese mit Radieschen säen. Letztere sind dann abgeerntet, wenn die gelben Rüben erst richtig wachsen.

Weitere Informationen für Gartenanfänger

Ebenso einfach sind Erbsen, Zuckerschoten und Bohnen, die jetzt in die Erde dürfen (Auf die Packung schauen. Unterschiedliche Aussaatzeiten). Die großen Samen dieser drei Gemüsesorten werden über Nacht im lauwarmen Wasser eingeweicht, was die Keimung beschleunigt, entlang eines Rankgitters zwei, drei Zentimeter tief und ebenso weit vom nächsten Samen entfernt gesteckt und schon bald klettern sie daran empor. Zudem können sich Neugärtner diesen Monat mit Gurken- und Zucchinipflanzen – beides auch einfach jetzt auf der Fensterbank selbst zu säen – oder Paprika- und Tomatensetzlingen eindecken. Aber alle vier Sorten bitte nicht vor Mitte Mai – Stichwort Eisheilige – und nur bei zweistelligen Temperaturen rauspflanzen. Bis dahin werden sie auf einer kühlen, aber hellen Fensterbank weitergezogen. Da diese vier Gemüsepflanzen sehr hungrig sind, regelmäßig mit flüssigem Tomatendünger im Gießwasser versorgen. Dieser ist die einfachste Variante, natürlich und effektiv zu düngen.

Weitere Informationen zur Aussaat im April

Nicht nur für das Auge des Betrachters, sondern genauso wichtig für pollen- und nektarsammelnde Insekten sind die richtigen Blühpflanzen. Richtig heisst hier als Leitlinie: Alles was offene Blüten hat kommt hier in Frage. Offene Blüten erkennt man daran, dass die gelben Staubgefäße oder Staubblätter in der Mitte zu sehen sind. Oftmals sind entsprechende Pflanzen im Garten-Center mit dem Stichwort „bienenfreundlich“ gekennzeichnet. Viele Sommerblumen können Sie jetzt aber auch aussäen. Der April ist hierfür der richtige Zeitpunkt.

Weitere Informationen zum bienenfreundlichen Garten

Was können diejenigen jetzt machen, die keinen Garten haben, aber einen Balkon?

Auf dem Balkon wächst praktisch auch all das, was in einem Garten wächst. Zumindest das, was vorher beschrieben wurde. In Sachen Gemüse heißt das: Im Balkonkasten wachsen Radieschen, Rucola und Salat, vier bis fünf Köpfe pro Meter, und in größeren Töpfen gedeihen alle eben genannten Gemüsesorten. Groß heißt hier: Für Paprika oder 3 Kohlrabi reicht ein 10 Liter Erde fassendes Gefäß, alles andere sollte in einen etwa 25 Liter Erde fassenden Topf. Die Nährstoffe kommen auch hier von einem flüssigen Tomatendünger.

Gleiches gilt für Blühpflanzen. Für den Balkonkasten etwa sind es für die Unterstützung der Artenvielfalt vielleicht mal nicht Geranien und Petunien, sondern Mädchenauge, Zweizahn, Fächerblume, Glockenblume, Männertreu, Kräuter wie Thymian, Majoran und Oregano oder eine Wildblumenmischung.

Viele Tipps für angehende Gemüse- und Blumengärtner gibt es auf meinem Gartenblog unter www.muhvie.de, mit denen auch Anfänger garantiert zurechtkommen.

Haben Sie vielleicht auch noch einen Tipp für diejenigen, die weder Garten oder Balkon haben? Wie können sie die Zeit sinnvoll nutzen?

Das ist etwas schwieriger, aber nicht unmöglich. Wer möglichst gerade Fensterbänke hat, kann hier zu Blumenkästen mit Untersetzern greifen (vorher bitte mit Hausverwaltung abklären). Diese sollten aber zur Gefahrenabwehr angebunden sein. Das gelingt einfach, in dem man eine stabile Schnur an beiden Enden um den Blumenkasten knotet und diesen im dicht schließenden Fenster fixiert. Oder man folgt dem urbanen Trend, die Wohnung mit jeder Menge Zimmerpflanzen zu bestücken. Auch sie sorgen für jede Menge Spaß, für Beschäftigung und verbessern auch noch die Luft.

Ansonsten kann sich jeder Sprossen oder sogenannte, sehr angesagte Microgreens aus Samen ziehen. Beide glänzen mit sehr vielen gesunden Inhaltsstoffen. Übrigens mit mehr als ausgewachsenes Gemüse. Hierzu gibt es spezielle Anzuchtschalen. Man kann aber auch ganz einfach einen kleinen Sack Kräuter- und Aussaaterde kaufen, diese zwei Zentimeter hoch in eine Schale geben. Nun die Erde andrücken, befeuchten und Gemüsesamen ausstreuen. Hier ist nicht nur Kresse geeignet, sondern auch Radieschen, Salat, Rote Beete, Brokkoli oder Rucola. Selbst Erbsen und Sonnenblumenkerne eignen sich. Diese beiden müssen allerdings mit Erde bedeckt sein.

Sie engagieren sich auch in Ihrer Kommune als Klimaschutzpate. Wie kamen Sie dazu und wie tragen Sie zum Klimaschutz vor Ort bei?

Ich war bei der ersten Zukunftswerkstatt unserer Gemeinde Carlsberg dabei. Als freier Journalist liegt mein Schwerpunkt auf Nachhaltigkeitsthemen, als Gartenblogger und Hobbygärtner liebe ich unser kleines grünes, naturnahes Reich. Da war mir klar, dass ich da mitmache. An dem Abend kam ich mit unserer Klimaschutzpatin Dunja Brügging ins Gespräch und nach einiger Zeit fragte sie mich, ob ich nicht auch Klimaschutzpate werden möchte. Diese lohnende ehrenamtliche Tätigkeit mache ich sehr gerne, weil man schon jetzt sieht: Jeder kann etwas bewegen. Auch und gerade ehrenamtliches Engagement.

In diesen außergewöhnlichen Zeiten ruhen unsere Aktivitäten, aber es ist einiges in der Planung und soll umgesetzt werden. Wir haben vier Gruppen gebildet: „Biodiversität“, „Klimaschutz im Alltag“, Erneuerbare Energien“ und „Mobilität“. Hier haben wir einige tolle Ideen, die wir hoffentlich zeitnah in die Tat umsetzen können. Das reicht vom Dorfflohmarkt, über eine Info-Veranstaltung zu umweltfreundlichen Heizungsanlagen, es soll Mitfahrerbänke geben und es gibt Überlegungen zur Verbesserung des Radwegenetzes rund um die Gemeinde. Die Pläne reichen bis hin zu einem Mehrgenerationengarten oder einem Klimakochkurs für die Kindergartenkinder. Die ersten Verkehrsinseln im Ort wurden bereits neu und sinnvoll bepflanzt.

Herzlichen Dank, Herr Rösemeier-Buhmann! Sie haben uns viele nützliche Tipps für den Start im Garten und auf dem Balkon gegeben. Wir haben richtig Lust, das jetzt selbst auszuprobieren und uns später über den guten Geschmack zu freuen!

Weitere Tipps rund um den Klimaschutz zuhause

Ein bienenfreundlicher Garten bereitet Freude für Mensch und Natur (Bild: Jürgen Rösemeier-Buhmann)

Salat im Balkonkasten (Bild: Jürgen Rösemeier-Buhmann)

Kräuter im Balkonkasten (Bild: Jürgen Rösemeier-Buhmann)