21.03.2017

Im Interview: Julia Besand, Klimaschutzmanagerin der Stadt Idar-Oberstein

Julia Besand, Klimaschutzmanagerin in Idar-Oberstein, Grafik: Energieagentur Rheinland-Pfalz

Idar-Oberstein: Klimaschutz systematisch denken und verankern

Die Deutsche Energie-Agentur (dena) hat gemeinsam mit der Energieagentur Rheinland-Pfalz mit großem Erfolg ein Pilotprojekt Energie- und Klimaschutzmanagement für Kommunen und Landkreise (dena-EKM) in Rheinland-Pfalz eingeführt. Das Pilotprojekt bietet den teilnehmenden Kommunen im Land praktische Unterstützung bei der Einführung eines Energie- und Klimaschutzmanagements. Neben Informationen zur Auswertung von Daten und zu Fördermitteln für Maßnahmen erhalten die teilnehmenden Kommunen kostenlose Tools, die sie bei der Umsetzung unterstützen.

Die Stadt Idar-Oberstein ist eine von zwölf Kommunen aus Rheinland-Pfalz, die an der gemeinsamen Veranstaltungsreihe der dena und der Energieagentur Rheinland-Pfalz teilgenommen hat.

Über ihre Erfahrungen mit der systematischen Verankerung des Energie- und Klimaschutzmanagements in ihrer Kommune äußert sich Klimaschutzmanagerin Julia Besand im Interview.

Was war der Grund für die Stadt Idar-Oberstein, sich am dena-EKM Pilotprojekt zu beteiligen?

Julia Besand: Die Teilnahme an dem Projekt wurde der Stadtverwaltung Idar-Oberstein angeboten. Unsere Erwartung an das Projekt bestand darin, Unterstützung beim Aufbau eines Energie- und Klimaschutzmanagements innerhalb der Verwaltung zu erhalten. Mindestens ebenso wichtig war für uns aber die Möglichkeit, sich mit anderen Kommunen auszutauschen und von anderen Erfahrungen zu profitieren. Mit dem Aufbau eines Energiemanagementsystems wollen wir einen systematischen und umfassenden Ansatz in den Abläufen der Verwaltung etablieren, der die Stadt in die Lage versetzen soll, kontinuierliche Verbesserungen in den Bereichen Energieeffizienz und Energieeinsparungen zu erreichen. Das muss auch bedeuten: Der Erkenntnisgewinn, aber auch das Feststellen von Schwierigkeiten bei der Umsetzung und Implementierung von Prozessen, sollten nach Möglichkeit nicht von unterschiedlichen Ansprechpartnern ohne gegenseitigen Wissensaustausch erfolgen. Ansonsten hat das zur Folge, dass die gleichen Fehler immer wieder gemacht werden. Das verursacht vermeidbare Kosten.

Was stellt Sie bei der Umsetzung vor die größte Herausforderung?

J.B.: Die größte Herausforderung für alle Beteiligten liegt wohl darin, Vorgehen, Ziele und Ablauf des Managementprozesses dauerhaft in der Kommune zu verankern, so dass die Prozesse und Abläufe allgemein bekannt sind und kontinuierlich umgesetzt werden. Es ist das eine, organisatorische Abläufe zu definieren, mindestens ebenso wichtig ist es jedoch, damit eine dauerhafte Verhaltensänderung zu erreichen.

Welche Auswirkungen des Energiemanagements lassen sich bereits feststellen?

J.B.: Ein Arbeitskreis Klimaschutz, der sich aus den jeweiligen Amtsleitungen der Verwaltung zusammensetzt, trifft sich nach Bedarf und bearbeitet Themen des Klimaschutzmanagements. Einige Handlungsfeldverantwortliche sind zurzeit intensiv mit der Erstellung des Energieberichts beschäftigt.

Worin sehen Sie noch Optimierungsmöglichkeiten bei der Umsetzung, die sich durch das Projekt ergeben haben?

J.B.: Verbesserungspotenzial liegt insbesondere im Verankern der Abläufe innerhalb der Verwaltung. Die Abläufe werden sich wahrscheinlich mit zunehmendem Verständnis und deren Bekanntheit verbessern. Eine große Herausforderung ist die kontinuierliche Prozesswiederholung, weil der Prozess derzeit innerhalb der eigentlichen Arbeitsabläufe der Verwaltung noch nicht als solcher verankert ist. In einem erneuten Durchlauf sind dann auch andere Handlungsfelder einzubeziehen, ich denke dabei an Straßenbeleuchtung, Kläranlage, ggf. auch an das Thema Mobilität.

Wie will sich Idar-Oberstein zukünftig in Sachen Energiemanagement aufstellen?

J.B.: Eine Weiterführung des Projektes ist angestrebt, um eine  Verstetigung des Energie- und Klimaschutzmanagements zu erreichen. Ob das System allerdings dauerhaft von Bestand ist, muss sich mittel- bis langfristig zeigen. Ob eine Zertifizierung für uns in Betracht kommt, ist abhängig vom zu erwartenden Nutzen einer solchen Maßnahme. Es könnten sich durch eine Zertifizierung beispielsweise Vorteile für die Stadt bei der Beantragung von Fördermitteln ergeben. Gleichzeitig kann eine Zertifizierung die Konsolidierung der Klimaschutzbemühungen sichtbar machen.

Welche Erkenntnisse fanden Sie besonders hilfreich?

J.B.: Für mich war es lehrreich zu sehen, dass einige Kollegen und Kolleginnen aus anderen Kommunen, die ebenfalls an der Veranstaltungsreihe der dena teilnahmen, mit ähnlichen Herausforderungen zu kämpfen haben. Ich empfand es als ausgesprochen hilfreich, sich mit anderen Betroffenen auf Augenhöhe austauschen zu können. Was die angebotenen Strukturierungshilfen angeht, so sind diese teilweise aber sehr umfangreich, so dass man zunächst entscheiden muss, was zu den Bedürfnissen der eigenen Verwaltung am besten passt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Hinweis: Mehrere Klimaschutzmanager aus der Naturparkregion Hunsrück-Hochwald haben das dena-EKM Projekt zum Anlass genommen, das Netzwerk IkoNE (Interkommunales Netzwerk Energie) zu gründen. Darin werden Klimaschutzthemen in Form von Energiesparkampagnen bürgernah und zusammen mit Kommunen vor Ort umgesetzt.


Kontakt:

Julia Besand, Klimaschutzmanagerin

Stadtverwaltung Idar-Oberstein (Gebäudemanagement/ 69), Georg-Maus-Straße 1, 55743 Idar-Oberstein

Tel: 06781 - 64 412, Fax: - 409,E-Mail: julia.besand(at)idar-oberstein(dot)de

www.idar-oberstein.de