05.04.2016

Erhöhte Anforderungen für Energiemanagement-Systeme nach DIN EN ISO 50001

Die Minimierung der Kosten ist neben der Verbesserung der betrieblichen Umwelt-Performance und der Erfüllung gesetzlicher Verpflichtungen ein wesentlicher Grund, um ein strategisches Energiemanagementsystem (EnMS) in Organisationen einzuführen. Als Richtschnur für systematische Vorgehensweisen zur Analyse und Optimierung durch Managementsysteme dienen Normen wie die internationale Norm ISO 50001:2011 „Energiemanagementsysteme-Anforderungen mit Anleitung zur Anwendung“ (Deutsche Fassung DIN EN ISO 50001:2011-12), welche auf alle Größen und Organisationsformen von Institutionen anwendbar ist.

In Deutschland ist das Energiemanagementsystem nach ISO 50001 ein Erfolgsmodell: Bis 2014 wurden von den weltweit 6778 ISO 50001-Zertifikaten allein 3402, entsprechend rund 50 Prozent in Deutschland, ausgestellt (Quelle: ISO Survey).

Der Grund, warum gerade in Deutschland diese Norm so gut angenommen wird, liegt vor allem auch daran, dass einige Vergünstigungen (z.B. EEG-Ausgleichsregelung oder der Spitzensteuerausgleich) je nach Unternehmensgröße nur dann gewährt werden, wenn die Firmen nach ISO 50001 zertifiziert sind. Hinzu kommt, dass nach der Novelle des Energiedienstleistungsgesetzes (EDL-G) vom 22. April 2015 als Alternative zum Audit nach DIN EN 16247-1 die Einführung eines zertifizierten Energiemanagementsystems nach ISO 50001 bis zum 31. Dezember2016 möglich ist, was einen weiteren Anstieg erwarten lässt.

Am 15. Februar 2016 hat der  DIN-Arbeitsausschuss „Energieeffizienz und Energiemanagement“ NA 172-00-09 AA mit der Überarbeitung der Norm DIN EN ISO 50001 begonnen. Außerdem liegt seit 1. April 2016 der Entwurf der DIN ISO 50003 „Energiemanagementsysteme – Anforderungen an Stellen, die Energiemanagementsysteme auditieren und zertifizieren“ beim DIN-Normenausschuss in englischer und deutscher Sprache vor. Die Frist für Stellungnahmen wurde auf den 1. Juni 2016 festgelegt. Neben der Übernahme von ISO 50003 als DIN ISO Norm wurde laut Auskunft vom DIN-Normenausschuss Grundlagen des Umweltschutzes (NAGUS) auch bereits die Übernahme von ISO 50006 „Energiemanagementsysteme – Messung der energiebezogenen Leistung unter Nutzung von energetischen Ausgangsbasen (EnB) und Energieleistungskennzahlen (EnPI) – Allgemeine Grundsätze und Leitlinien“ in eine DIN ISO Norm beschlossen.

Eine Übernahme der ISO 50004 „Energiemanagementsysteme – Anleitung zur Einführung, Aufrechterhaltung und Verbesserung eines Energiemanagementsystems“ und ISO 50015 „Energiemanagementsysteme – Messung und Verifizierung der energiebezogenen Leistung von Organisationen – Allgemeine Grundsätze und Anleitung“ in das Deutsche Normenwerk als DIN ISO 50004 bzw. DIN ISO 50015 wird ebenfalls erwartet.

Was bedeutet das für die Unternehmen, die künftig ein Energiemanagementsystem einführen und betreiben, sowie für die Zertifizierer von Energiemanagementsystemen?

Neben der Etablierung eines funktionsfähigen Energiemanagementsystems als Basis rückt nun die nachgewiesene Verbesserung der Energieeffizienz (d.h. der „Energetischen Leistung“ oder der „Energy Performance“) in den Mittelpunkt und ist in der Norm ISO 50003:2014-10 „Energiemanagementsysteme – Anforderungen an Stellen, die Energiemanagementsysteme auditieren und zertifizieren“ fest verankert. Mit anderen Worten: Neben dem Nachweis der Compliance mit den einzelnen Normkapiteln des Managementstandards und der kontinuierlichen Verbesserung der Wirksamkeit des Managementsystems ist die kontinuierliche Verbesserung der energiebezogenen Leistung  gegenüber der energetischen Ausgangsbasis durch messbare Ergebnisse nachvollziehbar nachzuweisen. Das heißt, die Bestätigung der Verbesserung der Energieeffizienz durch Dokumentation im Auditbericht ist bereits erforderlich, um die Erstzertifizierung zu erteilen. Hierdurch erhöhen sich sowohl die Anforderungen für das Energiemanagement-Team im Unternehmen als auch die Anforderungen für Zertifizierer von Energiemanagementsystemen. Details dazu finden sich in der ISO 50003 unter der Position Kompetenzanforderungen.

Weiterführende Hinweise und Erläuterungen hierzu sind in den obigen Normen mit Leitfadencharakter ISO 50004, ISO 50006 und ISO 50015 enthalten. Beispiele für eine kontinuierliche Energieeffizienzverbesserung sind auch im Anhang der ISO 50003 aufgeführt. Hierbei werden künftig Energiekennzahlen auf Basis von kontinuierlichen Messungen zur Analyse und Überwachung der Energieeffizienz und deren nachgewiesene Verbesserung eine zentrale Rolle spielen. In diesem Zusammenhang gilt der von GMH Energiemanagement treffend formulierte Grundsatz: Nur wer seine Energieverteilung, seine Bedarfe und deren zeitlichen Verläufe kennt, kann seine Energieeffizienz steigern. Oder anders ausgedrückt: „Ohne Messen kannst du es vergessen.“

Die Energieagentur Rheinland-Pfalz bietet am 28. April 2016 den Praxisworkshop „Förderung von Energiemanagementsystemen“ in Bad Kreuznach an. Auf dem Programm steht unter anderem eine von der Ökotec Energiemanagement GmbH im Auftrag des BMUB entwickelte Methodik zur Aufstellung von Energiekennzahlen zur Steigerung der Energieeffizienz in Unternehmen. Darüber hinaus wird die schrittweise Einführung eines Energiemanagements nach DIN EN ISO 50001 erklärt und auf Erfolgsfaktoren eingegangen. Außerdem  zeigt die Energieagentur Fördermöglichkeiten durch das BAFA für Erstzertifizierung, Erwerb und Installation von Energiemesstechnik und Energiemanagementsoftware sowie begleitende Schulungs- und Beratungsleistungen auf. Anhand von Best-Practice-Beispielen werden Möglichkeiten zur Visualisierung des Energieverbrauchs, zum betrieblichen Lastmanagement und zur atypischen Netznutzung dargestellt. 

Weitere Informationen zu verpflichtenden Energieaudits für Unternehmen finden sich auf der Webseite der Energieagentur.

Ansprechpartner:

Kurt Seidel, Referent Energiemanagement in Unternehmen

Energieagentur Rheinland Pfalz GmbH

E-Mail: kurt.seidel(at)energieagentur.rlp(dot)de

Tel.: 0631 – 205 75 7137

Quellennachweise: ISO Survey; DIN – Normenausschuss Grundlagen des Umweltschutzes (NAGUS); GUTcert Akademie; BMUB; BAFA; Energieeffizienzmesse Frankfurt; GMH Energiemanagement