23.01.2018

Hunsrückdorf Schnorbach und Pirmasens gewinnen "Klimaschutz-Oscar 2017"

Die Ortsgemeinde Schnorbach im Rhein-Hunsrück-Kreis gehört zu den Gewinnern beim Wettbewerb „Klimaaktive Kommune 2017“ (Bild: Energieagentur Rheinland-Pfalz).

Von insgesamt neun ausgezeichneten Kommunen dürfen sich zwei aus Rheinland-Pfalz freuen: Die Ortsgemeinde Schnorbach im Rhein-Hunsrück-Kreis sowie die Stadt Pirmasens gehören zu den Gewinnern beim Öffnet externen Link in neuem FensterWettbewerb „Klimaaktive Kommune 2017“. Die Auszeichnung wurde vergeben für die Projekte „Förderprogramm bringt Energieeinsparung im ganzen Dorf“ (Schnorbach) sowie "Klimaanpassung durch Überflutungsvorsorge – individuelle Maßnahmen realisieren" (Pirmasens). Ausgeschrieben wird der Wettbewerb „Klimaaktive Kommune“ vom Bundesumweltministerium und vom Deutschen Institut für Urbanistik. Kooperationspartner sind der Deutsche Städtetag, der Deutsche Landkreistag und der Deutsche Städte- und Gemeindebund.

Vorzeigeprojekt: Schnorbach unterstützt Bürger beim Energiesparen

Energie- und Umweltministerin Ulrike Höfken, die während ihrer „Sommertour“ im vergangenen August Schnorbach besucht hatte, gratulierte „allen Bürgerinnen und Bürgern von Schnorbach herzlich zu dieser Auszeichnung“ und dankte Ihnen für ihr Klimaschutzengagement. „Die Schnorbacher Energiesparrichtlinie erzeugt Rückenwind fürs Energiesparen, motiviert zum Mitmachen und ist auch gut fürs Portemonnaie. Wenn wir auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene alle an einem Strang ziehen, wird die Energiewende gelingen und ein Gewinn für alle“, erklärte Ministerin Höfken.

Schnorbachs Ortsbürgermeister Bernd Kunz konnte jetzt den Preis in Berlin entgegen nehmen. Für das Preisgeld in Höhe von 25.000 Euro, das in die Umsetzung weiterer Vorhaben zum Klimaschutz oder zur Anpassung an den Klimawandel investiert werden muss, hat Kunz bereits einen Verwendungszweck im Blick: „Unsere Gemeinde installiert eine Photovoltaikanlage mit Batteriespeichersystem. Mit dem gespeicherten Strom wird die Straßenbeleuchtung im gesamten Ort betrieben“, erklärt der Ortsbürgermeister. Und er freut sich: „Dann scheint zukünftig in Schnorbach die Sonne auch nachts!“

Bürgernahes Förderprogramm für den Klimaschutz

Seit 2014 verpachtet die Kommune gemeindeeigene Grundstücke an die Betreiber von zwei Windkraftanlagen. Zugleich beschloss der Gemeinderat, einen Teil der Pachteinnahmen in einen „Fördertopf“ fließen zu lassen, um Bürgerinnen und Bürger bei persönlichen Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs zu unterstützen. So fließt Geld aus dem Klimaschutz wieder in den Klimaschutz. Und alle Schnorbacher, die sich für das Klima engagieren möchten, können davon profitieren - egal ob Mieterin oder Hausbesitzer.

Das Förderangebot ist vielfältig; es reicht von der Kostenübernahme für Vor-Ort-Energieberatungen der Verbraucherzentrale über Zuschüsse bei der Anschaffung besonders effizienter Haushaltsgeräte (je 100 Euro) bis zur Förderung von Photovoltaik-Anlagen, Gebäudedämmung, Batteriespeichern und vieles mehr. Die Höchstfördersumme liegt bei maximal 6.000 Euro pro Haushalt.

Ein Programm, das sich für alle rechnet

Dass die Schnorbacher Richtlinie von den rund 250 Einwohnerinnen und Einwohnern im Ort gut genutzt wird, zeigen Zahlen: 66.000 Euro wurden bislang bewilligt, daraus resultieren Bürger-Investitionen von etwa 323.000 Euro für konkrete Maßnahmen zur Energieeinsparung. Neben den messbaren Energieeinsparungen konnte ein weiteres Ziel des Projekts erreicht werden: Die Sensibilisierung für das Thema Klimaschutz und die Motivation, mit geeigneten Maßnahmen im privaten Umfeld selbst aktiv zu werden. Die Energieagentur Rheinland-Pfalz beteiligte sich mit einem speziellen Programm für die Kinder im Dorf. Rund 87 Tonnen klimaschädliches CO2 können so pro Jahr eingespart werden.

Das „Öffnet externen Link in neuem FensterSchnorbacher Modell“ hat mittlerweile über die Gemeindegrenzen hinaus Nachahmer gefunden. In mehr als 40 Orten im Rhein-Hunsrück-Kreis gelten inzwischen Förderrichtlinien, die sich am Vorbild von Schnorbach orientieren. Damit steuern die Gemeinden einen wichtigen Beitrag zu den ehrgeizigen Klimazielen des Rhein-Hunsrück-Kreises bei, der anstrebt, bis zum Jahr 2020 ein bilanzieller „Null-Emissionskreis“ in den Sektoren Strom, Wärme, Mobilität und Abfall zu werden.

Öffnet externen Link in neuem FensterKurzfilm zum Wettbewerbsgewinner Schnorbach

Pirmasens: Klimaanpassung in der Kommune

In der Kategorie "Klimaanpassung in der Kommune" erhält die Stadt Pirmasens einen Preis für die Realisierung individueller Maßnahmen bei der Überflutungsvorsorge. Die Stadt geht die Anpassung ihres Entwässerungssystems an die Folgen des Klimawandels aktiv und zielgerichtet an. Im Rahmen eines Klimaanpassungskonzepts führte sie Analysen zur Betroffenheit durch, auf deren Grundlage im Rahmen einer kommunalen Steuerungsgruppe konkrete und individuelle Maßnahmen geplant wurden. Um Schäden durch Starkregenereignisse zukünftig zu vermeiden, setzte Pirmasens zeitnah verschiedene Baumaßnahmen um. Vorbildlich ist vor allem die Anwendung von naturnahen Lösungen zur Versickerung und schadlosen Ableitung von Niederschlägen.

Öffnet externen Link in neuem FensterKurzfilm zum Wettbewerbsgewinner Pirmasens


Bild unten:

Knapp ein Jahr lang betreute das Regionalbüro Mittelrhein der Energieagentur Rheinland-Pfalz die Kinder- und Jugendgruppe des Dorfes – und schulte sie als „Stromdetektive“, die daheim unnötigem Energieverbrauch nachspüren (Bild: Energieagentur Rheinland-Pfalz).