09.06.2017

Informationsveranstaltung zum Stromnetz für die Energiewende in Rheinland-Pfalz

Foto: pixelio/Wolfgang Dirscherl

Bei einer Informationsveranstaltung der Energieagentur Rheinland-Pfalz in der Rhein-Mosel-Halle in Koblenz mit Staatsministerin Ulrike Höfken äußerten sich Experten zum Thema „Stromnetz für die Energiewende in Rheinland-Pfalz“. Einigkeit bestand darin, dass das Stromnetz der Zukunft durch den Einsatz intelligenter Technik auf einen steigenden Anteil an regenerativ erzeugtem Strom vorbereitet werden muss. Derzeit wird in Deutschland mehr als 90 Prozent des regenerativen Stroms aus Wind und Sonne in die bestehenden Hoch-, Mittel- und Niederspannungsnetze eingespeist. Diese Netze waren ursprünglich nicht für die Aufnahme eines so beträchtlichen Anteils an dezentral erzeugter Energie ausgelegt. Auch in Rheinland-Pfalz muss daher die bestehende Netzinfrastruktur an die sich wandelnden Gegebenheiten angepasst werden.

Hochflexibles Netz und Sektorenkopplung
„Rheinland-Pfalz unterstützt die Entwicklung und den Ausbau eines dezentralen und nachhaltigen Strom- und Energiesystems“, erklärte Energie- und Umweltministerin Ulrike Höfken. Einen Beitrag, Netzauslastung und Kosten zu senken, könne zum Beispiel auch der Eigenverbrauch von selbst erzeugtem Strom leisten. Hier setze sich Rheinland-Pfalz für bessere politische Rahmenbedingungen ein. „Denn die Vorteile von Eigenstrom liegen auf der Hand: Selbst produzierter Strom verringert den Bedarf an Netzausbau, stärkt die Akzeptanz für die Energiewende und entlastet die Haushaltskasse von Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen“, sagte Höfken.  Durch den hohen Anteil von erneuerbarem Strom müsse das Versorgungsnetz der Zukunft hochflexibel sein. Gefragt sei eine Kopplung von Strom-, Wärme- und Verkehrsbereich durch den Einsatz von Informationstechnologie.

Netze brauchen mehr Intelligenz statt Kupfer
Dr. Stefan Küppers, Vorstand Technik der Westnetz GmbH, ging auf die Anforderungen an die künftige Netzinfrastruktur ein: „Die Verteilnetze sind das Rückgrat der Energiewende. Wir müssen sie so ertüchtigen, dass sie die dezentral erzeugte Elektrizität möglichst optimal aufnehmen und verteilen können. Dabei kommt der Digitalisierung eine entscheidende Rolle zu: Intelligente Mess- und Steuertechnik sorgt für eine bestmögliche Ausnutzung der vorhandenen Netze. Entsprechend sinkt die Strommenge, die über weitere Entfernungen transportiert werden muss. Unsere Netze brauchen mehr Intelligenz statt nur mehr Kupfer.“ Westnetz ist der größte Verteilnetzbetreiber in Deutschland und hat rund 5,5 Millionen Kunden an ihre Strom- und Gasnetze angeschlossen.

Lokal handeln, Überlandleitungen vermeiden

René Chassein, Vorstandsmitglied der Pfalzwerke AG, betonte, der Ausbau der Netze allein werde nicht reichen: „Die Energiewende findet in Verteilernetzen statt. Alles, was auf lokaler Ebene getan werden kann, sollte ausgeschöpft werden, um große Überlandleitungen zu vermeiden“, so Chassein. Zudem forderte er eine bessere Koordination von Zubauplanung regenerativer Erzeugungsanlagen und Netzausbauplanung.

Dialog fördern
„Die Modernisierung und Digitalisierung des Stromnetzes, aber auch der Ausbau, dort wo er geboten ist, sind entscheidende Voraussetzungen, um die Einspeisung erneuerbar erzeugten Stroms erhöhen zu können“, sagte Thomas Pensel, Geschäftsführer der Energieagentur Rheinland-Pfalz. „In diesem Sinn sehen wir die Veranstaltung als Informationsangebot, um den Dialog zwischen der Öffentlichkeit, Versorgern, Netzbetreibern und der Politik zu unterstützen“, sagte Pensel.

Reform des Netzentgeltsystematik
Die Investitionen in den Netzausbau machen nach den Worten von Kevin Canty, Sachverständiger und unabhängiger Energieexperte, eine Anpassung der Netznutzungsentgelte notwendig: „Die zunehmende Dezentralisierung der Stromerzeugung durch Erneuerbare Energien erhöht den Druck, die Netzentgeltsystematik zu reformieren. Ein zentrales Hindernis für eine sinnvolle Diskussion zur Reform der Netzentgeltsystematik ist nach wie vor die Intransparenz der Netzkosten“, sagte Canty.