17.11.2017

Gute Beispiele aus Römerberg-Dudenhofen auf der Weltklimakonferenz vorgestellt

Anne Kuschnik, Klimaschutzmanagerin der VG Römerberg-Dudenhofen (3. v.r.), berichtet auf der Weltklimakonferenz von den Erfahrungen in ihrer Kommune (Foto: MUEEF)

Diplomaten, Politiker und Vertreter der Zivilgesellschaft aus aller Welt haben sich in Bonn zwei Wochen lang ausgetauscht über den Klimawandel, Klimaschutz und - vor allem - die konkrete Umsetzung des Pariser Abkommens. Auf deutlich unter zwei Grad soll die globale Erderwärmung dem Abkommen zufolge begrenzt werden.

Klimaexperten warnten eindringlich, dass bei einer dauerhaften Erderwärmung um 1,5 Grad Inselstaaten verschwinden werden; bei 2 Grad werden Gletscher in Grönland abschmelzen und der Golfstrom versiegen. Um dies zu vermeiden, müssen wirksame Klimaschutzmaßnahmen vor Ort umgesetzt werden.

Anne Kuschnik, Klimabeauftragte der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen, hat beim Klimagipfel in Bonn mitdiskutiert: Gestern ging es im Deutschen Pavillon – unter anderem mit Regierungsvertretern aus Rheinland-Pfalz und Hessen - darum, was Akteure auf kommunaler Ebene bereits im Kampf gegen den Klimawandel tun.

Frau Kuschnik, Sie waren Rednerin bei einer Podiumsdiskussion im Deutschen Pavillon. Welche Eindrücke haben Sie von der Weltklimakonferenz gewinnen können?
Ich habe gesehen, dass es doch sehr viele, auch gerade junge Menschen verschiedenster Nationen gibt, die die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit sehr ernst nehmen. Sie arbeiten mit viel Motivation und Engagement am Lösen dieser Mammutaufgabe.

Was hat Sie besonders inspiriert?
Tief beeindruckt haben mich die Schulklassen, die im Rahmen eines Workshops ihre Ideen gepitcht und der Bundesumweltministerin Dr. Hendricks auch ganz unverblümt ihre Forderungen mitgeteilt haben. Ein junger Mann aus Kolumbien forderte zum Beispiel, keine Steinkohle mehr aus Kolumbien nach Deutschland einzuführen. Das hat mich wirklich bewegt. Aber auch der Komplex Gleichberechtigung und Stärkung der Frauen bei den Themen Technologien und Agrarwirtschaft fand ich sehr interessant.

In Bonn haben internationale Klimadiplomaten zum Klimawandel diskutiert. Wie bekommen wir schon heute den globalen Klimawandel in der Pfalz zu spüren und wie können wir ihm begegnen?
Eigentlich müsste jedem aufgefallen sein, dass Wetterereignisse wie etwa Starkregen auch hier bei uns deutlich intensiver geworden sind. Gerade das Jahr 2016, als wärmstes Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, verdeutlicht das noch zusätzlich. Man muss sich auf diese neuen Zustände einstellen und vorbereiten, sei es zum Beispiel durch Hochwasserschutzmaßnahmen oder das Nutzen der Solarenergie. Aufgabe aller ist es, die Erwärmung auf die im Pariser Klimaabkommen festgeschriebenen Ziele zu beschränken. Dazu muss jeder Einzelne seinen Beitrag leisten und auch seine Gewohnheiten anpassen.

Worin sehen Sie die größte Herausforderung für die Kommunen in der Region?
Für eine Kommune ist meiner Meinung nach die größte Herausforderung, das Thema Klimaschutz zu verstetigen. Viele Kommunen entwickeln Klimaschutz- und Teilkonzepte, aber erst die tatsächliche Umsetzung bringt Mehrwert für Bürger und Gemeinde.

Viele Kommunen im Land gehen in Sachen Klimaschutz bereits mit gutem Beispiel voran, auch die Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen. Welche Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Energieverbrauchsreduzierung wurden bereits umgesetzt?

Zum einen haben wir in allen vier Ortsgemeinden unsere Straßenbeleuchtung auf LED umgestellt. Wir haben dieses Jahr unser Klimaschutzteilkonzept „Eigene Liegenschaften“ abgeschlossen und mit der Umsetzung der Maßnahmen begonnen. Wir haben parallel dazu sehr erfolgreich eine Aktion für unsere Kindertagesstätten und Schulen organisiert, um die Kinder für die Themen Klimaschutz und Energiesparen zu begeistern. Dabei sind wirklich tolle Projekte entstanden.
Im Moment arbeiten wir gemeinsam mit der Metropolregion Rhein-Neckar und der Energieagentur Rheinland-Pfalz an der dauerhaften Verankerung eines Energie- und Klimaschutzmanagements in der Kommune. Wir haben mittlerweile unser energie- und klimapolitisches Leitbild als Verbandsgemeinde verabschiedet.
In unserer Ortsgemeinde Dudenhofen lassen wir gerade ein Quartierskonzept zur energetischen Sanierung über die KfW-Förderung gemeinsam mit dem DSK aus Mainz erstellen, um dort die Bürger zur Sanierung Ihrer Bestandsimmobilien zu motivieren. In der Ortsgemeinde Harthausen steht im Zuge der Erschließung eines Neubaugebietes die Umsetzung des ersten Smart City Konzeptes in unserer Verbandsgemeinde an. Hierzu können wir nach finaler Zustimmung des Ministeriums hoffentlich noch dieses Jahr mit der Bearbeitung der Machbarkeitsstudie beginnen.


Damit der Klimaschutz in der Gemeinde angegangen werden kann, müssen möglichst viele verschiedene Akteure mit ins Boot geholt werden. Wer hilft Ihnen dabei?
Unterstützt werden wir vom Regionalbüro der Energieagentur Rheinland-Pfalz, aber auch von der Zentrale in Kaiserslautern. Die Metropolregion Rhein-Neckar und der Verband unterstützen uns und bieten viele Workshops an oder Netzwerke. Aber auch in unserem Landkreis gibt es ein sehr aktives Netzwerk von Klimaschutzmanagern und –beauftragten, die - wiederum unterstützt von der Energieagentur Rheinland-Pfalz - sich regelmäßig austauschen und an die Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes des Kreises vorantreiben.

Klimaschutz ist eine Herausforderung für uns alle. Haben Sie Tipps, was jeder Einzelne beitragen kann und welche Maßnahmen besonders effektiv sind?
Es gibt natürlich Entscheidungen, die klar auf politischer Ebene getroffen werden müssen. Aber wenn jeder Bürger bei sich selbst anfängt, kann schon vieles bewegt werden. Regionale Produkte kaufen, um lange und energieintensive Transportwege zu vermeiden, weniger Fleisch essen, das ist auch aus gesundheitlichen Gründen besser, Wäsche lufttrocknen, Glühbirnen gegen LEDs tauschen, öffentliche Verkehrsmittel nutzen - auch gerade beim Reisen, Verpackungen vermeiden, Geräte komplett ausschalten anstatt Stand-by und so weiter.
Es sind viele kleine Schritte, die aber, wenn jeder etwas tut, viel bewirken können!

(Interviewfragen: Anna Deisenhofer, Energieagentur Rheinland-Pfalz)

Weitere Informationen zum Öffnet externen Link in neuem FensterKlimaschutz in der VG Römerberg-Dudenhofen