04.04.2017

Im Interview: Martina Eisel und Boris Krieger, Gemeinde Böhl-Iggelheim

Martina Eisel und Boris Krieger, Ansprechpartner für Klimaschutzaktivitäten der Gemeinde Böhl-Iggelheim, Foto: Konvent der Bürgermeister, Grafik: Energieagentur Rheinland-Pfalz

Die Gemeinde Böhl-Iggelheim ist im Jahr 2011 dem Opens external link in new windowKonvent der Bürgermeister beigetreten. In ihrem Klimaschutzteilkonzept hat sich die Kommune auf den Schwerpunkt Verkehr und darin insbesondere auf den Individualverkehr mit dem Fahrrad konzentriert.

Warum sich auch die öffentliche Beteiligung der Bürger bei diesem Thema ausgezahlt hat, erläutern Martina Eisel und Boris Krieger, Ansprechpartner für die Klimaschutzaktivitäten der Kommune, im Interview.

Warum misst die Gemeinde Böhl-Iggelheim dem Thema Klimafreundliche Mobilität im Rahmen des Klimaschutzteilkonzepts Verkehr eine so herausragende Bedeutung bei?

Im Rahmen des Beitritts beim Konvent der Bürgermeister hat die Gemeinde Böhl-Iggelheim eine CO2-Bilanzierung erstellt. Dabei ergab sich, dass der Verkehr einen Anteil von über 42% am Gesamtkohlendioxidausstoß hat. Für uns hatte diese Erkenntnis zur Folge, dass deshalb die oberste Priorität nicht, wie üblicherweise auf der Sanierung Kommunaler Gebäude (0,5 % Anteil am Gesamtkohlendioxidausstoß) lag, sondern bei uns auf dem Thema Mobilität. Letzlich war es der Beitritt zum Konvent der Bürgermeister im Jahre 2011, der durch unseren Bürgermeister Peter Christ forciert wurde, der ausschlaggebend war für alle nachfolgenden Klimaschutzaktivitäten der Gemeinde.

Wie wichtig war die Einbindung der politischen Gremien?

Die Einbindung der politischen Gremien ist unverzichtbar und erforderlich, da sämtliche grundsätzlichen Beschlüsse und Entscheidungen von dort aus erfolgen und mitgetragen werden müssen. Die politischen Gremien waren von Anfang an mit eingebunden. Sowohl der Beitritt zum Konvent der Bürgermeister als auch die Erstellung des Teilkonzeptes Mobilität wurden in den entsprechenden Gremien beraten und beschlossen. Darüber hinaus waren die in den Gremien vertretenen Fraktionen bei der Erarbeitung des Teilkonzeptes immer wieder involviert. Zuletzt wurde das Konzept durch den Gemeinderat verabschiedet. Auch die Umsetzung wird jeweils vor der Ausführung im Gemeinderat oder dessen Ausschüssen beraten und begleitet. Das ist ein kontinuierlicher Prozess.

Sie haben gezielt auf die Beteiligung der Bürger gesetzt. Wie haben die Bürger diese Beteiligungsmöglichkeiten angenommen?

Die Teilnahmemöglichkeit bei allen Beteiligungsformen haben die Bürger sehr positiv aufgenommen. Uns war es wichtig, die Bürger von Anfang an mitzunehmen, da wir von Verwaltungsseite ansonsten nur geringen Einfluss auf den Individualverkehr nehmen können.

Würden Sie im Nachhinein etwas anders machen?

Die Beauftragung eines externen Büros war sicher die richtige Entscheidung. Dank der vorhandenen Erfahrung des Büros konnte das Konzept und die entsprechenden Workshops mit den Bürgern schnell und einfach umgesetzt werden. Die Umsetzung selbst ist schwierig bzw. langwierig und erfordert einen langen Atem und Erfahrung innerhalb des eigentlichen Prozesses. Auch hier wäre der Einsatz eines hauptamtlichen Klimaschutzmanagers oder eines externen Beraters/Büros sicher sinnvoll gewesen.

Rechnen sich die Investitionen z.B. für Ladestationen für die Gemeinde?

Glücklicherweise sind wir in der  Lage, dass uns zwei Ladestationen durch ein Energieversorgungsunternehmen zur Verfügung gestellt wurden. Insofern zahlen wir als Gemeinde lediglich die Stromkosten.

Welche Schritte stehen bei der Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes als nächstes an?

Viele Maßnahmen, die wir im Moment verfolgen, zielen auf eine Verbesserung des Rad- und Fußgängerverkehrs ab. Konkret sind es derzeit zwei Überquerungshilfen sowie die Reduzierung von Barrieren auf das notwendige Maß sowie die Installation von Fahrradunterstellmöglichkeiten, mit denen wir die Akzeptanz des Fahrrades als innerörtliches Verkehrsmittel weiter steigern wollen.

Was sind aus Ihrer persönlichen Sicht die wesentlichen Erfolgsparameter Ihrer Arbeit im Bereich Klimaschutz?

Die Kommune hat keinen hauptamtlichen Klimaschutzmanager, der sich ausschließlich und in Zusammenarbeit mit den anderen Bereichen um die Projekte im energetischen Bereich kümmert. Somit war es für uns ungemein wichtig, zusammen mit anderen Institutionen bzw. Einrichtungen, wie etwa dem Energieforum, dem Arbeitskreis der Metropolregion und der Energieagentur Rheinland-Pfalz, Netzwerke aufzubauen, sich auszutauschen und von deren Erfahrungen zu profitieren. Ein hauptamtlicher Klimaschutzmanager könnte sicher noch strukturierter an die einzelnen Sachgebiete und Aufgaben des Klimaschutzes herangehen. Im Übrigen ist klar, dass der Inhaber einer solchen Position die notwendigen Fachkenntnisse per definitionem mitbringt. Ein ganz entscheidender Unterschied ist aber sicher, dass ein Klimaschutzmanager vor allem die nötige Zeit für die Durchführung von Projekten hätte.


Kontakt:

Martina Eisel, Opens external link in new windowGemeindeverwaltung Böhl-Iggelheim

Stabstelle „Wirtschaftsförderung und Standortmarketing“, Am Schwarzweiher 7, 67459 Böhl-Iggelheim

Telefon: 06324 / 963-219

Telefax: 06324 / 963-170

E-Mail: martina.eisel(at)boehl-iggelheim(dot)de

Internet: www.boehl-Iggelheim.de