24.11.2015

Ferdinand Schneider aus Koblenz: Der Klimapilger

Ferdinand Schneider, Foto: Energieagentur Rheinland-Pfalz

Ausgerüstet mit Rucksäcken, Wanderschuhen und Funktionskleidung treffen die ersten Pilger an diesem ungewöhnlich warmen Herbstmorgen im großen Sitzungssaal der Stadt Trier ein. Eine Gruppe von rund 40 Pilgern aus unterschiedlichen Ecken Deutschlands ist unterwegs auf der 8. Etappe des ökumenischen Pilgerwegs für Klimagerechtigkeit und macht dabei Halt in Trier. Hinter ihnen liegen zum Teil schon Hunderte von Kilometern Wanderstrecke. Einige sind sogar seit Flensburg mit dabei auf ihrem Weg nach Paris, andere sind erst wenige Etappen mitgelaufen - so wie Ferdinand Schneider aus Koblenz, der in Andernach zur Gruppe gestoßen ist und bis nach Paris mitgehen will.

Der Rentner, der lange Jahre bei der Bundeswehr in Koblenz tätig war –  erst als Soldat, später als  Verwaltungsbeamter –, ist froh über den Zwischenstopp in Trier. Damit die müden Füße sich ein wenig erholen können, wird im Rahmen der Pilgerreise immer wieder ein Tag ohne Wanderstrecke eingelegt. So auch in Trier, wo Oberbürgermeister Wolfram Leibe die Pilger begrüßt und ihnen am Nachmittag ein vielfältiges Programm angeboten wird. Ferdinand Schneider plant, bei einem konsumkritischen Stadtrundgang mitzumachen, und ist ansonsten froh, an diesem Tag nicht so viel gehen zu müssen: „Bei täglich 25 km Pilgerweg ist ein Ruhetag wichtig. Da geht es darum, zu waschen und die müden Knochen zu schonen.“ Doch trotz aller Strapazen ist Ferdinand Schneider überzeugt, dass sich die Anstrengung lohnt.

Mit dem Ruhestand fand er wieder die Zeit für ein altes Hobby, das Wandern, und knüpfte Kontakte zu einem Koblenzer Pilgerforum, wo er zum ersten Mal von dem ökumenischen Pilgerweg erfuhr und sofort begeistert war. Er will ein Zeichen setzen für Klimagerechtigkeit und mit seiner Teilnahme deutlich machen, dass Handeln in Sachen Klimaschutz dringend notwendig ist. Die Motivation für sein eigenes Engagement zieht er dabei aus dem Blick auf die kommenden Generationen, denen eine Zukunft in einer lebenswerten Umwelt ermöglicht werden müsse.

Gerade seine Generation habe die Zeit und das Wissen, sich für den Klimaschutz zu engagieren. So ist Schneider seit Jahren ein passionierter Rad- und Busfahrer, der nur selten das Auto benutzt und im eigenen Haushalt auf Strom- und Wärmeenergie-Einsparung achtet. Er ist überzeugt davon, dass jeder Einzelne seinen Teil zum Klimaschutz beitragen kann.

Trotzdem sieht er auf lokaler, auf persönlicher Ebene ähnliche Hemmnisse und Schwierigkeiten beim klimagerechten Handeln wie im globalen Maßstab. So sei das Denken und Handeln der Menschen häufig nur auf kurzfristige Bedürfnisse gerichtet und orientiere sich an einer aktuellen Kosten-Nutzen-Rechnung. Und so zieht er nach dem Pilgerweg auch für sich selbst das Fazit, dass er in der Zukunft mehr bewegen und sein Engagement ausweiten möchte.

Die internationalen Klimaverhandlungen sind aus Sicht von Ferdinand Schneider eher enttäuschend verlaufen, weil einige bedeutende Staaten verbindliches Engagement verweigerten. Trotzdem setzt er große Hoffnungen in den Pariser Klimagipfel, weil die USA im Vorfeld signalisiert hätten, dass sie sich stärker als in der Vergangenheit verpflichten werden.

HINTERGRUND

Im Vorfeld zur Weltklimakonferenz in Paris hat ein breites Bündnis von Kirchen und kirchlichen Einrichtungen zu dieser Pilgerreise von Flensburg nach Paris eingeladen, um damit das öffentliche Bewusstsein für die Bedeutung des Themas zu schaffen. Workshops und politische Aktionen entlang des Wegs und eine ökumenischen Abschlussveranstaltung während der Klimakonferenz sollten auf die globale Dimension des Klimawandels aufmerksam machen.