„In Kalter Nahwärme steckt das wirkliche Potenzial“

Pfalzwerke und Energieagentur Rheinland-Pfalz hatten zu der Baustellenbesichtigung in Maikammern eingeladen. In der Mitte: Staatsekretär Erwin Manz.

Anlässlich der Erdsondenbohrungen für das Kalte Nahwärmenetz im Neubaugebiet „Eulbusch III“ in Maikammer fand am gestrigen Mittwoch, den 21.07.2021, eine Baustellenbesichtigung im Rahmen des Interreg-Projekts GReENEFF statt, zu der die Energieagentur Rheinland-Pfalz gemeinsam mit den Pfalzwerken eingeladen hatte. Staatssekretär Dr. Erwin Manz vom Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität des Landes Rheinland-Pfalz nutzte die Gelegenheit, sich persönlich über diese Technologie zur emissionsfreien Wärmeversorgung zu informieren und sich die Umsetzung vor Ort anzuschauen.

Staatssekretär Manz war von dem Vorhaben beeindruckt

Angesichts des idyllisch gelegenen Neubaugebiets in strahlendem Sonnenschein sprach Staatsekretär Manz zunächst den extremen Kontrast an, in welchem diese Situation zu den erschütternden Bildern der Flutkatastrophe im Norden von Rheinland-Pfalz stehe. Die dortigen Ereignisse seien nur schwer begreifbar – und eine Folge des Klimawandels: „Die Dimensionen, die Niederschlagsmengen sind ohne die Erwärmung der Atmosphäre nicht erklärbar.“ Der Termin in Maikammer hänge jedoch mit alldem zusammen: Um die Häufigkeit und Intensität von Extremwetterereignissen nicht noch weiter ansteigen zu lassen, müsse gerade im Gebäude- und Wärmebereich der Klimaschutz vorangetrieben werden. In diesem Zusammenhang sei er froh, dass Maikammer „ganz, ganz vorne mit dabei ist, um moderne Technik umzusetzen – in Kalter Nahwärme steckt das wirkliche Potenzial“, betonte er. Das Charmante an dieser Lösung sei außerdem, dass sie nicht nur klimafreundliche Wärme im Winter, sondern auch Kühlung im Sommer ermögliche; zugleich sorge sie für mehr Unabhängigkeit von den teuer werdenden fossilen Energieträgern.

EU-gefördertes Projekt mit Vorbildcharakter

Staatssekretär Manz lobte die verschiedenen Nachhaltigkeitskriterien, die das Neubaugebiet in Maikammer als Pilotvorhaben im Rahmen des Interreg-Projekts GReENEFF verbindet – durch das Zusammenspiel von Wärmeversorgung, Photovoltaik, smarter Verteilersysteme und E-Mobilität sei es „nicht nur ein Wärmeprojekt, sondern ein Projekt der Sektorenkopplung.“ Er wünsche sich, „dass wir viele Nachahmer dieses EU-geförderten Pilotprojekts finden – dass dies geschehen wird, davon bin ich überzeugt.“

Anschließend unterstrich Florian Dommel, Bereichsleiter Energieleistungen bei den Pfalzwerken, den Vorbildcharakter des Projekts durch das Zusammenwirken verschiedener Akteure: „Klimaschutz kann nur gemeinsam gelingen“, so Dommel. Das Projekt zeige, wie „eine Zusammenarbeit von Landespolitik, Kommunen, Energieagentur Rheinland-Pfalz und Energieversorgern“ die Transformation zu klimafreundlicher Wärmeversorgung in Form von kalter Nahwärme voranbringen kann. „Mit der Bereitstellung dieser nachhaltigen Technologie für das gesamte Baugebiet bieten wir den Baufamilien die gemeinschaftliche Nutzung des Sondenfeldes an“, erläuterte Dommel beim Rundgang die Vorteile der Technologie: „Somit muss niemand eine Bohrung im eigenen Garten beauftragen und kann dennoch alle Vorteile dieser energieeffizienten und zukunftsfähigen Versorgung für sich nutzen“.

Bevor die eigentliche Besichtigung der Baustelle begann, lieferte Lukas Weitz, Projektleiter GReENEFF bei der Energieagentur Rheinland-Pfalz, einen Überblick über die vier rheinland-pfälzischen Pilotprojekte, die insgesamt mit rund einer Million Euro Interreg-Mitteln gefördert werden und für die eine CO2-Einsparung von ca. 105 Tonnen pro Jahr prognostiziert wird. Sein Kollege Paul Ngahan ergänzte dies mit Informationen zur Wärmeinitiative Rheinland-Pfalz, die 2017 von der Energieagentur Rheinland-Pfalz aufbauend auf dem zuvor erstellten Wärmekonzept für das Land erstellt wurde.

Großes Interesse an Thema Kalter Nahwärme

Versorgt mit diesen Hintergrundinformationen, wurden die Teilnehmenden durch die beiden Projektleiter der Pfalzwerke, Katharina Schowalter und Peter Freudig, zu verschiedenen Stationen auf der Baustelle geführt – unter anderem zum Bohrgerät, mit dem zurzeit die notwendigen Erdwärmesonden installiert werden, zum zukünftigen Standort der Technik-Zentrale und zu den Punkten, wo die ersten Pilotbohrungen zur Ermittlung der Wärmeentzugsleistung vor Ort vorgenommen wurden. Seitens der 15 teilnehmenden Vertreter verschiedener rheinland-pfälzischer Kommunen und Energieversorger gab es eine Vielzahl an Fragen zur Technologie und deren Umsetzung. Dabei wurden beispielsweise die Themen Anschlussquote, Anschlussverpflichtung, die Finanzierung und Förderung sowie die Berücksichtigung im Bebauungsplan angesprochen.

Das große Interesse der Teilnehmenden zeigt, dass Kalte Nahwärme eine vielversprechende Technologie zur Erreichung der Klimaziele im Gebäudebereich darstellt. Eine Vernetzung der Akteure und ein grenzüberschreitend stattfindender fachlicher Austausch, wie das Projekt GReENEFF ihn vorsieht, kann hierzu einen entscheidenden Beitrag leisten.

Hintergrundinfo Kalte Nahwärme (Pfalzwerke)

Bei der Kalten Nahwärme wird regenerative Erdwärme als Energiequelle genutzt. Dazu werden in Maikammer Erdsonden in eine Tiefe von bis zu 145 Meter in die Erde gebohrt, durch die die Erdwärme in die angeschlossenen Neubauten geleitet wird. Das Temperaturniveau beträgt in dieser Tiefe konstant 8 bis 10 Grad und wird in den Häusern über eine Wärmepumpe auf das gewünschte Temperaturniveau gebracht. Ein weiterer Vorteil: Neben dem Heizen ist auch das Kühlen auf diese Weise möglich.